Розрита Могила - kleine Geschichte der Ukraine

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    • Розрита Могила - kleine Geschichte der Ukraine

      Es passt ja ganz gut zum 20. Geburtstag der Ukraine. Der Text ist ein Gedicht von Тарас Шевченко, die Musik von Кому Вниз, das Video ist m.W. nicht von der Band selber, aber es ist wundervoll zusammengestellt:



      Der Text:

      Розрита могила

      Світе тихий, краю милий, моя Україно!
      За що тебе сплюндровано, за що, мамо, гинеш?
      Чи ти рано до схід сонця Богу не молилась?
      Чи ти діточок непевних звичаю не вчила?
      Молилася, турбувалась, день і ніч не спала,
      Малих діток доглядала, звичаю навчала.
      Виростали мої квіти, мої добрі діти,
      Панувала і я колись на широкім світі, -
      Панувала... Ой, Богдане!...
      Нерозумний сину!

      Подивись тепер на матір, на свою Вкраїну,
      Що, колишучи, співала про свою недолю,
      Що, співаючи, ридала, виглядала волю.
      Ой, Богдане, Богданочку!

      Якби була знала,
      У колисці б задушила, під серцем приспала.
      Степи мої запродані жидові, німоті,
      Сини мої на чужині, на чужій роботі.
      Дніпро, брат мій, висихає, мене покидає,
      І могили мої милі москаль розриває...
      Нехай риє, розкопує, не своє шукає,
      А тим часом перевертні нехай підростають

      Та поможуть москалеві господарювати
      Та з матері полатану сорочку знімати'...
      Начетверо розкопана, розрита могила.
      Чого вони там шукали? що там схоронили старі батьки?..


      Ich habe den ins Deutsche übersetzt, hoffentlich einigermaßen genau:

      Geplündertes Grab

      Ruhige Welt, schönes Land, meine Ukraine!
      Warum wurdest Du ausgeplündert, warum, Mutter, kommst Du um?
      Hast Du nicht von früh bis spät zu Gott gebetet?
      Hast Du nicht Deine unsicheren Kinder immer gelehrt?

      "Gebetet, mich gemüht, Tag und Nacht nicht geschlafen
      Die kleinen Kinder betreut, den Brauch gelehrt.
      Meine Blumen wuchsen auf, meine guten Kinder,
      Einst herrschte ich auf dem weiten Land
      Herrschte... Oh, Bohdan! Du törichter Sohn!

      Sieh Dir nun Deine Mutter an, Deine Ukraine,
      Die einst sang über ihre Angst,
      Die singend klagte, das dem Schicksal entgegensah.
      Oh, Bohdan, mein Bohdan!

      Hätte ich es gewusst,
      In der Wiege hätte ich Dich erstickt, unter meinem Herz betäubt.
      Meine Steppen verkauft and Juden und Deutsche,
      Meine Söhne in der Fremde, in der Fremde Arbeiter.
      Dnjepr, mein Bruder, ausgetrocknet zurückgelassen
      Und meine lieben Gräber plündert der Russe...
      Lass Ihn graben, graben, sich nehmen,
      Aber währenddessen lass die Verräter heranwachsen.
      Und den Russen herrschen helfen
      Und der Mutter das letzte geflickte Hemd nehmen...
      Zum vierten Mal augegrabenes, geplündertes Grab.
      Warum suchten sie dort?
      Weil dort unsere alten Väter begraben waren?


      Kleine Erläuterung zum Text:

      "Bohdan" ist Bohdan Khmenlytskyj, der nach einem gewonnenen Aufstand der Kosaken gegen Polen sich dem russischen Reich anschloss, was den Beginn der Zugehörigkeit der Ukraine zu Russland markierte.

      Die Juden sind natürlich reiche Kaufleute, die Deutschen kann man in zwei Richtungen interpretieren - zum einen holte Peter der Große viele Deutschen ins Land und ließ sie in verschiedenen Gebieten, auch der heutigen Ukraine, siedeln. Außerdem könnte Schevchenko hier die Tatsache gemeint haben, dass das russische Königshaus spätestens seit Katharina einen starken deutschen Anteil hatte.
    • mbert schrieb:

      Die Juden sind natürlich reiche Kaufleute, die Deutschen kann man in zwei Richtungen interpretieren - zum einen holte Peter der Große viele Deutschen ins Land und ließ sie in verschiedenen Gebieten, auch der heutigen Ukraine, siedeln. Außerdem könnte Schevchenko hier die Tatsache gemeint haben, dass das russische Königshaus spätestens seit Katharina einen starken deutschen Anteil hatte.
      Mbert, der Bezug geht eher in die Richtung Katharina,
      Die fünfzehnjährige Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst wird 1744 nach Russland gerufen: Zarin Elisabeth sucht eine Braut für ihren Neffen, den Thronfolger Peter. König Friedrich II. von Preußen hat ihr die deutsche Prinzessin empfohlen. Auf Geheiß der Zarin darf sie auf der beschwerlichen Winterreise nach Moskau nur von ihrer Mutter und nicht von ihrem Vater begleitet werden......
      dieterwunderlich.de/Katharina.htm

      Wirtschaftlich wie auch Strategisch war der Zugang zum Schwarzen Meer von Enormer Bedeutung und mit Hilfe Fürst Potjomkin, er machte eine steile Karriere im Staatsdienst, war Mitglied des Reichsrates und Präsident des Kriegskollegiums. Potjomkin baute die Schwarzmeerflotte auf und gründete die Städte Sevastopol und Cherson und eroberte den Zugang zum Schwarzen Meer gegenüber den Türken.
    • Na klar das ist doch auch ein Historisch, Wissenschaftlicher Fakt , Freiwilligkeit war da nicht mehr Vorgesehen, hätte ja für die Region ein zusätzlichen Dauerbrennpunkt bedeutet. Somit wurde von Ihr Fakten geschaffen.
      Viel zu leicht war es möglich die in sich unorganisierten und zum Teil zerstrittenen Ataman / Hetman zu kaufen. Sonst hätte es wirklich anders ausgesehen. Wiederstand gab es vereinzelt, doch auf beiden Seiten standen sich hier Kosaken gegenüber.

      Donkosak Jemelian Pugatschow ( beschworen in Puschkins "Hauptmannstochter" ) inszeniert Volksaufstände an Wolga und Ural. Behauptet: der 1763 ermordete Zar Peter III. zu sein. Er verliert seine Erhebung, Hinrichtung in Moskau. Aus ukrainischen Kosaken der im 18. Jahrhundert aufgelösten Saporosher setsch enstanden die unter Katharina II. gebildeten Schwarzmeer Kosaken, die neben den Asow Kosaken gegen die Türkei eingesetzt wurden.

    • mbert schrieb:

      Jep, und Katharina war es auch, die die letzten Überreste der Verträge Khmelnytsky's mit Zar Alexander kassierte und die Selbstbestimmung der Kosaken-Kommunen (die eben ein Grundpfeiler der ursprünglich freiwilligen Zugehörigkeit der Ukraine zum russischen Reich gewesen war) abschaffte.
      Na aber so einseitig darf dies dann aber auch nicht gesehen werden dem ging einiges voraus ! Warum die Selbstbestimmung kassiert wurde.

      1582-1584
      Kosak Jermac Timofejew: im Auftrag der Partizierfamilie Stroganow Eroberer des Ostens, Sibiriens, Beinahe 100 Jahre nach Christoph Columbus Eroberung des Westens, Armerika (1492).
      Zwischen beiden Unternehmungen - dem Ostpolzug Jermacs, des Kosaken aus dem Ural, und dem Westpolzug des Christoph Columbus, des Juden aus Genua - sieht man magisch-historische Entsprechungen. Eine bekannte Welt wird durch den Kosaken in den Osten, durch den Juden in den Westen erweitert. Materiell. Geistig. Abgeleitet wird daraus die enge Verwandtschaft zwischen den beiden. Das zum ewigen Unruhe-Dasein verdammte Entdeckerwesen der Kosaken und Juden. (Woraus sich auch die zeitweilige wilde feindschaft der beiden gegeneinander erklärt).
      Jermac siegt über den tatarischen Oberherrn von Sibirien, Chan Kutschum. Er bemächtigt sich seiner Residenz: Sibirische Kosaken dringen bis ins innere Sibiriens vor, erreichen als Fluß- und Seefahrer den Irtysch, die Lande östlich von Irkutsk, die Amur- und Ussuij-Territorien. Diese Marken (ähnlich wie die vorher schon besetzten Marken am Kuban, am Terek, an der unteren Wolga, am Jajk/ Ural) erhalten sie vom Zaren als quasi-autonome Distrikte. In Europa beginnt das Zeitalter des Barock.

      1648
      Bogdan Chmielnicki, umstrittener ukrainischer Kosakenführer (Hetman) erhebt sich gegen Polen: behautet eine Weile eigenes Kosaken Königreich in Europa, gleidert sich dann (was ihm als Verrat ausgelegt wird) in die moskowitische Staatsstruktur ein.
      Moskau unter Alexej Romanow (1645-1676) orientiert sich an Europa und seiner Kultur.
      Im Europa nach dem 30jährigen Krieg (Westf. Friede): verändertes Welt- und Menschenbild. Naturwissenschaften, Medizin, Philanthropie, Barockmusik anstelle von Theologie, Etatismus, Konfessionalismus.

      1667-1671
      Am Don und an der unteren Wolga: Aufstand des Donkosaken Stjenka Rasin. Der Selbstgott und Tribun verliert sene Revolution; wird gevierteilt. "Der dem Untergang geweihte Stenka Rasin war der Che Guevara seiner Zeit" (Philip Longworth).

      1709
      Kosakenhetman Mazeppa (meistbedichteter Kosaken-Chef von Byron bis Brecht) fällt von Moskau ab. Bündnis mit dem Schwedenkönig Karl XII. gegen Peter den Großen von Moskau. Niederlage in der Schlacht von Poltawa. Die ersten Kosaken in Sibierischer Verbannung.
      In Europa: Aufklärung. Leibniz schreibt seine Lehre von der "prästabilierten Harmonie". Die Theodizee". Mit der These:" Gott schuf die vollkommenste der möglichen Welten".

    • Ja tolles Video und danke für die Übersetzung!

      mbert schrieb:

      die Deutschen kann man in zwei Richtungen interpretieren

      Ich habe da noch eine dritte Variante. Auch Gogol hat in seinen Geschichten immer mal wieder von den "Nemzy" geschrieben. Was mich gewundert hatte, denn in den Gegenden über die Gogol geschrieben hat, gab es meiner Meinung nach kaum Deutsche. Die Aufklärung gab es mal in einem Nachwort zu einem Gogolsammelband. Nemzy war damals eher ein Sammelbegriff für Ausländer und kam eher vom Wort nemoi oder nemo, also einer der undeutlich spricht.

      Besser als ich, hat es der Herr Vasmer in seinem etymologischen Wörterbuch erklärt: Quelle
      WORD: не́мец
      GENERAL: род. п. -мца, др.-русск. нѣмьць "человек, говорящий неясно, непонятно"; "иностранец", нѣмьчинъ "немец, любой иностранец" (Срезн. II, 486 и сл.; Ф. Браун, Germanica Sievers 679 и сл.), ср.-греч. Νεμίτζοι мн. "немцы" (Конст. Багр., Dе cerim. 2, 398; см. Томсен, Ursprung 120), болг. не́мец -- то же при неме́ц "немой" (Младенов 362), сербохорв. ниjѐмац "немец; немой", словен. némec "немой; название сев. ветра; сорт овса", чеш. němec "немец", слвц. nеmес, польск. niemiec, в.-луж. němc, н.-луж. nimc.
      ORIGIN: Праслав. *němьcь "чужестранец" образовано от němъ (см. немо́й). Ср. диал. говори́ть не́мо, т. е. "невнятно говорить (о ребенке)", вятск. (Васн.), не́мчик "малыш, ребенок, который еще не говорит", смол. (Добровольский), немко́ "немой", арханг. (Подв.), немты́рь, немтура́ "косноязычный, заика", вятск. (Васн.), др.-русск.: Югра же людие есть языкъ нѣмъ, т. е. "чужой, иноязычный (немой) народ" (Лаврентьевск. летоп. под 1096 г.), греч. οὔθ ̔Ελλὰς οὔτ᾽ἄγλωσσος γαῖα (Софокл, Трах. 1096); см. Грюненталь, ZfslPh 13, 342; AfslPh 39, 290 и сл.; 42, 318; Улашин, ZfslPh 6, 369 и сл.; В. Шульце, KZ 50, 129, где даны семантические параллели. С названием зап.-герм. неметов (Плиний, Тацит; см. Мух у Хоопса, Reall. 3, 301 и сл.) у Шпейера слав. němьcь не имеет ничего общего по фонетическим и географическим соображениям, вопреки Шахматову (AfslPh 33, 82 и сл.), Беличу (ИОРЯС 8, 2, 388), Микколе (Zschr. f. d. Wf. 6, 372; Этногр. Обозр. 60, 178; РФВ 48, 270 и сл.); ср. Фасмер, RS 6, 194; Ягич, AfslPh 31, 591; Янко, Teuthonista 8, 127 и сл.; WuS 1, 108; ZfslPh 13, 417 и сл.; Клюге, Zschr. f. d. Wf. 6, 372 и сл.; Грюненталь, там же; Улашин, там же. Ошибочна также гипотеза о первонач. знач. "кочевник" и родстве с греч. νέμω "пасусь", νομή "пастбище", νομάς "кочевник", νέμος "лес", лат. nemus, -oris "роща", вопреки Ильинскому (ИОРЯС 24, 1, 148 и сл.). О греч. и лат. словах гораздо лучше говорится у Гофмана (Gr. Wb. 214; Вальде--Гофм. 2, 158). От нѣмьць произведено др.-русск. нем(ь)чичи мн., Смол. грам. 1229 г. (Напьерский 425), неоднократно.
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      Obwohl andere Sprachforscher da auch schon wieder anderer Meinung sind :D
    • Danke, Icke :thankyou: ( der Button ist ja noch in der Versenkung ) :roflmao:

      ....na das ist doch aber bekannt nach seinen Kurztrip nach Deutschland begann Gogol doch verstärkt die Deutschen Klassiker zu lesen und Orientierte sich besonders an der Rolle der Frau in Deutschland. Obwohl Gogol ja nicht gerade selber eine Schönheit selber vor dem Herren war, und dieser selber darunter gelitten hat sein eigener Name. Mit der Betonung der ersten Silbe kommt ja ein Wasservogel zum Vorschein.............

      Zumal muss aber auch entsprechend berücksichtig werden das zur Zeit Gogol noch viel mehr Dialekt generell gesprochen wurde.