Die Rückkehr der Schachspieler!

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    • Die Rückkehr der Schachspieler!

      Die wahren Herrscher der Ukraine treten aus ihrem Schatten hervor.

      Meine Schwiegermutter hatte mir schon vor einigen Wochen von einem großen Oligarchentreffen in Dnepropetrowsk berichtet.

      Rinat Achmetow ruft zum Widerstand gegen die prorussischen Separatisten auf!

      08.34 Uhr: In einer aufsehenerregenden Videobotschaft hat der reichste Ukrainer, Rinat Achmetow, zum Widerstand gegen die prorussischen Separatisten aufgerufen. "In den Städten herrschen Banditen und Marodeure. Die Menschen sind es leid, in Angst zu leben", sagt der Oligarch in dem Clip, der in der Nacht veröffentlicht wurde. "Das ist ein Kampf gegen die Einwohner unserer Region. Das ist ein Kampf gegen den Donbass. Das ist ein Völkermord am Donbass." Donbass ist eine Region, die auch als Donezkbecken bekannt ist. Achmetow gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im russisch geprägten Osten der Ex-Sowjetrepublik. Er rief zu einem Warnstreik in dem Gebiet auf. Sein Vermögen wird auf über 10 Milliarden US-Dollar geschätzt. Der ehemalige Boxer beherrscht große Teile der Stahl- und Kohleindustrie im Osten der Ukraine und besitzt den Proficlub Schachtjor Donezk.


      focus.de/politik/ukraine-im-ne…eblich-ab_id_3854928.html




      Boris Filatow; Gennadi Korban und Igor Kolomojski stellen sich gegen die prorussischen Separatisten!

      ...Boris Filatow: Es wird zu keiner Schlacht um Dnepropetrwosk kommen. Wir beobachten sehr genau, wo es Provokationen, Sabotage und bewaffnete Angriffe geben könnte. Wir lassen aber nicht zu, dass hier noch so eine "Volksrepublik" entsteht. Außerdem teile ich Ihre Meinung nicht: Donezk und Lugansk sind nicht fest in Separatistenhand...


      welt.de/politik/ausland/articl…ern-sofort-schiessen.html


      Meine Frau hatte schon sehr früh gesagt, dass die Oligarchen dort ihr Theater spielen.

      Der Donbas gehört Rinat Achmetow. Er und seine Mafia-Kollegen werden einem Machtverlust unter Putin niemals zulassen und akzeptieren, auch nicht eine mögliche Lustration seitens der EU.
      Das Theaterstück der Destabilisierung von Kiew hat jetzt wohl ein baldiges Ende gefunden?


      Rinat Achmetow hat sein Arbeiterheer mobilisiert und kürzlich schon Mariupol gesäubert. Ich denke und hoffe als nächstes ist Donezk dran.

      Eines steht für Kiew nun fest, ohne die Oligarchen läuft in der Ukraine nichts und das war wohl auch so beabsichtigt! Man hat mit der "Putin-Drohkulisse" deutlich gezeigt, was passiert, wenn man den Osten ignoriert oder die Agenda seiner Machthaber bedroht..


      Traurig, dass ich mich auf die Seite der Oligarchen stellen muß, aber ich sehe momentan keine andere Möglichkeit um Ruhe und Ordnung im Osten zu garantieren. :hmm:
      "Übertriebene Toleranz ist ein Beweis des Misstrauens gegen das eigene Ideal"
      Friedrich Nietzsche

      The post was edited 5 times, last by Dante ().

    • Dante wrote:

      Traurig, dass ich mich auf die Seite der Oligarchen stellen muß, aber ich sehe momentan keine andere Möglichkeit um Ruhe und Ordnung im Osten zu garantieren. :hmm:

      Ach komm, Dante. Wir sind ja jetzt nun wirklich keine "Ukraine-Rookies" mehr um mit Verwunderung festzustellen das die ukrainischen Oligarchen mehr Einfluß in der UA haben als der Westen, Russland und die Regierung ( wo sie auch noch mit drin sitzen ) zusammen.

      Kolomojski käme für mich sogar als Präsident in Frage: Er ist einflussreich, sau-clever ( Kompliment ) und ein richtiger Patriot.
    • Minuteman wrote:

      Wir sind ja jetzt nun wirklich keine "Ukraine-Rookies" mehr um mit Verwunderung festzustellen das die ukrainischen Oligarchen mehr Einfluß in der UA haben als der Westen, Russland und die Regierung ( wo sie auch noch mit drin sitzen ) zusammen.


      Natürlich...nur wäre das wieder eine Rückkehr zum ukrainischen "Urzustand" und die Leute auf dem Maidan, die anfangs gegen diese strukturelle Korruption demonstriert haben, wären dann ziemlich umsosnt gestorben.

      Und wenn zumindest auf der unteren Ebene (nennen wir es mal Bürger und Kleinunternehmer Ebene) gegen diese Korruption nichts gemacht wird, dann wird sich der Maidan irgendwann wiederholen.


      ....


      [IMG:https://pbs.twimg.com/media/BoBviTDIAAAkCUF.jpg:large]
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    • Der reichste Ukrainer stellt sich gegen Separatisten

      ...Als das "Referendum" vorbei war und die Einwohner ihre Unzufriedenheit deutlich gemacht hatten, mischte sich der Mann ein, der zeigen wollte, dass er als Einziger noch Kontrolle über die Situation hat. Achmetow, dessen Vermögen auf 11,6 Milliarden Dollar geschätzt wird, ist der reichste Unternehmer in der Ukraine. Er unterstützte jahrelang den Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch, hat ihn aber im Februar fallengelassen. Aber er stellte sich auch nicht eindeutig hinter die neue Regierung in Kiew.

      Achmetow wollte politischen Einfluss in der Region Donbass und in der Ukraine behalten. Während der Krim-Krise, als sich die Lage auch in Donezk anspannte, sprach er sich öffentlich für die Einigkeit der Ukraine aus. Danach schwieg er wochenlang.

      Er schwieg, als die Stadt Slawjansk von schwer bewaffneten Kämpfern besetzt wurde, als Menschen entführt, gefoltert und ermordet wurden und als in den Gebieten Donezk und Luhansk "Referenden" ausgetragen wurden.

      Er ließ die ganze Welt die Hilflosigkeit des ukrainischen Staates im Osten sehen. Und erst dann meldete er sich zu Wort. Die Region Donbass könne nur in der einigen Ukraine glücklich sein, sagte er in der vergangenen Woche in einer Videobotschaft. Und am Beispiel von Mariupol wollte er demonstrieren, wie es geht.

      Stahlarbeiter als Hilfspolizei

      In der Industriestadt Mariupol gehören zu Achmetows Holding "Metinvest" zwei große Stahlwerke. Die Komplexe Asowstahl und Iljitsch sehen aus wie Städte in einer Stadt. Zusammen beschäftigen sie in Mariupol 50.000 Menschen. Ausgerechnet diese Arbeiter sollen jetzt für Ordnung sorgen. Achmetows Idee war es, Straßenpatrouillen aus Stahlarbeitern zu organisieren.

      Sechs oder acht Arbeiter in orangefarbenen Westen sollen Polizisten im Streifzug durch die Stadt begleiten. Außerdem wurden in Mariupol zum ersten Mal Verhandlungen mit Separatisten aufgenommen. Das Ergebnis war ein Friedensmemorandum, das vom Bürgermeister der Stadt, dem Polizeichef, Direktoren von den zwei größten Stahlwerken und einem Vertreter der "Volksrepublik Donezk" unterschrieben wurde. Die Seiten verzichteten auf Gewalt und erklärten, dass sie zusammen in Mariupol für Ordnung sorgen würden.

      Damit will Achmetow auch deutlich machen, dass Kiew in seiner Region nichts ausrichten kann und nichts zu sagen hat. Er will vor allem Frieden. Achmetows Gruppe System Capital Management beschäftigt insgesamt 300.000 Menschen – damit hat er viel Einfluss in der Region. Die Erfahrung von Mariupol will man jetzt auch in anderen Städten des Gebiets Donezk nutzen, in denen Achmetow Minen und Werke betreibt.

      Kein Interesse an der Unabhängigkeit

      Achmetow hat keinerlei Interesse an einer Unabhängigkeit von den "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk. Das würde ein Aus für seine Stahlwerke bedeuten. Nach Russland exportiert Metinvest weniger als zehn Prozent der Produktion. "Unsere wichtigsten Absatzmärkte sind Europa und die beiden Amerikas", sagt Iljitsch-Direktor Sintschenko.

      Wenn die Regionen wirklich unabhängig oder an Russland angeschlossen würden, dann wären Sanktionen nicht zu vermeiden. Die Stahlwerke würden ihre Produkte nicht exportieren können. In einer Art Kettenreaktion würden auch die Kohlebetriebe von Donbass stillstehen.

      Und trotzdem hat Achmetow ziemlich lange gepokert. Er wollte weder seine Businessinteressen in Russland gefährden, noch auf einer Sanktionsliste in Westeuropa landen. Er ist gegen den Anti-Terror-Einsatz und für die Einheit der Ukraine. Und vor allem will er seinen Einfluss stärken, auch gegenüber dem Oligarchen Igor Kolomojski aus dem Nachbargebiet Dnepropetrowsk...



      welt.de/politik/ausland/articl…h-gegen-Separatisten.html
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    • Dante wrote:

      Natürlich...nur wäre das wieder eine Rückkehr zum ukrainischen "Urzustand" und die Leute auf dem Maidan, die anfangs gegen diese strukturelle Korruption demonstriert haben, wären dann ziemlich umsosnt gestorben.

      Das wäre abzuwarten. Momentan kann es für die pro-ukrainischen Kräfte nur von Vorteil sein wenn die Oligarchen ihre Finanzen und ihren Einfluß gegen die Separatismusbewegung einsetzen.
    • Und da wir es gerade von Oligarchen haben. Diese wirtschaftlichen Zusammenhänge sind für mich oftmals ein "Buch mit sieben Siegeln".

      Momentan sieht es ja so aus das die von Separatisten besetzten Gebiete im Donbass, sowie die russische Krimregierung bis auf die Russen keiner wirklich mag.
      Jetzt habe ich gehört das die Saudies schon verlauten liessen den Barrelpreis für Rohöl soweit zu senken das es den russen weh tut. Wenn ich es richtig verstanden habe ist die "Schmerzgrenze" bei Russland bei 101,5 $ / Barrel. Und die Saudies wären bereit auf 100 $ zu drücken und eventuelle Ausfälle in Europa kompensieren würden.
      Ist/Wäre es also für Russland/Putin eine reale Gefahr wenn das Zusammenspiel zwischen Sanktionen der EU/USA und das drücken des Ölpreises wirklich greifen würde?
    • Minuteman wrote:

      "Schmerzgrenze" bei Russland bei 101,5 $ / Barrel. Und die Saudies wären bereit auf 100 $ zu drücken und eventuelle Ausfälle in Europa kompensieren würden.
      Ist/Wäre es also für Russland/Putin eine reale Gefahr wenn das Zusammenspiel zwischen Sanktionen der EU/USA und das drücken des Ölpreises wirklich greifen würde?



      1998 hatten wir die Ostasienkrise. Der Erdölpreis fiel damals um 40%. Russland ist deswegen u.A in eine tiefe Rezession gerutscht. Falls der Rubel zu hoch ist und die Preise unter die Förder und Exportkosten fallen, muß der Rubel abgewertet werden, was aber wiederum zu hohen Zinssätzen im Land führt und zur Kapitalflucht, weil die Investoren dann in z.B Dollar oder Euro flüchten, was wiederum für die staatlichen Rubel Anleihen extreme hohen Zinsen bedeutet und schlecht bei den Zurückzahlungen der Verbindlichkeiten ist, also hohe Verschuldung.
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    • Ich denke, ein Stück weit muß auch er sich die Opfer der Volksrepublik-Irren anrechnen lassen:

      Er schwieg, als die Stadt Slawjansk von schwer bewaffneten Kämpfern besetzt wurde, als Menschen entführt, gefoltert und ermordet wurden und als in den Gebieten Donezk und Luhansk "Referenden" ausgetragen wurden.

      Er ließ die ganze Welt die Hilflosigkeit des ukrainischen Staates im Osten sehen. Und erst dann meldete er sich zu Wort. Die Region Donbass könne nur in der einigen Ukraine glücklich sein, sagte er in der vergangenen Woche in einer Videobotschaft. Und am Beispiel von Mariupol wollte er demonstrieren, wie es geht.


      Das ist vermutlich tatsächlich so, das er "denen in Kiew" mal zeigen wollte, wer die eigentliche Macht in "seinem Gebiet" hat!
      Das dabei Menschen Gesundheit und Leben verloren haben, ist ihm anscheinend völlig egal!

      Ob "der Maidan" dieses Spiel auf Dauer mitmacht?

      Und falls nicht, was dann?
    • icke wrote:

      Gibt es auch eine Theorie warum er so lange damit gewartet hat?
      Zwischendurch hatte ich ja fast den Verdacht, dass er noch einen Deal mit den Separatisten oder Russland macht, so wie er in früheren Auftritten rumgestammelt hat.



      Das ist jetzt nur meine Spekulation:

      Ziel von Rinat - sein Machterhalt.

      Kiew hat offen Lustration proklamiert, bei einer Annäherung an die EU und was Putin mit politisch ambitionierten Oligarchen macht, sieht man bei Chodorkowski.
      Was wäre das beste für ihn - eine dezentraler, relativ autonomer Donbass.
      Die meisten Exporte seiner Firmen gehen nach Europa und Amerika, ca. 10% nach Russland.

      Es gibt Gerüchte, dass Rinat in Donezk selbst Schläger engagiert hat um für Unruhe zu sorgen.
      Auf der anderen Seite gibt es unter den Separatisten russische Hardliner, die einen Anschluß an die RF wollen. In Luhansk selbst sitzt ein russischer Nationalist, der früher in Moskau für rechte Zeitungen geschrieben hat.
      Diese Hardliner haben vor einigen Tagen gedroht die Unternehmen der Oligarchen zu enteignen.

      Ich denke Rinat hat einfach abgewartet, was passiert und jetzt Anzeichen gesehn zu reagieren.
      Wenn er sich nicht verzockt hat und er es schafft die Mehrheit der russischen Separatisten mit Geld zu kaufen (es gab schon Abwerbeversuche), dann hat er eine gute Ausgangslage in Kiew um seine Interessen zu verhandeln.
      Er zeigt damit, dass ohne ihn kein Frieden im Osten möglich wäre.

      Rinat hat sich 2 oder 3 mal mit Steinmeier getroffen und war auch mindestens 1 mal in Moskau afaik - Deals liegen wohl auf der Hand.


      Letztendlich ist die Lage aber sehr unübersichtlich.

      - Putin macht Innenpolitik, die sich strategisch auf die Ukraine auswirkt. Finanziell werden Kreise der Separatisten unterstützt, wahrscheinlich auch mit GRU Agenten und Kommandoeinheiten - siehe Slawjansk.

      - Es gibt aber auch russische Harliner z.B in Luhansk, die selbst dem Kreml unheimlich sind.

      - Dann noch die Gruppen der Oligarchen.


      Es gibt hier wohl keine homogene Masse - jeder kocht hier seine eigene Suppe.
      Und gerade das ist ja so gefährlich.

      Wie schon gesagt, leider sind für mich die Oligarchen mit ihrer Macht und Geld momentan für mich die einzigen Leute, die den Laden noch zusammenhalten können.
      Hört sich ziemlich realpolitisch an, gefällt niemandem, nur mit Moral wird man wohl momentan keine Stabiltät schaffen und das Schlimmste verhindern.

      Der wichtigste Punkt ist wohl jetzt die Ukraine zusammen zu halten und einen Partisanenkrieg zu verhindern?
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      Friedrich Nietzsche
    • Dante wrote:

      Ich denke Rinat hat einfach abgewartet, was passiert und jetzt Anzeichen gesehn zu reagieren.
      Meine Frau und ich haben gestern Abend auch darüber spekuliert.
      Während der Kurs von Kolomojski sehr früh klar war, hat Achmetow unserer Meinung die Entwicklung der Lage abgewartet.
      In seinem "Territorium" Donbass wäre es selbst für ihn eine unglückliche Lage am Ende auf der Looser-Seite zu stehen. Somit werten wir die Entscheidung von Achmetow als gutes Zeichen, da Aufgrund seines sicherlich vorhandenen Informationsnetzwerk es zeigt das die Separatistenbewegung und die selbstrenannten Republiken eine "Totgeburt" sind.
      Vertrauenswürdig ist er unserer Ansicht dennoch nicht, weil der "Schwenk" sehr spät akm!

      Dante wrote:

      Rinat hat sich 2 oder 3 mal mit Steinmeier getroffen und war auch mindestens 1 mal in Moskau afaik - Deals liegen wohl auf der Hand.
      Naja, wo macht denn Geld ausgeben und zeigen was man hat am meisten Spaß?
      Wo hält sich denn die "erlesene Gesellschaft" am liebsten auf und schickt ihre Kinder auf die Schulen?

      Obwohl Kuba sicher auch schön ist, aber shoppen in Milano, die Yacht vor Nizza, das Loft in Monaco und die Kinder in erlesenen englischen Privatschulen istr doch schon eine andere Liga.
      Da steht man wirklich ungern auf der "schwarzen Liste"
    • Hab hier noch einen etwas älteren Artikel der FAZ gefunden, was die Interessensgruppen im Osten betrifft:

      ... Ein Sinneswandel binnen weniger Stunden

      Auf den ersten Blick schien die Botschaft des Rebellenführers klar: Donezk und Luhansk folgen der Krim Richtung Russland. Bei näherem Hinsehen aber schien das Bild weniger eindeutig. Keine zwei Stunden früher nämlich hatte Puschilin ganz anders geklungen. Die „Volksrepublik Donezk“ sei jetzt „souverän“, hatte er da gesagt, und das reiche zunächst vollkommen. „Später erst werden wir uns entscheiden, ob wir einer Föderation beitreten, und welcher“.



      Auch bei Roman Ljagin, einem anderen Führer der Aufständischen, war im Laufe des Montags ein markanter Wandel zu beobachten. Am Vormittag sagte er noch, Donezk werde auch nach dem Referendum „nicht aufhören, ein Teil der Ukraine zu sein“. Die Region werde „nicht zu einem Teil Russlands werden“; die „Volksabstimmung“ vom Sonntag sei kein Signal der Sezession gewesen, sondern nur ein Hilferuf der Bevölkerung, die „Veränderung“ wolle. Wie sein Mitkämpfer Puschilin hat jedoch auch Ljagin im Laufe des Tages seine Ansicht ins Gegenteil verkehrt: „Als Bürger bin ich für die Vereinigung mit Russland“, sagte er gegen Abend.
      Ein „Putsch“ in der Führung?


      Was zwischen Aufgang und Untergang der Sonne mit Puschilin und Ljagin geschehen ist, lässt sich vorerst schwer erkennen. Gleich nach ihrer Kehrtwende aber verdichteten sich in Donezk Gerüchte der Kurswechsel hänge mit einem „Putsch“ in der Führung der Aufständischen zusammen. Der von Kiew eingesetzte Gouverneur von Donezk, Sergej Taruta, jedenfalls bestätigte diese Vermutung später mit der Mitteilung, im Lager der Separatisten habe es offenbar einen „Machtwechsel“ gegeben.

      Dass unter den zusammengewürfelten Haufen von Abenteurern, die seit Wochen die Ostukraine destabilisieren, nicht nur Eintracht herrscht, hatte sich schon vor einigen Tagen angedeutet. Der selbstausgerufene „Volksgouverneur“ Pawel Gubarew, einer ihrer populärsten Führer, erhob damals den Aufsehen erregenden Vorwurf, zwei Drittel der prorussischen Aktivisten in Donezk würden vom Multimilliardär Rinat Achmetow finanziert, dem bei weitem mächtigsten Oligarchen der Region.


      Dieser hat das sofort bestritten. Dennoch hat dieser Streit einen schwelenden Konflikt offengelegt. Weil der Revierkönig Achmetow offenbar keinesfalls unter die Knute des russischen Präsidenten Wladimir Putin geraten will, hat er jeden Gedanken an einen Beitritt zur Russischen Föderation immer wieder zurückgewiesen. Gubarew dagegen hat eine lupenreine Biographie in großrussisch gesinnten Organisationen, etwa bei den „progressiven Sozialisten“ der Ukraine, einer sowjetisch-nostalgischen Splittergruppe. Seine Behauptung, „zwei Drittel“ seiner Mitstreiter stünden im Solde eines Mannes, der eigentlich nicht zu Russland will, war damit nichts geringeres als der Vorwurf des Hochverrats.

      Tatsächlich bestätigen auch Insider der Rebellenführung, dass man sich intern „nicht einig“ sei. Beobachter unterscheiden dabei zwei Richtungen: eine, in welcher Russland das Sagen habe, und eine, welche der Oligarch Achmetow führe. Als Oberhaupt der Russen gilt der militärische „Oberbefehlshaber“ der Rebelleneinheiten, Igor Girkin, der gelegentlich mit dem Kampfnamen „Strelkow“ auftritt. Dieser Mann ist nach Ansicht der EU ein Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU und wurde vor seinem Einsatz in der Ostukraine unter anderem schon auf der Krim gesichtet. Er gilt als Kommandant all der russischen Kämpfer, die das Donbass unsicher machen, und soll vor allem im Norden des Gebiets Donezk, in der von Rebellen besetzten Stadt Slawjansk fast unumschränkte Macht besitzen.


      Die andere Partei wird dem Oligarchen Achmetow zugeordnet. Insider sagen, er sei zwar nicht für den Anschluss an Russland, doch steuere er einige der Separatisten – erstens, um die „Antioligarchisch“ gesonnene Kiewer Zentralregierung unter Druck zu setzen, und zweitens, um statt der Sezession zumindest eine möglichst weitgehende Autonomie für „sein“ Donbass zu erreichen. In seiner Umgebung wurde am Dienstag bestritten, dass Achmetow unter den Aufständischen „eigene Leute“ habe. Richtig sei allerdings, dass er mit den Rebellen im „Dialog“ stehe, um sie zum Maßhalten zu bewegen.



      Die abrupten Meinungswechsel bei führenden Köpfen der neuen „Volksrepublik“ könnten nun darauf hindeuten, dass in diesem Konflikt zwischen „Russen“ und „Hiesigen“ die Moskauer Fraktion am Montag einen Sieg errungen hat. Dennoch schein für „die Hiesigen“ das Spiel noch nicht verloren zu sein. Wie es aussieht hat Achmetow nämlich in den letzten Tagen daran gearbeitet, analog zum „prorussischen“ Slawjansk im Norden eine eigene Hochburg im Süden zu schaffen – in der Industriestadt Mariupol, wo er zwei gewaltige Stahlwerke besitzt. Hier versuchen nach den blutigen Vorfälle der letzten Woche Arbeiterbrigaden seines Konzerns „Metinvest“ offenbar gerade, die Ordnung wieder herzustellen. Wie aus Mariupol gemeldet wird, nicht ohne Erfolg: aus der Stadt wird berichtet, Achmetows Leute hätten Barrikaden entfernt und den Busverkehr wieder in Gang gesetzt.


      faz.net/aktuell/politik/auslan…enanhaenger-12937503.html
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