Чому українці соромляться бути українцями?

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    • Чому українці соромляться бути українцями?

      Ich stelle den Artikel ( ukrainisch ) von Яніна Ігнатенко aus der Pravda hier ein weil ich ihn nicht nur für sehr lesenswert halte. Mit einem Übersetzungsprogram läßt sich der Artikel auch super lesen!

      Чому українці соромляться бути українцями? Warum schämen sich Ukrainer ukrainisch zu sein?


      Interessant ist der Artikel für mich persönlich vor allem deshalb, weil die Autorin in den letzten Absätzen auf die Entwicklung des ethnischen bzw. nationalen Zugehörigkeitgefühl von Kindern eingeht. Für mich als Vater eines Kleinkindes stellt sich schon die Frage was gebe ich meiner Tochter bezüglich ihrer Herkunft, Geschichte, Kultur und Nation mit auf ihren Lebensweg. Natürlich will ich das meine Tochter mit einem Gefühl von Patriotismus Land, Menschen, Kultur und Geschichte ihrer ukrainisch und deutschen Wurzeln kennt. Aber laufe ich dann nicht auch Gefahr, daß dies irgendwann in Intoleranz umschlägt? Kann man einem Kind oder Teenager die ukrainische Geschichte so objektiv wie möglich nahe bringen, ohne daß Vorurteil oder gar Groll gegen die „bösen Russen“ heranwächst?

      Oder mach ich mir da einfach zu viele Gedanken und sollte darauf vertrauen das sie die nötige Reife hat sich selbst ein Urteil zu bilden?
    • Minuteman schrieb:

      Ich stelle den Artikel ( ukrainisch ) von Яніна Ігнатенко aus der Pravda hier ein weil ich ihn nicht nur für sehr lesenswert halte. Mit einem Übersetzungsprogram läßt sich der Artikel auch super lesen!

      Danke, das werde ich mir heute Abend auf jeden Fall mal ansehen!

      Minuteman schrieb:

      Natürlich will ich das meine Tochter mit einem Gefühl von Patriotismus Land, Menschen, Kultur und Geschichte ihrer ukrainisch und deutschen Wurzeln kennt. Aber laufe ich dann nicht auch Gefahr, daß dies irgendwann in Intoleranz umschlägt? Kann man einem Kind oder Teenager die ukrainische Geschichte so objektiv wie möglich nahe bringen, ohne daß Vorurteil oder gar Groll gegen die „bösen Russen“ heranwächst?

      Ich glaube, es gibt absolut keine Alternative dazu, sich an Fakten zu halten. Eine "geschönte" oder "gefilterte" Wahrheit ist m.E. nicht hilfreich, weil in dem Moment, wo ein Mensch mitbekommt, dass da noch mehr ist, die Gefahr besteht, dass er ein grundsätzliches Misstrauen entwickelt.

      Ich glaube, dass Werte wie Weltoffenheit und Toleranz weniger davon abhängen, mit welchen Ansichten man aufwächst, als vielmehr davon, was die Eltern einem vorleben. In meinem Elternhaus war es z.B. so, dass meine Eltern heute eine völlig andere Sicht der Dinge haben wie ich, wir aber mein ganzes Leben lang ausgiebig über derartige Themen diskutieren konnten. Der entscheidende Punkt war, dass sie mir immer sehr deutlich zeigten, dass sie von mir nicht erwarteten eine "richte Sichtweise" zu entwickeln und dass ihre Liebe und ihr Respekt nicht davon abhing, dass ich mit ihnen einer Meinung war.

      Umgekehrt gesagt, würde ich mal postulieren, dass, wo das komplett fehlt, es für einen Menschen immer schwer sein wird, akzeptieren zu lernen, dass neben seiner eigenen noch andere Sichtweisen (oder gar: Welten) existieren, die der eigenen gegenüber prinzipiell gleichberechtigt sind.
    • Ich habe gerade meine Kinder gefragt sind die Deutsch oder
      Ukrainisch. Mein Sohn meinte er ist ein
      Deutscher, meine Tochter antwortete halb-halb.
      Mein Sohn sagt mir oft „Sprich Deutsch ich kann Dich nicht verstehen“.
      Meine Tochter spricht ein bisschen Russisch, kann auch russisch lesen. Wenn mein Sohn gefragt wird, wie seine
      Babuschka und Deduschka heißen, weiß er nicht oder nicht wissen möchte. Meine Tochter erzählt immer gerne über meine
      Eltern. Sie hat auch für die Schule (ganz freiwillig) einen Vortrag über die
      Kirche in der Ukraine vorbereitet. Ich will damit sagen dass zwei Kinder in
      einer Familie mit gleicher Erziehung verschiedene Sichtweisen haben können.


      Man kann die Nationalität
      wie auch Eltern sich nicht
      aussuchen. Ich habe mich über meine Nationalität niemals geschämt. Aber wenn ich sage:“ Ich bin stolz dass ich eine Ukrainerin bin
      weil….“, dann gehen mir die Worte aus. Soll ich mich vielleicht dafür schämen?
      Gruß. M
    • Myla schrieb:

      Aber wenn ich sage:“ Ich bin stolz dass ich eine Ukrainerin bin
      weil….“, dann gehen mir die Worte aus. Soll ich mich vielleicht dafür schämen?

      Ich finde, das ist eine wirklich interessante und wichtige Frage. Welchen Stellenwert hat so etwas wie Nationalität überhaupt? Eigentlich möchte man ja meinen und vielleicht auch etwas hoffen, dass das Zeitalter der Nationalitäten und Nationalstaaten sich langsam dem Ende engegenneigt. Trotzdem wird das möglicherweise für viele von uns aktuell, wenn wir für längere Zeit oder gar für immer im Ausland leben.
      Ich hatte in einem Diskussionsthema hier vor ein paar Wochen dazu mal geschrieben:

      mbert schrieb:

      Ich persönlich stehe auf dem Standpunkt, dass historische Verantwortung nicht bedeutet, sich permanent für etwas entschuldigen zu müssen, aber dass man ganz einfach eine Art "Erbe" hat, was seine positiven und negativen Aspekte hat, und mit dem man verantwortungsvoll umgehen muss.

      Das betraf natürlich speziell den Aspekt historischer "Vergehen" des eigenen Volks vor der eigenen Zeit, aber es betrifft aus meiner Sicht eben auch eine Art von Annahme und Identifikation mit einem Erbe, das man sich nicht ausgesucht hat.

      Ich selber habe einen Hintergrund als Westdeutscher, der zur Zeit des kalten Kriegs aufgewachsen ist und politisch pi-mal-Daumen "linksliberal" eingestellt ist. Für mich war und ist der Begriff "Nation" daher auch immer ein wenig problematisch bzw. ambivalent. Interessant wurde es für mich, als ich einige Zeit im Ausland lebte und quasi "von außen" meine eigenen Landsleute beobachtete, später dann durch diesen Spiegel auch mich selber etwas anders sah. Das selbe gilt natürlich auch in einer binationalen Partnerschaft. Ich würde sagen, dass die Person, die ich bin, nicht unwesentlich durch meinen kulturellen Kontext (also "deutsch") geprägt ist, und ich sehe, gerade im Vergleich zu anderen Nationalitäten, ganz einfach einige Dinge, die mir in meinem Volk und meiner Kultur gefallen und welche, die ich nicht so sehr mag.

      Als weiteren kleinen Exkurs möchte ich noch kurz erwähnen, dass wir zu dem Thema im Ukraine-Forum der Ukraine-Nachrichten mal eine Diskussion hatten. Ich schrieb damals u.a. dazu:

      Die Frage, an der wir hier oft aneinandergeraten, ist, ob eine Nation etwas an sich Schützenswertes ist. Hier scheint mir erneut wichtig, den Begriff "Nation" erst einmal vom Begriff "Staat" getrennt zu halten, dazu schreibe ich unten noch etwas. Es gibt den "blöden" Spruch: "Blut ist dicker als Wasser". Hierin steckt, dass wir Menschen wie übrigens auch die Tiere eine Art angeborenen Trieb haben, die Interessen der eigenen Sippe über die Interessen wildfremder Artgenossen zu stellen. Das geht über diverse Ebenen. Ich denke, die meisten von uns wären zum Äußersten bereit, wenn die eigene Frau bzw. der eigene Mann und / oder die eigenen Kinder irgendwie in Gefahr wären. Das ganze geht dann abgestuft weiter mit den Eltern, weitere Verwandschaft, Freunde, Bekannte etc. Wir sind ja im Kern Herdentiere und wir verhalten uns auch wie solche. Anders als z.B. Wölfe haben wir nun aber auch noch eine Art von Vernunft, die uns erlaubt, darüber zu sinnieren, ob nicht eine gewisse Interessenabwägung notwendig ist - ist das Wohl eines Menschen, mit dem uns irgendetwas verbindet wirklich mehr wert als das eines wildfremden? Ich glaube, die meisten von uns haben sich darüber schon einmal irgendwie Gedanken gemacht und für sich eine irgendwie geartete Abwägung getroffen.

      Irgendwo in diesem Spannungsfeld befindet sich nun die Gemeinschaft "Nation" - Menschen, die wir tendentiell etwas besser verstehen, weil sie tendentiell eine ähnliche Mentalität haben wie wir selber, weil sie mehr oder weniger die gleiche Sprache sprechen, weil uns ein geographischer und geschichtlicher Kontext verbindet. Und selbst wenn wir selber zu dem Schluss kommen sollten, dass wir emotional überhaupt keinen Bezug haben wollen zu Menschen, die wir nicht persönlich kennen (ich glaube nicht, dass es überhaupt möglich ist, so etwas konsequent durchzuhalten, aber sei es drum), dann müssen wir doch akzeptieren, dass es sich bei diesem Trieb, sich unter einer Gemeinsamkeit zu versammeln, um ein natürliches menschliches Bedürfnis handelt, das für andere Menschen Sicherheit und Geborgenheit bedeutet.

      Wie stark die Bindung zu einer solchen Gemeinschaft ist, hängt sicher auch stark von äußeren Umständen ab. Z.B. bekommt die Zugehörigkeit zur Arbeiterklasse durch materiellen Druck eine besondere Bedeutung. Eine kulturelle Gemeinschaft wie die der "Nation" kann z.B. an Bedeutung gewinnen, wenn einem Kultur generell sehr wichtig ist, oder auch, wenn man viel mit Menschen anderer Kulturen zu tun hat und so viel bewusster wahrnimmt, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind. Jeder mag da seine eigenen Gründe haben.


      Das Ganze kann in voller Pracht in dieser Diskussion gelesen werden: Begriff "Nation"
    • mbert schrieb:

      Ich glaube, es gibt absolut keine Alternative dazu, sich an Fakten zu halten.
      Natürlich, 100% konform! Das "Problem" bei vielen Fakten ist, daß sie interpretierbar und fast beliebig verwendbar sind.
      Die Fakten alleine machen noch nicht das Gesamtbild, und hier wird's kritisch :kozak-thinking:

      mbert schrieb:

      Eine "geschönte" oder "gefilterte" Wahrheit ist m.E. nicht hilfreich, weil in dem Moment, wo ein Mensch mitbekommt, dass da noch mehr ist, die Gefahr besteht, dass er ein grundsätzliches Misstrauen entwickelt.
      Siehe Ukraine nach der Unabhängigkeit, als die geschönten und gefilterten "Wahrheiten" der Sowjetzeit auf den Tisch kamen. Das Ergebnis war/ist, das die geschönte und gefilterte Wahrheit in nicht unerheblichen Teilen der Bevölkerung durch Sowjetromantik ersetzt wurde.
      Nun gut, die bzw. wir sind keine unbeschrieben Blätter mehr wie ein Heranwachsender.

      Myla schrieb:

      Man kann die Nationalität
      wie auch Eltern sich nicht
      aussuchen. Ich habe mich über meine Nationalität niemals geschämt.
      Dafür gibt es auch nicht den geringsten Grund. Man kann sich für seine Landsleute oder Regierung schämen, aber bitte doch niemals für seine Nationalität.

      Myla schrieb:

      Aber wenn ich sage:“ Ich bin stolz dass ich eine Ukrainerin bin
      weil….“, dann gehen mir die Worte aus.
      Och, wäre ich ein Ukrainer könnte ich so Einiges dazu schreiben, warum ich stolz bin ein Ukrainer zu sein :kozak-eyebrows:

      mbert schrieb:

      Für mich war und ist der Begriff "Nation" daher auch immer ein wenig problematisch bzw. ambivalent.
      Das kann ich nicht nachvollziehen. Erst das Bewusstsein zur Nation, vor allem im Falle der Ukraine, hat aus dem Land das gemacht was es heute ist: Ein souveräner, unabhängiger Staat!
      Ich habe die Diskussion aufmerksam verfolgt, aber lieber dazu nichts geschrieben. Eher ist die Abneigung/Ablehnung gegen das Konstrukt Nation bzw. schon an der Begrifflichkeit äusserst problematisch.
    • Minuteman schrieb:

      Ich stelle den Artikel ( ukrainisch ) von Яніна Ігнатенко aus der Pravda hier ein weil ich ihn nicht nur für sehr lesenswert halte. Mit einem Übersetzungsprogram läßt sich der Artikel auch super lesen!

      Minuteman, so eine Art von Artikel kann man immer wieder (alleJahren) lesen. Das ist so eine Art Tradition. Leider überlässt die Autorin, genau, wie alle anderen die Gründe,( wieso es so ist, wie es ist). Man hört immer wieder, wie es uns nicht geglückt wurde mit den Nachbarn, Regierung, Geschichte... und immer sind alle Schuld, außer uns selbst. So eine Aussage existiert in ukr. Gesellschaft schon lange und mutierte sogar mit der Zeit zu allgemeiner Meinung und Diagnose. Ich versuche zu erklären, was ich meine.
      Überhaupt alles, was die Ukrainer über sich erzählen ist wie, wie viel, wie lange, auf welche Weise sie geschlagen wurden, gequält und getötet wurden...mit der Zeit ist es sogar zu nationalem Stolz (oder so etwas ) geworden :”sie haben uns getötet, und wir sind nicht gestorben...” Die Nationalhymne “Noch ist die Ukraine nicht gestorben” spricht schon für sich.

      Die Geschichte und mentale Seite des Volkes wiederspiegelt sich im Lieder, Märchen, Legenden, Sagen... Wenn wir die militärische ukr.Lieder anschauen (hören), finden wir da nichts anderes, als jede Menge Blut, Berge von Leichen und mehrere Tonnen Trennen. Z.B.:"Повіяв вітер степовий, трава ся похилила, впав в бою січовий стрілець - дівчина затужила", "Ой там при долині китайкою вкритий, лежить край дороги січовик убитий", "Там під Львівським замком старий дуб стояв, а під тим дубочком партизан лежав", "Стрілецькі могили", "Ой впав стрілець", "Питається вітер смерти", "Чорна рілля ізорана і кулями засіяна... лежить козак на купині", "Вовки сіроманці кістки порозносять", "Коли ми вмирали нам дзвони не грали", "Гармати били а ми наступали, один по одному падали". Dabei das ist IMMER UNSERE Blut und UNSERE Leichen! Mit solchen Lieder man konnte bestimmt leichter sterben, aber auf keinen Fall siegen. In diesen Lieder fehlt wichtigste – Schrei nach dem Sieg, was jeder Krieger benötigt. Meinst du das so etwas keinen Einfluss auf die Geschichte hatte?

      Berestetschko. Kruty. Hungersnot. Jetzt Schewtschenkos Tod...das Können unsere Untergänge zu feiern, sind bei uns unikal.

      Honta und Taras Bulba töten ihre Söhne. Dowbusch betrügt seine Frau, dafür wird er auch teuer bezahlen. Wo sind denn unsere “Bohatyri” Helden? Kosak Holota? Oder immer verweinter Kosak Mamaj? Wir haben keine Helden. Stark sind bei uns NUR Frauen.

      Ukrainische Bauern interessierten sich leider nicht für freien Staat, sie interessierte nur die Erde ihren Herren. Deswegen haben sie mit ihrem passivem "nichts tun", Bolschewikenmacht eingenommen. Bolschewiken bedankten aber auf ihre Weise und kriegten Ukrainer diese Erde im 33-er . Wer ist hier Schuld?

      Bolschewiken beherrschten das Volk dank gewöhnliche “Haljawa”. “Wegnehmen und teilen...” So eine Idee hat dem Volk gefahllen. Man denkt sich , so eine Erfahrung soll einige was belehren. Aber im 1991, vor dem Referendum schon national-demokratische Kräfte erheben Slogan Haljavy. Alle Zeitungen sind voll von Kohleproduktion, Metall, Brot, Butter und Wurst. Parallel dazu drück man auf die alte Wunden und überall werden der Hunger von 33-er beschrieben. Das Volk versteht so eine Sprache, denn das ist einzige “Sprache”, die es versteht. “Wird Ukraine-wird alles sein!”
      Da ist die Ukraine – unabhängig, und alle warten wieder auf himmlische Manna. “Na, wenn die Hriwnja kommt, na dann...” Hriwnja kam und die Situation ist gleich geblieben. Kamm erste Enttäuschung:” Wie kam es dazu, wie haben doch alles gemacht...und Bauchtanz getanzt und Regenlieder sangen und Schamanen zauberten...aber goldener Regen kam nicht”. :dash:

      Was ich eigentlich sagen will: Die Geschichte lehrt uns, dass sie uns gar nichts lehrt. Ewige HALJAWA. Ewige Gedanke, dass ein Mesija kommen muss und uns befreien.

      м-да, сам проблем... нєт ума, щітай Калєка (сленг)

      як Бог хоче покарати, то наперед відбере Розум (народна культура)

      нам срєдствов хватаєт, нам Ума нє хватаєт (Кот МАТ-роскін)

      Так хто ж усе-таки із'їв НАШУ КОВБАСУ В ШОКОЛАДІ ??? Also, wer hat unsere Schokoladenwurst gegesen?
      "Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind."
      Matthäus 5:3
    • Maxima schrieb:

      Minuteman, so eine Art von Artikel kann man immer wieder (alleJahren) lesen. Das ist so eine Art Tradition. Leider überlässt die Autorin, genau, wie alle anderen die Gründe,( wieso es so ist, wie es ist). Man hört immer wieder, wie es uns nicht geglückt wurde mit den Nachbarn, Regierung, Geschichte... und immer sind alle Schuld, außer uns selbst.
      In allem was Du sagst stimme ich Dir zu. Liest man die Legenden und Geschichte, hört die Lieder könnte man zu dem Schluß kommen die Ukraine hätte sich in einer Art „Opferrolle“ eingerichtet und alle anderen wären Schuld an dieser Situation. Dies kannst Du meiner Meinung aber deiner Nation und Landsleuten nicht zum Vorwurf machen.
      Es nützt dem mutigsten und stärksten Krieger kein Schrei nach dem Sieg wenn er einen aussichtslosen Kampf führt. Da bleibt nicht mehr viel, ausser eben der Heldentot!
      Ein kurzer Streifzug durch das 20.Jahrhundert zeigt das Dilemma:
      UNR 1917, deutsch und österreich-ungerische Truppen ziehen ab, Bürgerkrieg, Einmarsch der roten Armee, Ende der ersten ukrainischen Volksrepublik, Teilung, Westukraine geht an Polen, Ostukraine wird in die SU eingegliedert.

      1922 – 1941 Holodomor und Stalinistischer Terror

      1941 – 1943 Einmarsch der deutschen Wehrmacht, keine Befreiung sondern Besatzung, Germanisierungspolitik mit einer Vertreibungs- und Vernichtungspolitik der ukrainischen Bevölkerung.
      Stepan Bandera sagte schon nach der Zusage der Deutschen nach dem Einmarsch auf einen unabhängigen ukrainischen Staat:“ Sie (die Deutschen ) werden uns verraten, aber wir haben keine Wahl“

      1943 – 1945 Rückzug der deutschen Truppen, verbrannte Erde und „Befreiung“ durch die Rote Armee.


      Nach Kriegsende erneuter Terror unter Stalin, Massendeportationen und Säuberungsaktion durch NKWD der vermeintlichen Kolloborateure des Nazi-Regimes.

      Ende der 50er Jahre endgültige Zerschlagung der letzten Widerstandsgruppen.

      Es zeigt also, die Ukraine welche schon alleine aus geographischer Sicht immer eingeklemmt war zwischen militärischen und wirtschaftlichen Großmächten (Russland, Polen, Österreich-Ungarn sowie Deutschland ) mußte immer doppelt bluten wenn die Großmächte über das Land hinweggefegt sind. Der Verrat durch diese Großmächte war immer allgegenwärtig!
      Wo ist also die Schuld der Ukrainer, wenn vorhanden, zu suchen?

      Deswegen finde ich den Satz in der Hymne der Ukraine:“Noch ist die Ukraine nicht verloren...“ gar nicht mal so abwegig.


      Das sich nach der Unabhängigkeit 1991 in der Bevölkerung eine gewisse Ungeduld breit macht kann ich sogar auch noch verstehen.

      Maxima schrieb:

      Mit solchen Lieder man konnte bestimmt leichter sterben, aber auf keinen Fall siegen. In diesen Lieder fehlt wichtigste – Schrei nach dem Sieg, was jeder Krieger benötigt. Meinst du das so etwas keinen Einfluss auf die Geschichte hatte?
      Die Geschichte zeigt, daß die Ukraine "Schlachten" gewonnen hat, aber niemals einen "Krieg" :kozak-lulka:

      Maxima schrieb:

      Wir haben keine Helden. Stark sind bei uns NUR Frauen.
      Ja, dieses Gefühl beschleicht mich schon seit längerer Zeit.
    • Minuteman schrieb:

      Interessant ist der Artikel für mich persönlich vor allem deshalb, weil die Autorin in den letzten Absätzen auf die Entwicklung des ethnischen bzw. nationalen Zugehörigkeitgefühl von Kindern eingeht. Für mich als Vater eines Kleinkindes stellt sich schon die Frage was gebe ich meiner Tochter bezüglich ihrer Herkunft, Geschichte, Kultur und Nation mit auf ihren Lebensweg. Natürlich will ich das meine Tochter mit einem Gefühl von Patriotismus Land, Menschen, Kultur und Geschichte ihrer ukrainisch und deutschen Wurzeln kennt. Aber laufe ich dann nicht auch Gefahr, daß dies irgendwann in Intoleranz umschlägt? Kann man einem Kind oder Teenager die ukrainische Geschichte so objektiv wie möglich nahe bringen, ohne daß Vorurteil oder gar Groll gegen die „bösen Russen“ heranwächst?



      [font=][color=]
      Ich glaube du machst dir viel zu viel Sorgen. Natürlich es ist gut,
      wenn das Kind die Geschichte des Volkes und Kultur kennt, aber eine Bindung zu
      Nation, ist nur eine Binden an Menschen. Alles andere ist theoretischer
      Allgemeinwissen. Ein Land bilden Menschen und Ukraine ist für mich als erstens -
      die Menschen. Menschen, die mir wichtig sind, Menschen mit welchen ich in
      ständiger Verbindung stehe, genau sie sind der Grund warum ich jedes Jahr nach
      Ukraine Reise, genau sie stellen die Bindung an die Ukraine. Zum Beispiel Tradition finde ich überhaupt nicht als
      ein Verbundenheitsfaktor, oder Identifikationsfaktor, wie es die Autorin
      schreibt.

      Mit 6-7 Jahren man soll schon ethnische Verbundenheit haben...und mit 10-11
      sogar vollkommener ethnischer Identität besitzen? Weis nicht so genau, wie ich
      das einordnen soll. Natürlich kann ich über mich reden, und bei mir war mit 6-7,
      aber auch mit 10-11 ausschließlich sowjetische “ethnische” Erziehung. In der
      Schule lernten wir etwas über Kiewer Rus (wenig) und dann sowjetische Ukraine.
      Ukraine dazwischen gab es überhaupt nicht, sie fehlte komplett. Meine Eltern
      waren Atheisten, deswegen religiös wurde ich mit Dreieinigkeit “Lenin, Karl
      Marks und FR. Engels” erzogen. Entsprechend Traditionell, was meistens
      religiösen Hintergrund trägt fehlte komplett. Es gab keine Weihnachtsfeste,
      keine Osterfeste...aber alle sowjetische wurden gern gefeiert. War ich dadurch
      weniger Ukrainerin oder weniger mit meinem Identität verbunden? Nein, war ich
      nicht.

      Und übrigens, trotzt Sowjetunion und meiner russische oder polnische
      Abstammung, konnte ich mich zu keiner Zeit mit Russland oder anderen 14
      sowjetischen Ländern, als ethnische Gruppe identifizieren.

      Die beste Mittel der Entwicklung des ethnischen bzw. nationalen
      Zugehörigkeitsgefühl von Kindern sind und bleiben die Menschen. Genau das fehlt
      den hier geborenen Türken. Wird deine Tochter eine Verbindung zu denen haben
      wird sie ihre ukr. Identität spüren.[/color][/font]
      "Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind."
      Matthäus 5:3
    • Maxima schrieb:

      Ich glaube du machst dir viel zu viel Sorgen.
      Ich denke ja. Du hast Recht. Je länger ich darüber nachdenke, umso entspannter sehe ich das.
      Wenn ich so an meine ideologische, ethnische und politische Reifung denke, war es schon ein langer Weg mit vielen Umwegen bis es sich zu einer festen Überzeugung entwickelt hat. Und dazulernen tu ich immer noch.


      Maxima schrieb:

      Die beste Mittel der Entwicklung des ethnischen bzw. nationalen
      Zugehörigkeitsgefühl von Kindern sind und bleiben die Menschen. Genau das fehlt
      den hier geborenen Türken. Wird deine Tochter eine Verbindung zu denen haben
      wird sie ihre ukr. Identität spüren.
      Na, als erstes wird sie bei so einer "Verbindung" wohl eher die deutsche Identität von der Babushka, und gleichzeitig die ukrainische Identität von Mama spüren :phat:
    • Maxima schrieb:

      Die Geschichte und mentale Seite des Volkes wiederspiegelt sich im Lieder, Märchen, Legenden, Sagen... Wenn wir die militärische ukr.Lieder anschauen (hören), finden wir da nichts anderes, als jede Menge Blut, Berge von Leichen und mehrere Tonnen Trennen.

      Vielleicht hast du ja ein bischen Recht. Aber aus meinen Erinnerungen an meine naive Kindheit muss ich dir hier ganz vehement Widersprechen :phat:
      Manno eines meiner Lieblingsbücher waren die, mit russischen Märchen. Ilja Muromez war doch ein total toller Typ! Den kannte ich schon vor Siegfried oder Arthur :D Die Geschichte mit Kiew und der Kiewer Rus sollte ich erst Jahre später erfahren. Die Kosaken waren doch auch total coole Typen. Zu den Dingen, die sich komischer Weise aus meiner Schulzeit eingebrannt haben, gehört der Zeichenunterricht, wo wir Repins Bild mit den Kosaken besprochen hatten. Taras Bulba selbst fand ich zwar blöd, aber in diesem Film amerikanischen Film fand ich die Kosaken auch total toll. Ein bischen wurde meine Einstellung zu den Kosaken dann durch die Sonntagsnachmittagsrevolutionsfilme vermießt. Da waren es ja immer die bitter bösen Konterrevolutionäre :pioneer-vsegda-gotov:
      Wie gesagt, das sind so meine naiven Kindheitserinnerungen. Erst viel später kam überhaupt das Land Ukraine und eine entsprechende geschichtliche Einordnung dazu. Trotzdem finde ich es heute immer noch irgendwie cool :D Und da können die Ukrainer noch so viel rummjammern und Erklärungen herbeizaubern, dieses Gefühl lasse ich mir nicht vermiesen :ua:
    • Чому українці соромляться бути українцями?

      Zitat von »Minuteman«
      Natürlich will ich das meine Tochter mit einem Gefühl von Patriotismus Land, Menschen, Kultur und Geschichte ihrer ukrainisch und deutschen Wurzeln kennt. Aber laufe ich dann nicht auch Gefahr, daß dies irgendwann in Intoleranz umschlägt? Kann man einem Kind oder Teenager die ukrainische Geschichte so objektiv wie möglich nahe bringen, ohne daß Vorurteil oder gar Groll gegen die „bösen Russen“ heranwächst?

      Ich weiß aus Erfahrung dass das geht. Meine beiden Kinder sind in der UA geboren und besuchten/besuchen da die Schule. Ukrainische Geschichte und den Stolz auf die Herkunft haben wir zu Hause im Bildungsprogramm gehabt, denn die Schule steht nicht auf Patriotismus. Deutsch war alleine meine Sache.
      Beide haben damit keine Probleme. Die <Tochter steht dazu, dass ihre Nationalität ukrainisch ist und vertritt das auch in Deutschland. Auch beim Sohn entwicklet sich das genauso.
    • galizier schrieb:

      Die <Tochter steht dazu, dass ihre Nationalität ukrainisch ist und vertritt das auch in Deutschland. Auch beim Sohn entwicklet sich das genauso.

      Lässt das die Schlussfolgerung zu, dass sich die Kinder eher zu der Nation zugehörig fühlen mit der sie aufgewachsen sind?

      Meine beiden Kinder sind hier in Deutschland aufgewachsen. Klar sind sie auch mit russischen/ukrainischen Märchen groß geworden. Waren mit Mama im Sommer monatelang in der UA. Die Grundschule in die sie gegangen sind, war eine russisch/deutsche. Aber die Frage der Nationalität stand eigentlich nie. Wo es ging, haben sie das Beste aus ihrer "binationalität" gemacht, z.B. bei der Themenwahl für Vorträge in der Schule. Ihre Mama hatte ja mal die fixe Idee der doppelten Staatsbürgerschaft für die Kinder. Damit ist sie dann aber bei den Kinderchens irgend wann mal ganz schnell abgeblitzt.
      Klar wird bei uns auch über die Geschichte der UA/Russland gesprochen. Aber das ist kein Thema, was sie vom Hocker reißen würde :D Aber mich freut ja schon, wenn sie mit gesundem Menschenverstand diskutieren. Denn dann kommt bestimmt kein Groll gegenüber irgendeiner Nation auf.
    • Rene schrieb:


      Neben einer frohen Kindheit, ist das aufwachsen in einer bi-nationalen Familie, eines der besten Geschenke die du einem Kind machen kannst.

      Das Problem dürfte hier sein, dass Du das als Elternteil über einen langen Zeitraum wirst durchhalten müssen, ohne dabei auf "Dank" von Seiten der Kinder zu stoßen. Im Erwachsenenalter sieht das dann ganz anders aus. Insofern ist es den "Kampf" natürlich in jedem Fall wert.