Wladimir Kaminer über die russische Seele

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Forumsstruktur

    • Wladimir Kaminer über die russische Seele

      Wenn sich einer mit der russischen Seele auskennt, dann der russische Kultautor Wladimir Kaminer. Seine Landsleute seien Apokalyptiker, ihre Präsidenten Schurken und die Frauen Pragmatikerinnen. (...)
      http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Russinnen-basteln-einfach-einen-Prinzen/story/30258749



      Lesenswert ....
    • Camerone schrieb:

      http://www.tagesanzeiger.ch/leben/gesellschaft/Russinnen-basteln-einfach-einen-Prinzen/story/30258749

      Ja wirklich ein sehr schöner Artikel und sehr lesenswert - und man erkennt einen Hauptunterschied zu den Ukrainern - Ukrainer sind keine Apokalyptiker. Die beiden Nationen müssen wohl Stiefbrüder sein.
      “Wer ein wirklicher Sucher nach der Wahrheit werden will, muss mindestens einmal im Leben möglichst alles angezweifelt haben.” – René Descartes
    • E ine komplizierte Geschichte. Grundsätzlich sehr melancholisch, hingegen
      feiern sie gern. Sie brauchen zwar eine Weile, bis sie in die Gänge
      kommen, doch dann gibts kein Halten mehr. Gleichzeitig sind sie
      routinierte Apokalyptiker. Sie haben gelernt, täglich den Weltuntergang zu erwarten. Deswegen läuft
      auch die Versicherungsbranche in Russland so schlecht. Die Leute wollen
      nicht Geld für etwas ausgeben, was künftig eventuell geschehen könnte,
      weil sie nicht an die Zukunft glauben.
      Hier sehe ich eine grosse Verwandschaft. Zig Diskussionen mit Freunden in Kiev, Donetsk und Sevastopol (als auch in Russland) zeigen das gleiche Bild. Führt zum schizophrenen Zustand, dass eine Veränderung/Verbesserung zwar gewünscht wird - aber bitteschön nicht damit, dass das gesamte Einkommen versteuert und Sozialabgaben /-versicherungen darauf erhoben werden sollen, damit's evtl. in Zukunft mal besser geht ...
      (Darum bin ich auch der tiefen Überzeugung, dass es Jahrzehnte und Generationen dauern wird, bis die Ukraine in Europa "ankommen" wird - unabhängig ob nun eine Assoziierung mit der EU angestrebt wird - für eine tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft in RF gilt diese Prognose natürlich auch).
      Die Menschen leben im Kriegszustand mit dem eigenen Staat. Sie konnten nie selber entscheiden, sie kennen die Freiheit nicht. (...)Die Russen sind fest davon überzeugt, dass nur Schurken in die Politik
      gehen. Deshalb sind sie der Politik gegenüber erstaunlich gleichgültig.

      Sie versuchen einfach, ihr
      eigenes Leben zu leben, was ihnen natürlich nicht gelingt, weil man ohne
      einen vertrauenswürdigen politischen Unterbau nicht weit kommen kann.(...)
      und auch in diesem Satz liegt wohl so etwas wie ein "brüderliches Denken" ...
    • Camerone schrieb:

      E ine komplizierte Geschichte. Grundsätzlich sehr melancholisch, hingegen
      feiern sie gern. Sie brauchen zwar eine Weile, bis sie in die Gänge
      kommen, doch dann gibts kein Halten mehr. Gleichzeitig sind sie
      routinierte Apokalyptiker. Sie haben gelernt, täglich den Weltuntergang zu erwarten. Deswegen läuft
      auch die Versicherungsbranche in Russland so schlecht. Die Leute wollen
      nicht Geld für etwas ausgeben, was künftig eventuell geschehen könnte,
      weil sie nicht an die Zukunft glauben.
      Hier sehe ich eine grosse Verwandschaft. Zig Diskussionen mit Freunden in Kiev, Donetsk und Sevastopol (als auch in Russland) zeigen das gleiche Bild. Führt zum schizophrenen Zustand, dass eine Veränderung/Verbesserung zwar gewünscht wird - aber bitteschön nicht damit, dass das gesamte Einkommen versteuert und Sozialabgaben /-versicherungen darauf erhoben werden sollen, damit's evtl. in Zukunft mal besser geht ...
      (Darum bin ich auch der tiefen Überzeugung, dass es Jahrzehnte und Generationen dauern wird, bis die Ukraine in Europa "ankommen" wird - unabhängig ob nun eine Assoziierung mit der EU angestrebt wird - für eine tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft in RF gilt diese Prognose natürlich auch).
      Die Menschen leben im Kriegszustand mit dem eigenen Staat. Sie konnten nie selber entscheiden, sie kennen die Freiheit nicht. (...)Die Russen sind fest davon überzeugt, dass nur Schurken in die Politik
      gehen. Deshalb sind sie der Politik gegenüber erstaunlich gleichgültig.

      Sie versuchen einfach, ihr
      eigenes Leben zu leben, was ihnen natürlich nicht gelingt, weil man ohne
      einen vertrauenswürdigen politischen Unterbau nicht weit kommen kann.(...)
      und auch in diesem Satz liegt wohl so etwas wie ein "brüderliches Denken" ...

      Das hat doch mit Verwandschaft nichts zu tun, wenn zumindest große Teile des ukrainischen Volkes damals in dieses System gegen ihren Willen gepresst wurden.
      Ich denke, die Leute die in fast der gesamten Ukraine auf die Straße gehen zeigen gerade, dass sie genau das "einfach nur leben", was in den letzten Jahren wieder Einzug gehalten hat, nicht wollen und dass sie auch bereit sind, diesen schizophrenen Zustand zu beenden.
      Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt und wenn es auch noch lange dauert, bis sie ankommen. Sie sind los gegangen. Sollte man sich darüber als Demokrat nicht freuen?
      “Wer ein wirklicher Sucher nach der Wahrheit werden will, muss mindestens einmal im Leben möglichst alles angezweifelt haben.” – René Descartes

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von pippie ()

    • Sollte man sich darüber als Demokrat nicht freuen?


      Sie haben sicher "hehre" Ziele. Bleibt zu hoffen, das sie nicht vor einen fremden Karren gespannt werden.

      Wie wären denn die "Theorien" zu einer Alternative zu V.J.?

      Momentan höre ich immer nur, das er weg muss... Wenn sollte dann die Bürde des Präsidentenamtes treffen?

      Das meine ich jetzt nicht sarkastisch. Aber zu einem Wechsel gehört auch eine vernünftige Alternative. Man kann das Kind auch mit dem Bade ausschütten.
    • Malinka1969 schrieb:

      Sollte man sich darüber als Demokrat nicht freuen?


      Sie haben sicher "hehre" Ziele. Bleibt zu hoffen, das sie nicht vor einen fremden Karren gespannt werden.

      Wie wären denn die "Theorien" zu einer Alternative zu V.J.?

      Momentan höre ich immer nur, das er weg muss... Wenn sollte dann die Bürde des Präsidentenamtes treffen?

      Das meine ich jetzt nicht sarkastisch. Aber zu einem Wechsel gehört auch eine vernünftige Alternative. Man kann das Kind auch mit dem Bade ausschütten.

      Kommt Zeit, kommt Rat, kommen Jungs, kommen Hosen...
      Wenn man die Presse verfolgt kann man zumindest nicht behaupten, sie würden sich keine Gedanken um die Zukunft der Ukraine machen. Und gerade die Abhängigkeit der Geschicke des Landes von nur einer Person will man ja abschaffen und deshalb mach ich mir keine zu großen Gedanken, wer am Ende ganz oben steht.
      Wenn die Verfassung von 2004 wieder in Kraft ist, ist die Person des Präsidenten kein Zar mehr und die Leute vom Maidan werden sich da schon einig werden, wer das machen soll.
      Aber der Drops ist noch lange nicht gelutscht und deshalb sind solche Fragen zweitrangig.
      “Wer ein wirklicher Sucher nach der Wahrheit werden will, muss mindestens einmal im Leben möglichst alles angezweifelt haben.” – René Descartes
    • hmmm. Da versuche ich doch, dem mir lange geäusserten (und vorgeworfenen) Wunsch des Einstellens von Berichten und Meinungen zu Russland zu folgen - und was geschieht: es wird zu einer Differenzierung von der Ukraine und dem Untermalen der Legitimität einer möglichen Abkehr vom russischen Brudervolke umgedeutet ...um dann Endgültig ins Kaffeesatzlesen zum Thema "Wie weiter" umgepolt zu werden ... :sorry:


      aber dieser Thread hier wäre dafür besser geeignet ...

      Wie geht es weiter ???
    • pippie schrieb:


      Aber der Drops ist noch lange nicht gelutscht und deshalb sind solche Fragen zweitrangig.


      Ich empfinde die Frage nach dem was nach Janukowitsch kommen soll als ueberaus wichtig und nicht zweitrangig. "Vom Regen in die Traufe, Hauptsache Janukowitsch ist erstmal weg".

      Mich wuerde einmal interessieren wie du das Zusammenspiel der drei Oppositionsparteien siehst. Das Swoboda sich nicht als fuehrende Partei der Ukraine sieht kann ich mir durchaus vorstellen. Bleiben noch zwei Parteien uebrig.

      Klitschko hat nun schon bekannt gegeben das er kandidieren wird. Ob das Jazenjuk so gefallen wird bleibt erstmal abzuwarten. Und nehmen wir an Julchen kommt wieder frei. Wird sie sich wortlos Klitschko fuegen sollte er es tatsaechlich schaffen die Rolle des Praesidenten einzunehmen?

      Nein pippie, diese Fragen sind nicht zweitrangig. DIese Fragen vorab zu klaeren ist zwingend notwendig damit es in ein paar Jahren nicht wieder zu einem Machtkampf in der Ukraine kommt.

      Die drei Herren der Opposition moegen heute als geschlossenes Buendnis auftreten. Das kann morgen schon ganz anders aussehen und die dummen sind wieder diejenigen die ihnen heute auf dem Maidan zujubeln.