Andruchovytsch und der Rechte Sektor

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    • Die rechtsradikale ukrainische Partei "Rechter Sektor" greift den auch international renommierten ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch an: "Wir erachten Auftritte von Propagandisten des Kosmopolitismus und Separatismus als Form der Sabotage gegen unseren Staat", heißt es in einem am Samstag veröffentlichten Manifest, das "nationale Verantwortung der (ukrainischen, Anm.) Intelligenzija" einfordert.

      Ausgangspunkt für die rechtsradikale Attacke gegen den Erfolgsautor, der in Österreich kürzlich die Eröffnungsrede zur Messe "Buch Wien" gehalten hatte, war eine Lesereise Andruchowytschs durch die Westukraine im Dezember 2014 gewesen. In Friedenszeiten, so schreibt der "Rechte Sektor", würde man die Auftritte dieses Verfassers "pornografischer Genital-Literatur" ignorieren, und auch in westlichen Staaten hielte sich der Schaden durch seine Texte in Grenzen: "In einer durch die laufende russisch-kommunistische Besetzung spirituell geschädigten Ukraine hatte und hat sie jedoch ausschließlich zerstörerische Konsequenzen."

      Konkret wirft die Partei dem Schriftsteller "Kosmopolitismus" vor, aber auch, dass er ein Moratorium für die Popularisierung "toter Helden" fordere – insbesondere in Bezug auf den umstrittenen Nationalistenführer Stepan Bandera (1909–1959). Er hätte zudem die führenden Autoren der ukrainischen Klassik auf widerwärtige Weise beleidigt, und er würde in seinen Werken "sexuelle Perversionen" von Erotomanie bis Homosexualität propagieren. Übel genommen wird Andruchowytsch aber auch, dass er bereits 2010 laut über eine mögliche Abspaltung von Krim und Donbass nachgedacht hatte.
      derstandard.at/2000010000041/R…chen-Autor-Andruchowytsch

      Kritische Beobachter wie der Lemberger Historiker und Publizist Wassyl Rassewytsch vermuten im "Rechten Sektor", den russische Medien Anfang vergangenen Jahres monatelang als nahezu wichtigste politische Kraft der Ukraine dargestellt hatten, ein Konstrukt von Geheimdiensten. Hinter der konkreten Attacke gegen Andruchowytsch, so erklärt Rassewytsch gegenüber der APA, stünde der Versuch des "Rechten Sektors" die Sympathien von ehemaligen Anhängern der ebenso rechtsradikalen "Swoboda"-Partei zu gewinnen. Letztere hatte mit 4,71 Prozent der abgegeben Stimmen bei den vergangenen Parlamentswahlen knapp den Wiedereinzug in die Werchowna Rada verpasst.

      Der Rechte Sektor werde auch weiterhin in der Tradition von "Swoboda" gegen Westen und Liberalismus auftreten, prognostiziert Historiker Rassewytsch: "Seine Positionen werden sich damit völlig mit der propagandistischen Linie des Kreml decken."
      suedtirolnews.it/d/artikel/201…owytsch.html#.VKq5g8kuZU0
      :lol:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tartu ()

    • Das dürfte primär damit zu tun haben, dass der Rechte Sektor nach der letzten Wahl praktisch in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Man denkt an die nächste Wahl und versucht, eine Stammwählerschaft aufzubauen, vor allem unter den etwas radikaleren jungen Leuten. Etwas ganz ähnliches macht übrigens Swoboda zur Zeit auch, siehe der Fackelmarsch zu Banderas Geburtstag, obwohl die eigentlich ganz genau wussten, dass sie mit dem Unsinn der russischen Propaganda in die Hände spielen.

      Beide Gruppierungen versuchen aktuell offenbar ganz in der Tradition anderer europäischer Rechtspopulisten eine europakritische Linie zu fahren. Es gibt auch einige, die meinen, dass beide Gruppierungen aktuell schon vom FSB unterwandert sind, weil sie im Grunde ja ganz deutlich gegen die Interessen ihres Landes handeln. Aber das ist natürlich Spekulation. Dass an dem Rand des Spektrums nicht gerade die hellsten Köpfe sitzen, ist ja nun auch nicht wirklich etwas neues...