Mein erster Arbeitsplatz in Mogilev

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    • Mein erster Arbeitsplatz in Mogilev

      Im Januar 2004 war ich das erste Mal in Weißrussland, Minsk.
      Nur zwei Monate später sollte ich für 8 Wochen in Mogilev bleiben.
      Statt uns dem ganzen deutschem Visumstreß auszusetzen, hatten ich und meine jetzige Frau beschlossen, daß ich einfach für längere Zeit zu Ihr komme.
      Einzige Bedingung von meiner Seite war, ein halbwegs funktionierender Internetzugang.
      So könnte ich meine Arbeit als freiberuflicher Softwarentwickler auch von Mogilev aus ausüben.

      Ich habe mich also dann auf deutscher Seite um mein Visum gekümmert (ziemlich dubios über visumexpress.de ein 3 monatiges Geschäftvisum bekommen, mit Einladung einer weißrussischen Firma, die aber nur auf dem Papier existierte...), sowie mich um das Organisatorische gekümmert, damit ich abseits von zu Hause in Mogilev arbeiten konnte.
      U.a. kam dort gleich mein nagelneues Dell-Notebook zum Einsatz (Pentium-M, 1.5 GHZ, 1GB RAM).

      Meine Frau kümmerte sich um eine Wohnung für uns, und besorgte ein paar CallingCards für den Internetzugang per DFÜ/Modem.
      Auf den käuflich zu erwerbenden CallingCards war die Einwahlrufnummer vermerkt, sowie Username und Passwort zum Freirubbeln.
      Damit konnte man dann für ein gewisses Kontingent an MByte ins Internet gehen.
      DFÜ-Modem war ja (damals noch) im Notebook integriert, so musste ich mich dann vor Ort nur um die Verdrahtung der 2 Kabel zum Telefon kümmern.

      Nachdem auf beiden Seiten alles klar und geklärt war, ging es Anfang März dann wieder nach Weißrussland.
      Wieder mit der YAK-40 von Belavia von Schönefeld nach Minsk. Diesmal wesentlich weniger besorgter, fast schon routiniert.
      Ankunft Minsk, Krankenversicherung abgeschlossen, Paßkontrolle, Gepäck geholt, Zollkontrolle.
      Kontrolliert wurde gar nicht, nur kurz nachgefragt ob ich was zu verzollen hätte.
      Daß ich statt einem erlaubten, gleich zwei Notebooks dabei hatte, habe ich nicht weiter erwähnt.
      Mein altes Notebook (Pentium3-800MHz) sollte meine Frau dann bekommen, damit sie nicht mehr ins InternetCafe fahren muß.

      Mein Frau kam mit einem befreundeten Taxifahrer aus Mogilev zum Flughafen und wartete bereits auf mich.
      Mit ihm sind wir dann natürlich auch wieder zurück - eben nach Mogilev - gefahren.

      Irgendwann in der Nacht kamen wir in Mogilev an.
      Viel war im Dunkeln und spärlicher Straßenbeleuchtung nicht zu sehen.
      Als meine Frau meinte, wir sind bald da, zweifelte ich so langsam, ob sie mich nicht doch zusammen mit dem Taxifahrer "um die Ecke bringen wollen".
      Denn plötzlich ging es von der Straße weg auf einen Schnee-Matsch bedeckten quasi Feldweg, durch alte zerfallene Holzhäuser am Wegesrand, ein wenig Wald, bis dann endlich ein noch stehender dem Zerfall stark zugesetzter Plattenbau sichtbar wurde.

      Von Minsk war ich zuvor nicht allzu sehr geschockt gewesen. Erinnerte mich halt stark an Ostberlin.
      Das und in den darauffolgenden Tagen erkundschafte Mogilev hingegen war dann doch etwas "schockierend".
      Wirklich sehr viele heruntergekommende Häuser und Plattenbauten.
      Es roch auf den Straßen deutlich mehr nach Abgasen, uralte vom Rost zerfressende Gelenkbusse fuhren die Menschmassen durch die Gegend. Man merkte deutlich, es war halt nicht die Hauptstadt.

      Hinzukam natürlich das um diese Jahreszeit herrschende Wetter. Der Schnee schmolz so langsam dahin.
      Und zum Vorschein kam der braune, den Winter kaum überlebende Rasen.
      Dazu überall Matsch, Bäume ohne grün, verkommende Häuser im Hintergrund.
      Auch heute noch ist diese Zeit für mich sehr Depressions-fördernd.
      In Deutschland blühen die ersten Pflanzen, der Rasen ist auch trotz Winter einigermaßen grün, und Temperaturen bis 20Grad sind nicht selten auch schon im März. In Weißrussland ist um diese Zeit meist noch alles Pflanzliche tot.

      Nach der Ankunft in der Wohnung, richtete ich erstmal mein "Arbeitsbüro" ein.


      Meine Frau besorgte in der Zwischenzeit einen Kühlschrank, den man sich für ein paar Wochen oder Monate irgendwo mieten konnte.
      Notebook angeschlossen, Telefonkabel aus der Dose gerupft und mit dem Modemanschluß verbunden.
      Einwahl... - und nichts passiert...
      Ok, Tonwahlverfahren gabs damals noch nicht, also Modem erstmal wieder auf Impuls gestellt (klackklackklack... tdtdtd... klackklack...tdtd...). Nach etlichen Fehlversuchen, und der anschließenden Erkenntnis, daß man noch eine "8" vorwählen muß, danach auf ein neues Freizeichen zu warten hat (bzw. das Modem), bevor dann die eigentliche Einwahlnr. zu wählen ist, kam er dann endlich:
      Das Tüüütgrschhhgrschtutidüdelitü vom anderen Modem der Gegenstelle.
      Ich war drin!
      Naja... ein wenig... manchmal... und schnell wieder draußen.
      Das Modem brachte keinen stabilen Connect hin, denn die Leitung und Verbindung war einfach nur schlecht. Rauschen knattern, knistern.
      Na toll.... und nu?

      Dann gab es noch ein anderes Problem.
      Meine Registrierung...
      Der Mann von Visumexpress hatte mir gesagt, ich solle mich auf keinen Fall im Ovir mit diesem Visum im Pass registrieren.
      Stattdessen soll ich in irgendein Hotel gehen und mich dort registrieren lassen.
      Aha... nunja. Schaun wir mal, dachte ich so.
      Wir haben dann im "Hotel Mogilev" die Frau an der Rezeption "bestochen" :).
      Meine Frau hat sie freundlich gefragt, ob sie uns registrieren könne, ohne das wir real ein Zimmer nehmen.
      Nach ein paar Diskussionen "Njet Njet....", berechnte sie wohl dann den Zimmerpreis der dunkelsten Kammer die sie hatten, und sagte uns die Summe, die wir dann bezahlt haben.
      Ob sie das Geld dann behalten hat, oder halbwegs offiziell es verbucht hat - keine Ahnung.
      Ich hatte jedenfalls anschließend mein Zettelchen mit dem Registrierungsstempel im Pass.

      So war dann "nur" das Problem mit dem Internet zu lösen.
      Die PCs im InternetCafe waren für meine Kommunikation gänzlich ungeeignet.
      Mails lesen/schreiben ja. Aber USB-Stick anschließen um Daten zu versenden ging nicht.
      Weil an den uralten Kisten schlicht kein USB-Anschluß vorhanden war.

      Eine andere Lösung musste her.
      Internet übers Handy? Soll es doch auch schon in Belarus geben.
      Also bei Velcom dem hiesigen Mobilfunkprovider informiert -> ja gibts!
      GPRS mit irgendeinem Volumentarif, der für mich erschwinglich war.
      Für den normalen Weißrussen mit Sicherheit nicht.
      Dumm nur, daß mein neues Siemens S40-Handy gar kein GPRS kann...

      Bei Velcom gab es nur ein einziges Handy zu kaufen, daß das konnte. Ein Nokia 5100 - ist fast ein Outdoor-Handy mit Gummigehäuse außen herum.
      VK-Preis 550000Rb. Das waren damals so 250€. Zum Vergleich: Meine Frau verdiente zu der Zeit als Angestellte in einer Bibliothek nur 150000Rb. Ich war also im Begriff ein Handy zu kaufen, was dem Gehalt von knapp 4 Monaten meiner Frau entsprach.

      Die 250€ hatte ich auch nicht einfach in meiner Portokasse, aber da ich Internet zwingenst brauchte, musste ich das Handy halt kaufen.
      Ich glaube hier wurde zum ersten Mal ganz offensichtlich wie groß der monetäre Unterschied zwischen mir und meiner Frau war.
      Zuvor hatte ich weiß Gott nicht mit Geld geprotzt um irgendwen zu beeindrucken.
      Natürlich alle Rechnungen im Restaurant und Hotel bezahlt - klar. Aber ansonsten war ich doch sehr zurückhaltend was das Geld anbelangt.

      Meine Frau hat sich dann eine Prepaidkarte geholt, den InternetTarif gebucht, und wir haben an der Kasse bei Velcom dann alles bezahlt.
      Zurück in der Wohnung war die Simkarte bereits aktiviert, und nach einiges anderen kleineren Problemen (Verbindung zum Handy ging nur über Infrarot - mangels Kabel, welches wir erst später nach tagelanger Suche in irgendeinem Shop gefunden hatten) ging dann die Verbindung zum Internet reibungslos.
      Effektiv 2-3 kByte pro Sekunde... das waren noch Zeiten...
      Aber Hauptsache ich war online und die Verbindung war stabil.

      Nach ein paar Tagen "Arbeit" tat mir der Rücken durch das Sitzen im Sessel am provisorischen Schreibtisch dermaßen weh, daß dann noch eine Investition in einen einfachen Bürostuhl gemacht werden musste.

      So in dieser Zeit lernten wir uns dann eigentlich erst richtig kennen.
      Im ganz normalen Zusammenleben. Meine Frau ging in Ihrer Bibliothek arbeiten, ich blieb in der Wohnung, um von dort aus zu programmieren.
      Den Abend, die Nacht und das Wochenende hatten wir dann für uns.

      Und nach und nach lernte ich dann Mogilev auch von seiner schönen Seite her kennen...
    • wie sich die Bilder gleichen....

      :thumbup: oh mann ja
      erstmal vielen Dank für den schönen Bericht!

      ich könnte den einfach kopieren, Mogilev gegen meine Stadt austauschen und andere Bilder laden... :phat:

      Irgendwie ist es eben so wenn man aus dem "Westen" nach "Osten" fährt ist es auch eine Zeitreise. ich hab mich , nachdem der erste Schock vorbei war, zurückgesetzt gefühlt in meine Kindertage bei meinen Urgrosseltern auf dem Bauernhof...

      Alles was Du geschrieben hast, habe ich fast genauso hier in der Ukraine erlebt nur 5 jahre später :walklike: und ich bin mit dem :auto: die schlappen 2800 km gefahren.
      Die Begegnung mit meiner Frau fand dann auf der Tankstelle statt nach 3 Tagen fahrt--
      [IMG:http://up.picr.de/9224637qcq.jpg]


      nach der ersten Nacht und den Eindrücken am Morgen, nicht nur von den Sanitären Einrichtungen :ill: ,

      tat sich mir die Frage auf ?( .. soll ich das Auto wirklich auspacken ... oder tanken und wieder fahren?

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      ok die Tatsache das ich immer noch hier bin, hat die Frage beantwortet, und das Haus sieht nach nun 2 jahren bauzeit auch etwas anders aus.

      Mein erster Arbeitsplatz ist Deinem sehr ähnlich gewesen :pardon: wobei das Bild schon "neuer" ist, nachdem Tapeten und Fussboden gemacht wzrden
      [IMG:http://up.picr.de/9224640cia.jpg]


      und wie du ja auch geschrieben hast, die schönen Seiten sind natürlich auch da und für mich überwiegen sie.,..
      [IMG:http://up.picr.de/9224648ahy.jpg]


      " versuch nicht dieses Land mit Logik zu verstehen..... :brueller:
    • matze schrieb:

      von den Sanitären Einrichtungen
      Wobei das mich nie richtig gestört hat.
      Uralte Toiletten, millimeterdicke Kalk und sonstiges Ablagerungen, Fliesen aus Onkel Adolfs/Stalins-Zeiten....
      Solange die Kloschüssel selbst an sich sauber war, keine Reste diverser Vorgänger (wie auf den Raststätten), und man sich bedenkenlos hinsetzen konnte, war das für mich nie ein Problem oder gar erwähnenswert.

      Viel schlimmer empfand ich die total verdreckten Treppenhäuser.
      Ein Geruchmix aus Urin, Zigaretten und Müll.
      Wobei der Uringeruch im Winter sehr oft von den Katzen kam, die einen warmen Unterschlupf im Treppenhaus hatten und da so "herummachten".
    • Das stimmt und unsere Nachbarn haben alle noch diese nette ein Quadratmeter Hütte im Garten .... Aber ehrlich dass muss ich nicht mehr haben. Noch dazu wo die schwarzen Witwen inzwischen schon hier angekommen sind. Ich hatte im Herbst eine im Garten und DAS muss ich echt nicht haben
    • Sicherheitsabstand

      :fie: die Biester sind ja nicht sehr gross . Letztes jahr hat es hier im Ort 4 oder 5 Bisse gegeben , Soweit ich weiss nur bei Feldarbeitern und sind alle mehr oder weniger harmlos abgegangen,

      NUR das ist eben keine Garantie und bei Kindern und Haustieren sieht es dann schon wieder ganz anders aus. Im nachbarort ist ein kleines krankenhaus, da hängen sogar warnplakate.. auf meine nachfrage wegen Gegengift bekam ich nur ahnungsloses Schulterzucken :dash: :dash: :dash:
      Die Schwarze Witwe dagegen, die u.a. im Reservat Karadah zu finden ist, ist ein ganz anderer Fall. Gefährlich kann das Weibchen nicht nur für das Männchen werden, welches nach der Begattung aufgefressen wird. Diesem Umstand wie ihrer tiefschwarzen Färbung hat die Schwarze Witwe ihren Namen zu verdanken. Charakteristisch ist auch die rote Zeichnung auf der Bauchseite. Bissunfälle sind zwar eher selten der Fall, können aber gelegentlich vorkommen, besonders an Orten, wo es dunkel und kühl ist. So sollten besonders bei Außentoiletten die Sitze besser erst einer sorgfältigen Untersuchung unterzogen werden, bevor man sich darauf niederlässt. Nicht selten hält sich die Schwarze Witwe an diesen Orten auf, da durch den Fäkaliengeruch Insekten und somit ihre Ernährungsgrundlage angelockt werden. Das Hauptsymptom eines Bisses sind Schweißausbrüche und ein allgemeiner, starker Körperschmerz. Ein sicherer Hinweis ist das Schwitzen der Haut an der Bissstelle. Allergiker müssen hier besonders aufpassen, da für sie ein Biss auch tödlich enden kann.


      wer noch mehr lesen Möchte hier 2 links dazu
      de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Schwarze_Witwe

      goruma.de/Laender/Europa/Ukraine/Wissenswertes/Tiere.html
    • :uebel: stimmt... aber das geht noch .. ich hab schon andere gesehen ...

      ist ja irgent wie ein SCheiss Thema :modo: im wahren Sinn des Wortes... :walklike: #aber nun stell dir dieses nett gemauerte Loch mal vor mit morschen Holzlatten statt Steinen und nur halb so tief.... weil voll :puke: ---

      ok lasst uns das Thema wechseln.. BITTE :brueller:
    • lasst uns lieber die schönen Seiten bereden

      .. für mich war es schon ein Erlebnis von der gemeinde wo ich lebe eingeladen zu sein zum 9. Mai Feiertag.. also zu der offiziellen Veranstaltung


      ok der offizielle teil war natürlich Musik und Salut und die ganze Dorfjungfern hatten sich rausgeschmückt :vain:


      [IMG:http://up.picr.de/9227378hjp.jpg] [IMG:http://up.picr.de/9227380yuq.jpg]


      naja mach das mal in einem DEUTSCHEN Musem und setzt eines der Exponate auf :nono: ...
      ok mein Kumpel ) er ist von hier) sagte das darf man(n)....
      [IMG:http://up.picr.de/9227382ril.jpg] ok ich habs net probiert..


      dafür aber den selbst gemachten Vodka :dash: :dash: :dash: :dash: :dash: :dash: :dash:

      [IMG:http://up.picr.de/9227379anw.jpg]

      [IMG:http://up.picr.de/9227464yof.jpg]

      [IMG:http://up.picr.de/9227465pvv.jpg]

      [IMG:http://up.picr.de/9227466sxb.jpg]
    • MrMogilev schrieb:

      ziemlich dubios über visumexpress.de ein 3 monatiges Geschäftvisum bekommen
      ich habe heute mittag mal etwas Papierkram in meinem Arbeitszimmer gemacht (u.a. mal wieder aufgeräumt).
      Dabei fiel mir dann die Rechnung von oben genannter Visa-Agentur von Mai 2004 in die Hand.
      Bei der hatte ich im Anschluß an das 3-Monats-Visum ein Jahres-Business-Visa beauftragt.
      Für schlappe 510€ ... *hust*

      Mann muß ich damals verliebt gewesen sein :pardon: