Sprachen lernen

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    • Sprachen lernen

      Wie habt ihr so Fremdsprachen gelernt? Wie sind so eure Erfahrungen (gerne auch nicht so ernsthafte) mit ukrainisch, russisch, deutsch und, und ...

      Ich fang mal an.

      Es war Ende der 70iger Jahre als ein jugendlicher icke auf die Idee kam, so etwas wie ein Elektroingenieur zu werden. Irgend jemand schlug ihm vor, sich doch um einen Studienplatz in der großen Sowjetunion zu bewerben, was er auch gemacht hat.
      Ich bin übrigens mit zunehmenden Alter immer mehr erschrocken über den Mut (oder war es Naivität) des ickes von damals. Der paukte zwar wie wild russisch, hatte aber eigentlich keine Ahnung. Die Sprachkundigenprüfung in der Abendschule stand an und zu den Standardfragen gehörte auch zu erzählen, wo die Eltern arbeiten. Eigentlich eine einfache Frage. Wusste man doch, in der Fabrik heißt на фабрике und im Betrieb heißt на заводе. Mein Vater war Bankangestellter also ist doch logisch, dass ich sagte:"Папа работает на банке". Der Prüfer hat sich bei der Antwort momentan vor Lachen weggeschmissen :rotfl: und ich habe überhaupt nicht verstanden warum :envy: Erst viel, viel später konnte ich mitlachen. Denn "Папа работает на банке" heißt eigentlich "Vater arbeitet auf dem Einweckglas"
    • Meine erste Fremdsprache war Russisch, danach kam Englisch. Wir hatten Russisch damals alle durch die Bank gehasst, was vor allem politische Gründe hatte. :spiteful: Nach den 8 Jahren Unterricht blieb wenig hängen, wenn man die Sprache nicht spricht. Erst als ich meine jetzige Frau kennenlernte besann ich mich der Rudimente, auf denen ich nun täglich aufbaue, vermischt mit Ukrainisch. Meine Frau hatte übrigens in der Sowjetunion kein Russisch in der Schule und lernte die Sprache nebenbei durch Film, Funk , Fernsehen und Presse. Weil wir oft in Estland sind, habe ich mir vorgenommen auch da ein wenig dazuzulernen.
      :lol:
    • Ich lernte Deutsch in der Schule. Nur gehörte leider der Deutschunterricht
      nicht zu meinem Lieblingsfach, ganz im Gegenteil, es war ein Alptraum. :golly: Und
      diesen Albtraum hatten wir 5 Mal in einer Woche. Selbstverständlich lag meine
      Abneigung zum Deutschunterricht nicht an deutsche Sprache selbst, sondern an der
      Lehrerin. Das war eine Person, die besonders gut und geschickt erniedrigen und
      demütigen konnte. Ich wollte ihr, nach dem Schuhlabschluss alles, was ich über
      sie dachte ins Gesicht sagen.... und eines Tages, wenn ich sie ein Paar Jahre
      danach tatsächlich auf der Straße getroffen habe... konnte sie mich nicht mehr
      erkennen. :dash: Na ja, sie war schon sehr alt. Aber gut, zurück zum Deutsch und
      Sprache lernen. Es hat sich später rausgestellt, dass ich mir mehr Mühe machen
      müsste, was Deutsch lernen betrifft, denn 5 Jahre später wurde Deutsch zur
      meiner Alltagssprache. Die zehn Jahre in der Schule und Folter im
      Deutschunterricht haben doch kleine Früchte gegeben. Beim meinem ersten Besuch
      im Deutschland konnte ich recht viel verstehen und sogar etwas antworten und das
      im tiefsten Odenwald. 8) Natürlich viele Sprachpannen und Missverständnisse, so,
      wie bei dir icke, gehörten auch dazu. :phat:
      "Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind."
      Matthäus 5:3
    • Englisch ist hier wahrscheinlich kein Thema :)

      In der Schule gehörte ich zu den wenigen "progressiven" Westdeutschen, die in den frühen 80er Jahren in der Schule russisch lernten. Das dauerte für ich 3 Jahre, in denen ich nach dem ersten Jahr nichts mehr lernte, weil ich keine Lust auf Lernen hatte, die Lehrerin mich nicht zwingen konnte oder mochte und damals bei uns keine Russen herumliefen - ich hatte schlicht keine Ahnung, wie die Sprache funktionierte. 20 Jahre später begann ich, mir selber Ukrainisch beizubringen. Hatte dazu ein Buch - "teach yourself Ukrainian", mit Kassette, nicht so schlecht, wenn auch manchmal unfreiwillig komisch. Dadurch lernte ich ein wenig, die Sprache zu verstehen. Zum Reden reichte es nicht mangels Praxis. Vor ein paar Jahren fuhr ich - sozusagen als Single-Reise - für die Sommerferien nach Lviv, um dort an der UKU einen Sommerschul-Kurs zu besuchen. Das war ein guter Schritt, aber richtig los ging es erst, als ich meine jetzige Frau kennenlernte. Nachdem wir früher Englisch miteinander geredet hatten, stellten wir auf Deutsch oder Ukrainisch um. Ich hatte da mit dem Ukrainischen einen leichten Startvorteil, dadurch sprachen wir vor allem ukrainisch.
    • tartu schrieb:

      Meine Frau hatte übrigens in der Sowjetunion kein Russisch in der Schule und lernte die Sprache nebenbei durch Film, Funk , Fernsehen und Presse.

      So ähnlich kenne ich das auch von meiner Frau. In der Dorfschule, in der Zentralukraine war die Unterrichtssprache Ukrainisch. Als es dann an die Uni nach Kiew ging waren schon die Aufnahmeprüfungen auf Russisch :fie: Aber man hatte ihnen wohl erlaubt den Aufsatz zur Aufnahmeprüfung auf Russisch zu schreiben.

      Maxima schrieb:

      Natürlich viele Sprachpannen und Missverständnisse, so,
      wie bei dir icke, gehörten auch dazu. :phat:
      Erzähl doch mal :D
      Mit Staunen bemerke ich, dass du Maxima, auch sehr gut die deutsche Schriftsprache beherrscht. Musst du im Beruf viel schreiben oder können Mädchen das halt?

      mbert schrieb:

      20 Jahre später begann ich, mir selber Ukrainisch beizubringen.

      Wie kommt man denn auf die Idee 8o ? Warst du in deinem früheren Leben mal Kosake?
    • icke schrieb:

      mbert schrieb:

      20 Jahre später begann ich, mir selber Ukrainisch beizubringen.

      Wie kommt man denn auf die Idee 8o ? Warst du in deinem früheren Leben mal Kosake?

      Ich war mit einer Ukrainerin zusammen. Und ich war der Meinung, dass, um sie wirklich verstehen zu können, ich zwingend auch ihre Sprache kennen müsste. Ich wohnte damals im Ausland, hatte einiges an Zeit, und so ergab sich das dann...
    • Mein russisch beschränkt sich aktiv auf die Zahlen von 1-10 sowie vielleicht 20 alltagstaugliche und ca. 10-15 Schlafzimmerwörter :vain: passiv verstehend kommen vielleicht noch ein halbes Dutzend Sätze dazu. Zu mehr fehlt mir derzeit noch der Antrieb.
      Vor Reisen frische ich andere Sprachen etwas auf, englisch klappt sowieso gut, französisch konnte ich auch mal gut und kriege noch ein Dutzend Sätze unfallfrei hin, und spanisch kann ich auch zumindest ein Essen bestellen oder nach dem Weg fragen - mit der Bitte um deutsche Antwort. :D
    • icke schrieb:

      Zitat von »tartu«



      Meine Frau hatte übrigens in der Sowjetunion kein Russisch in der Schule und lernte die Sprache nebenbei durch Film, Funk , Fernsehen und Presse.

      icke schrieb:

      So ähnlich kenne ich das auch von meiner Frau. In der Dorfschule, in der Zentralukraine war die Unterrichtssprache Ukrainisch. Als es dann an die Uni nach Kiew ging waren schon die Aufnahmeprüfungen auf Russisch :fie: Aber man hatte ihnen wohl erlaubt den Aufsatz zur Aufnahmeprüfung auf Russisch zu schreiben.


      Das war in Lemberg, Anfang der 90er.
      :lol:
    • icke schrieb:

      Erzähl doch mal
      Mit Staunen bemerke ich, dass du Maxima, auch sehr gut die deutsche Schriftsprache beherrscht. Musst du im Beruf viel schreiben oder können Mädchen das halt?

      Danke, es ist sehr weit nicht so, wie es scheint :)

      Icke, meine Pannen beziehen sich mehr auf Dialekt und Redenwendungen. :sleeping:
      Ich lebe in Mannheim, wo zu 80% aller Einwohner ManEmeriSCH sprechen. War gerade
      frisch verheiratet. Wir wohnten damals noch in einem fünfstöckigem Haus. Nachdem
      mein Mann mir eine lehrhaften Vortrag über deutsche Mülltrennung vorgelesen hat,
      wollte ich zum ersten Mal selbst Müll nach unten bringen. Unten vor den
      Mülltonen waren schon zwei Menschen. Ein Opa, der hier alle überwachte, wie sie
      ihren Müll entsorgen :dash: (über so eine Berufung erfuhr ich im Deutschland zum ersten
      Mal) und eine Frau, die gleiche wollte, was auch ich. Also fange ich Müll
      wegzuschmeißen. Plötzlich brüllt der Opa mich an. Ich verwirrt sage kein
      Wort...Wenn er weg war frage die Frau:”was war das denn?” Sie:”Ach, er hat nicht
      alle Tasse im Schrank”. ?( So...ich stand vor einem Rätzel, was haben Tassen und
      Schrank mit Müllwerfen zu tun und wieso hat er mich angeschrienen?

      Oder, wir waren zu unseren Freunden eigeladen, zu Babyparty. Das Baby war
      schon da und jeder durfte es anschauen und in den Arm nehmen. Die ganze Zeit
      fiel das Wort “Bobele”, dabei “B” hörte sich, wie “P” an. Es wurde so oft
      gesagt... Zu Hause frage meinen Mann:”Sag mal, was wollten die Frauen mit dem
      ständigen “Popel”? :hmm: Ich weiß ganz genau, dass die Kindesnase war sauber.” Ich
      glaube damals weinte mein Mann von lachen. Es hat sich rausgestellt, dass
      “Bobele” das Baby bedeutet. :phat:

      Auch das Wort “gel” hört man im Mannheim oft. Ich schaute ins Wörterbuch
      nach – nichts, nahm ein anderes – nichts, versuchte mit Synonym Lexikon –
      nichts. Später wusste, dass es nur ein Parasitwort ist, was etwa, wie eine
      Bestätigung bedeutet. Man kann das höchstens, als “ja” übersetzen.

      Ganz am Anfang hatte ich sowieso ein Gefühl, dass der Hund meiner
      Schwiegermutter, sie mehr verstand, als ich sie nach 10 Jahren Deutsch in der
      Schule. :pardon:

      tartu schrieb:


      Zitat von »icke«

      So ähnlich kenne ich das auch von meiner Frau. In der Dorfschule, in der Zentralukraine war die Unterrichtssprache Ukrainisch. Als es dann an die Uni nach Kiew ging waren schon die Aufnahmeprüfungen auf Russisch Aber man hatte ihnen wohl erlaubt den Aufsatz zur Aufnahmeprüfung auf Russisch zu schreiben.


      Das war in Lemberg, Anfang der 90er.






      Also, das finde ich sehr merkwürdig. Ich komme auch aus Westukraine und war in
      der ukrainische Schule, trotzdem gehörte Russisch und Russische Literatur zu
      Pflichtunterrischten. Außerdem ALLE Straßenschilder, Verkehrsschilder, Kinofilme
      im Kino, aber auch Sportunterricht und Militärunterrischt waren ausschließlich
      auf Russisch. Im Sowjetunion war Bildung nach EINEM Muster, also eigentlich
      sollte Russisch überall Pflicht sein.
      "Glücklich sind die, die sich ihrer geistigen Bedürfnisse bewusst sind."
      Matthäus 5:3
    • Ich hatte auch Russisch in der Schulzeit als Fremdsprache und habe es gehasst. :cursing:
      Es hat mir im weiteren Lebenslauf auch nicht viel gebracht, da wo ich mich beworben und gearbeitet habe, wurde das nicht nachgefragt.
      Allerdings merke ich jetzt, dass doch nicht alles um sonst war, ich habe eine polnische Freundin die mit mir wieder das Russisch auffrischt :thumbup:. Sie kann es aber deutlich besser als ich XD
    • Als Schweizer kommt man schnell mit Fremdsprachen in Berührung, wir haben ja 4 Landessprachen, in der Grundschule kam also neben dem (Schrift)-Deutschunterricht bereits obligatorisch Französisch dazu, später Business-Englisch und danach, auch wegen einer 15 Jahre andauernden Beziehung zu einer Seconda, das Italienische.

      Naja, jetzt, mit einer Russin verheiratet, kann ich nur wenige russische Wörter. Meiner Frau wiederum raucht der Kopf, sie hat ein Studium als Englischlehrerin, mittlerweile etwas Deutschkenntnisse und plagt sich mit Schweizerdeutsch-, französisch- und italienisch-sprechender Umgebung ab ...
    • Maxima schrieb:

      Zitat von »icke«






      Maxima schrieb:

      Auch das Wort “gel” hört man im Mannheim oft. Ich schaute ins Wörterbuch
      nach – nichts, nahm ein anderes – nichts, versuchte mit Synonym Lexikon –
      nichts. Später wusste, dass es nur ein Parasitwort ist, was etwa, wie eine
      Bestätigung bedeutet. Man kann das höchstens, als “ja” übersetzen.





      Ich Wohne in Bochum, also im Ruhrpott, in Dortmund und Unna wird immer Woll gesagt, ist im Prinzip das Gleiche. Jetzt habe ich euch was Verkasematuckelt (erklärt)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von bernhard ()

    • Maxima schrieb:

      Also, das finde ich sehr merkwürdig. Ich komme auch aus Westukraine und war in
      der ukrainische Schule, trotzdem gehörte Russisch und Russische Literatur zu
      Pflichtunterrischten.

      Na vielleicht hatte man auf euch Westukrainer schon immer ein besonderes Auge :spiteful:

      Ich habe Frauchen noch einmal zu dem Thema befragt. Klar hatten sie solche Fächer wie Russisch oder Russische Literatur auf Russisch. Aber selbst da ging es auf Ukrainisch weiter wenn die Lehrerin ihren Schülern die Leviten gelesen hat. Und das war wohl sehr oft. :D Mathe und die anderen Fächer waren aber auf ukrainisch. Meine Frau erzählt auch immer gern von dem jungen Mathelehrer, der ihnen aus Kharkov zugeteilt wurde. Der arme Kerl musste genau so wie die junge Englischlehrerin aus Baschkirien sehr schnell Ukrainisch lernen :D Das war in den 70iger Jahren des letzten Jahrhunderts.
    • Maxima schrieb:



      Alsoso, das finde ich sehr merkwürdig. Ich komme auch aus Westukraine und war in
      der ukrainische Schule, trotzdem gehörte Russisch und Russische Literatur zu
      Pflichtunterrischten. Außerdem ALLE Straßenschilder, Verkehrsschilder, Kinofilme
      im Kino, aber auch Sportunterricht und Militärunterrischt waren ausschließlich
      auf Russisch. Im Sowjetunion war Bildung nach EINEM Muster, also eigentlich
      sollte Russisch überall Pflicht sein.


      Wie gesagt, seit der Unabhängigkeit hatte sie keinen Russischunterricht.
      :lol:
    • Mein Mann ist Ukrainer, natürlich hat er seine Familie drüben und ich war auch schon ein paar Mal da. Ich hatte nie Russisch oder andere osteuropäische Sprachen in der Schule und tue mich auch sehr schwer damit. Wir legen zwar am Tag eine Stunde Ukrainisch ein, aber naja... ist wirklich mühselig. Leider!
    • Maxima schrieb:

      'Icke, meine Pannen beziehen sich mehr auf Dialekt und Redenwendungen. :sleeping:
      Ich lebe in Mannheim, wo zu 80% aller Einwohner ManEmeriSCH sprechen.


      "Kurpälzisch und des pälzisch iwwer der Brick" ist schon Hardcore für manche Deutsche Ureinwohner; umso schlimmer für Migranten
      Meine Frau verzweifelt da auch regelmässig beim Versuch zu verstehen.....
      Muss mir dann auch immer anhören, dass russisch doch die viel gepflegtere Sprache ist, da es keine Dialekte gibt und überall überwiegend gleich gesprochen wird (abgesehen von angeblich kleinen Unterschieden zwischen Stadt- und Landbevölkerung)

      Da wir mittlerweile nur noch am Wochenende in Mannheim sind, darf meine Frau sich unter der Woche jetzt des schwäbischen Dialektes erfreuen - ist auch nicht besser :D
    • tartu schrieb:



      Wie gesagt, seit der Unabhängigkeit hatte sie keinen Russischunterricht.



      Lviv heute,naja, vor 5 Jahren auch schon, 2-3 Stunden wöchentlich russische Sprache und Literatur in der Schule.

      Ich sollte ja eigentlich russisch auch in der Schule lernen, aber dem hab ich mich (dummerweise) erfolgreich verweigert. Die Note 3 auf dem Zeugnis nach der 10. hat wohl tatsächlichem Kenntnisstand irgend etwas zwischen 4 und 5 entsprochen. Naja, dann lief ich später 4 Jahre lang zusammen mit einem Linzer zwischen Millionen Moskauern rum, da musste ich dann...