Gesetz zu Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gebilligt

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    • Gesetz zu Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gebilligt

      Die ausländischen Berufsabschlüsse von bis zu 300 000 Zuwanderern sollen künftig schneller anerkannt werden. So sollen Migranten mit Diplom oder etwa erfahrene Ärzte nicht länger als Taxifahrer oder Putzkraft arbeiten müssen.

      Der Bundesrat billigte am Freitag ein entsprechendes Gesetz. Nach dem Gesetzentwurf von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) sollen Zuwanderer einen Rechtsanspruch darauf bekommen, dass ihr Berufsabschluss aus dem Heimatland innerhalb von drei Monaten überprüft wird. Stimmt die Qualifikation mit den deutschen Anforderungen nicht überein, müssen zumindest die im Ausland erworbenen Kenntnisse bescheinigt werden.

      Trotz Kritik an dem Gesetzentwurf verzichteten die Länder auf die Anrufung des gemeinsamen Vermittlungsausschusses von Bundestag und Bundesrat. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sagte, eine Verzögerung durch ein Vermittlungsverfahren wäre ein falsches Signal für die Betroffenen. Sie warteten schon viel zu lange darauf, dass sie endlich Rechtsklarheit bekämen.

      Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte, der Gesetzentwurf sei ein Fortschritt - aber ein sehr kleiner. So fehle ein Anspruch auf Beratung und Qualifizierung für die Betroffenen.

      Schavan bezeichnete den Gesetzentwurf als «wichtiges integrationspolitisches Signal». Auch angesichts des künftigen Fachkräftemangels in Deutschland sei er lange überfällig. Sie wies die Kritik zurück, es gebe für die Betroffenen keinen Beratungsanspruch - dies sei bereits in anderen Gesetzen geregelt.

      Zudem werde beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nun eine zentrale Hotline für die Anerkennung der Abschlüsse eingerichtet, sagte ein Sprecher Schavans. Das Gesetz sei ein Signal für die Willkommenskultur in Deutschland.

      Die Ministerin rechnet damit, dass etwa 25 000 Menschen pro Jahr versuchen werden, sich ihre Qualifikationen anerkennen zu lassen. Nach Angaben der Bundesregierung könnten bis zu 300 000 Menschen von dem neuen Gesetz profitieren. Dies sei ein Meilenstein, sagte Vize-Regierungssprecher Georg Streiter.

      Der Weg zur Umsetzung des Gesetzes ist nach Angaben der Zeitung «Die Welt» (Freitag) aber noch weit. In manchen Ländern seien noch nicht einmal die ministeriellen Zuständigkeiten geklärt.
      newsticker.sueddeutsche.de/list/id/1227695
      :lol:
    • Ich halte das ganze auch für etwas fragwürdig. Das Qualifikationsniveau ist außerhalb des deutschen Sprachraums unter Absolventen eines Studiums weitaus breiter gefächert. Die etwa im 3 Monatsrhytmus auftauchende Schwachsinnsmeldung, in D würde ein wesendlich geringer Prozentsatz ein Studium abschließen als in diesem oder jenem Land ist ja auch nur der Tatsachen geschuldet,daß in vielen Ländern die betriebliche Ausbildung nich existiert, daß diejenigen die hier "Facharbeiter" sind eben in anderen Ländern einen akademischen Titel tragen (nicht aber qualifizierter sind als eben hier ein Facharbeiter). Diese Studienabschlüsse müßten dann aber 'downgegradet' werden, also anerkannt werden als eine Art Facharbeiterbrief. Da dies nicht gemacht wird ist abzusehen, daß ein Anerkennungszertifikat wohl zumindest in der freien Wirtschaft absolut nichts bringen wird.

      Im übrigen hat der WDR gestern auch drüber berichtet und stellte im Rahmen dessen einen kasachischen Ingenier der Lebensmitteltechnik vor. Dieser sprach nur rudimentär deutsch und war etwa 50 Jahre alt. Ich wage hier zu bezweifeln, daß diesem ein staatliches Zertifikat über irgendeine 'Gleichwertigkeit' des Ausbildungsabschlusses etwas bringen wird.
    • IBN schrieb:

      Im übrigen hat der WDR gestern auch drüber berichtet und stellte im Rahmen dessen einen kasachischen Ingenier der Lebensmitteltechnik vor. Dieser sprach nur rudimentär deutsch und war etwa 50 Jahre alt. Ich wage hier zu bezweifeln, daß diesem ein staatliches Zertifikat über irgendeine 'Gleichwertigkeit' des Ausbildungsabschlusses etwas bringen wird.

      Das habe ich auch gesehen. Meine Meinung dazu: Die Sprache ist alles! Er konnte für die lange Zeit, die er in D ist, nicht gut Deutsch.
      Jetzt ist er selbsständig in der Cateringbranche.

      Alles wird gut (irgendwann),

      Hans
    • ..., daß diejenigen die hier "Facharbeiter" sind eben in anderen Ländern einen akademischen Titel tragen (nicht aber qualifizierter sind als eben hier ein Facharbeiter).
      Guckt da nicht etwas deutsche Überheblichkeit hervor ? Zumindest mir ist so ein "Akademiker" noch nicht begegnet.

      Karasek
    • Karasek schrieb:

      Guckt da nicht etwas deutsche Überheblichkeit hervor ? Zumindest mir ist so ein "Akademiker" noch nicht begegnet.

      Nö, das ist Tatsache und hat absolut nichts mit Überheblichkeit zu tun. Der Facharbeiter wie auch die deutsche Krankenpflegerausbildung sind außerhalb Deutschlands und Österreichs unbekannt. Facharbeiter in allen anderen Ländern haben ein Hochschuldiplom, dabei wurde dann ein Wissen vermittelt, das dem deutschen Facharbeiter entspricht.

      P.S. Wenn man im russischen Wikipedia am Beispiel специальным и высшим техническим образованием, die höher technische Schule , also ein Hochschulexamen notwendig ist landet man bei

      Обязательно: знакомство с устройством и обслуживанием электроустановок; отчетливое представление об опасностях при работе в электроустановках; знание общих правил ТБ; знание правил допуска к работам в электроустановках напряжением до 1000 В; знание специальных правил ТБ по тем видам работ, которые входят в обязанности данного лица; умение вести надзор за работающими в электроустановках; знание правил оказания первой помощи и умение практически оказать первую помощь пострадавшим от электрического тока

      Dies ist in etwa das, was in Deutschland einem Betriebselektriker entspricht.
    • Es ist ein erster Schritt. Die Anerkennung von Abschlüssen führt jedoch noch zu keiner Jobgarantie.
      Man wird als Migrant neben dem perfekten Erlernen der Sprache nicht um Fortbildungen und Qualifizierungen herum kommen, weil gerade in den akademischen Berufen die Arbeitsanforderungen und das Arbeitsfeld oft gänzlich andere als im Heimatland sind. Ich weiß, dass im medizinischen Bereich da schon einige Maßnahmen laufen, was gut ist, denn es gibt immer weniger deutsche Mediziner und man will sich schließlich absolut sicher betreut fühlen.
      :lol:
    • @IBN,
      da hast du aber das russische System völlig falsch verstanden. Das sind doch keine Akademiker. Nach slawischem Sprachverständnis "studieren" die zwar alle, werden aber niemals als Akademiker angesehen. Die haben gerade mal Hochschulreife.
      высшее профессиональное образование = höhere Berufsbildung

      Karasek
    • Karasek schrieb:

      @IBN,
      da hast du aber das russische System völlig falsch verstanden. Das sind doch keine Akademiker. Nach slawischem Sprachverständnis "studieren" die zwar alle, werden aber niemals als Akademiker angesehen. Die haben gerade mal Hochschulreife.
      высшее профессиональное образование = höhere Berufsbildung

      Karasek

      Ich glaube schon das System richtig verstanden zu haben, denn eben die Anzahl dieser Berufsabschlüsse werden in den regelmäßigen Medienberichten immer als Studienabschluß qualifiziert, mit der Schlußfolgerung daß eben in anderen Ländern ein wesendlich höherer Anteil an Menschen studiert. Genau da lag meine Kritik.

      Ich beziehe mich z.B. auf solchen gequirlten Unsinneiner durchaus renomierten Wochenzeitung
    • Vor den osteuropäischen Ländern müssen wir uns nicht fürchten, egal, was die Presse schreibt, gibt es dort weniger "Akademiker" pro Jahrgang, als bei uns. Gefährlich ist nur der Vergleich mit Frankreich:
      nach französischem Recht gilt das Baccalauréat, das dem Abitur bzw. der Matura entspricht, als erster akademischer Grad


      Karasek
    • Ich habe gerade mal die Zahlen der zugrundeliegenden OECD Studie angesehen, ansolute Spitze ist die Slowakei, mit 60% Hochschulabsolventen, quasi ein Land von Akademikern. Die ganze bräsige Kritik der Medien hängt sich daran auf, daß Deutschland mit 30% Hochschulabsolventen weit weniger Akademiker hervorbringt als andere Länder (wie z.B. die Slovakei mit der doppelten Absolventenanzahl). Das hier Äppel und Birnen verglichen weden bleibt unberücksichtigt.

      siehe oecd.org/dataoecd/31/11/48669662.pdf
    • Dass es in der Slowakei keine 60 % Hochschulabsolventen gibt, kann ich aus eigener Kenntnis beschwören. Da hat jemand die Absolventen der Mittelschulen mitgezählt. XD Der tatsächliche Anteil der Hochschüler in der Slowakei liegt unter 30 %, für exakte Zahlen muss ich nochmal nachschauen.

      Karasek
    • tartu schrieb:

      Es ist ein erster Schritt. Die Anerkennung von Abschlüssen führt jedoch noch zu keiner Jobgarantie.
      Man wird als Migrant neben dem perfekten Erlernen der Sprache nicht um Fortbildungen und Qualifizierungen herum kommen, weil gerade in den akademischen Berufen die Arbeitsanforderungen und das Arbeitsfeld oft gänzlich andere als im Heimatland sind. Ich weiß, dass im medizinischen Bereich da schon einige Maßnahmen laufen, was gut ist, denn es gibt immer weniger deutsche Mediziner und man will sich schließlich absolut sicher betreut fühlen.

      Ich denke, Tartu bringt es hier auf den Punkt.
      Die Annerkennung der Abschlüsse in Deutschland ist ja erst der Anfang. Ich kann jetzt nur für den medizinischen Bereich sprechen, aber was nützt der Doktortitel, wenn Du keine Berufserlaubnis hast?
      Also muß eine Berufserlaubnis her, und hier wird es dann schon heftig für Migranten aus Drittländern:
      (Ich laß mal die sozialen Voraussetzungen weg, wie verheiratet und bestand der Ehe mit einem Deutschen, sowie die Dokumente die in D beschafft werden müssen, Gesundheitszeugnis, Führungszeugnis etc.)

      Also, nachdem die übersetzten und beglaubigten Abschlüsse und Diplome eingereicht wurden, und eventuell eine "Defizitprüfung" gefordert wird,

      - Minimum für eine BE ist Level B2
      - Nachweis über Berufserfahrung (in der UA Arbeitsbuch) und weiterführende Lehrgänge
      - Certificte of good standing aus dem Heimatland

      Die Rechtsicherheit das alles in 3 Monaten abgeschlossen ist halte ich deshalb für vorteilhaft. Das Certificat of good standing hat ja nur diese Gültigkeit. Die Defizitprüfung legt fest ob noch Nachholbedarf und weiters Studium gefordert ist. Vor allem aber wird in Zukunft die Berufserfahrung die im Heimatland gemacht wurde verstärkt berücksichtigt.
    • Weder Tschechien noch die Slowakei kommen auf über 20 % Hochschulabsolventen. Exakte Prozentzahlen hab ich zwar auf die Schnelle nicht gefunden, konnte aber die absoluten Studentenzahlen zu den Geburten ins Verhältnis setzen. In den 90er-Jahren, als ich noch Gymnasiallehrer in Tschechien war, lag die Zahl noch um die 10 % und auch jetzt konnte ich lesen, dass die Hochschulen nicht genügend Studenten haben.

      Karasek

      PS: Radio Prag vermeldete 12 %, erfahrungsgemäß sieht es in der Slowakei noch schlechter aus.