Nach fast 5 Jahren sind weniger Journalisten vor Ort in der Ukraine, es gibt weniger Berichte in deutschen Medien und weniger Präsenz und Reichtweite in sozialen Netzen. Aktive Kenner der Ukraine ziehen sich bei X oder auch bei Youtube zurück, denn deren Aufwand ist enorm, die Wirkung schmilzt dahin.
Ja, vermutlich erlahmt das hiesige öffentliche Interesse zusehends an diesem unsäglichen Krieg, was dann auch für die Journalisten, Blogger, Aktivisten und andere Kommentatoren, auf welchen Plattformen auch immer, bedeutet, dass sie weniger Follower/Interessenten haben, was dann natpürlich auch den einen oder anderen finanziellen Nachteil mit sich bringen kann. Denn, machen wir uns nichts vor: Auch die interessantesten Blogger oder Youtuber, seriösesten Nachrichtensendungen wollen mit ihrem Wirken eine Plattform schaffen, um interessant für Werbetreibende zu werden.
Auch die Ukraine wird bei Infos zugleich zurückhaltender. Oft gibt es Bestätigungen erst mit ein-, zweitägiger Verspätung - beim Frontgeschehen rechne ich sogar mit Wochen.
Aus gutem Grunde halten sich die Ukrainer zunehmend zurück. Die Russen neigen dazu, Erfolge zu veröffentlichen, welche es nicht gibt. Nur, die vermeintlich besetzten Gebiete sind nun mal tabu für die russische Artillerie und Luftwaffe. Die Russen haben dann wohl die offenkundig ehrlicheren ukrainischen Gefechtskarten genutzt, um zu ermitteln, wo denn nun die tatsächlichen Frontverläufe sind.
Und dann kommt zum hundersten Mal die Forderung, dass Deutschland ausradiert gehöre. Hunderttausende Menschen sehen das hier tagtäglich über Satellit. Aber nicht nur Solowjow verbreitet Hass und schräge Narrative mit seinen Vernichtungsphantasien. Das ist der existierende Wahnsinn im dortigen Alltag, welcher eben auch hier ankommt.
Ich weiß nicht, ob sich noch jemand daran erinnert, mit welchen Haßtiraden, Narrativen und Hetzkommentaren Russland um sich geworfen hatte, als sich der Krieg gegen die Ukraine noch in der Planung befand, bzw. auf niedrigerem Niveau gestartet worden ist. Deutschland ist bei der russischen Führung mittlerweile ziemlich verhaßt. Schließlich gehören wir zu den mit Abstand größten Förderern und Unterstützern der Ukraine. Selber nehme ich diese Drohungen und Vernichtungsphantasien aus Russland ziemlich ernst, wohl wissend, dass die Russen jede Möglichkeit nutzen werden, um sich zu rächen. Dabei hält sich Deutschland absolut an dem Völkerrecht. Es ist eben nur Russland, welches seine eigenen Interessen und Ansichten über das Völkerrecht stellt.
Grundsätzlich scheint es so zu sein, dass Russland nicht nur mit den beiden bekannten deutschen Parteien AfD und BSW verbandelt ist, sondern wohl auch nach wie vor mit Trump. Anders lässt es sich ja nicht erklären, dass gerade jetzt, wo die Ukraine ein paar Erfolge an der Front erzielt hat, und auch der russischen Wirtschaft erfolgreich zusetzt, auf einmal wieder Wittkoff und Kutschner nach Russland fliegen, um mit Putin über mögliche Friedenslösungen zu verhandeln. Wir wissen ja aus der Vergangenheit, was dabei herauskommen wird: Putin wird seine bekannten Narrative und Forderungen verbreiten, aber dabei keinen Deut von seinen Maximalforderungen abweichen. Den Weg nach Kiev können sich die beiden US-Kasperköpfe ergo sparen. Viel wichtiger für Putin dürfte jedoch sein, dass es national und international wieder schöne Bilder gibt, wo sich dieser Bunkerbewohner auf Augenhöhe mit einer US-Delegation zeigen darf.
Selber sehe ich so diverse Entwicklungen ebenfalls mit ziemlichem Bauchweh. Als Kernproblem habe ich entlarvt, dass es nur noch wenige bis gar keine Politiker mehr mit einem Kompass gibt, welcher eine Richtung vorgibt, der auch überzeugend viele Wähler hinterherlaufen würden, und auch tatsächliche Problemlösungen anbietet. Es würde jetzt allerdings den Rahmen sprengen, sich darüber hier und jetzt weiter auszulassen.