• Vier Gründe, warum Putin den Krieg verloren hat
    Russische Truppen verlassen fluchtartig den Norden der Ukraine und verüben dabei ein grauenhaftes Massaker. Die Welt ist schockiert. Butscha ist auch ein Indiz, dass sich die russische Armee nicht nur moralisch, sondern auch militärisch katastrophal schlägt. Putin plant offenbar schon eine Siegesfeier. In Wahrheit hat er den Krieg bereits verloren.

    Westliche Geheimdienstberichte melden, dass Wladimir Putin den Ukraine-Krieg bis zum 9. Mai beendet haben will. Der russische Präsident plane für diesen Tag in Moskau eine große Siegesparade. Das Datum ist für ihn von hoher symbolischer Bedeutung: Am 9. Mai feiert Russland regelmäßig den Sieg im "Großen Vaterländischen Krieg" über Nazi-Deutschland mit gewaltigen Aufmärschen, weil der sowjetische Marschall Georgi Schukow am 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Wehrmachtsteile erwirken konnte. Putin hat seinen Angriffskrieg auf die Ukraine von Anfang an in das Narrativ der Faschismusbekämpfung gestellt. Nun will er den "Siegestag" mit einer Triumph-Feier über die Ukraine feiern. Bis dahin soll - so das angeblich neu justierte Kriegsziel - die russische Armee den Landgürtel von der Krim bis nach Luhansk erobert haben. Der von ihm als "Neu-Russland" bezeichnete Landstreifen solle militärisch abgesichert und perspektivisch Russland eingegliedert werden. Sein Waffenstillstandsinteresse orientiere sich an der Frontlinie im Donbass und der Breite des Landgürtels. Er wolle in den kommenden Wochen dort möglichst große Gebietsgewinne erzielen, um "harte Friedensbedingungen diktieren" zu können. Dann könne er sich am 9. Mai als Befreier und Sieger inszenieren.

    Die Berichte der Geheimdienste mögen stimmen. Das Kalkül Putins allerdings stimmt gar nicht mehr. Denn in Wahrheit hat er den Krieg bereits desaströs verloren.


    Die militärische Niederlage

    Putins Armee hat nach sechs Wochen Krieg eine katastrophale Zwischenbilanz. Mehr als 10.000 eigene gefallene Soldaten, selbst hohe Generäle darunter, viele Tausend Verwundete, Hunderte von zerstörten oder verlorenen Panzern, mehr als 200 abgeschossene Hubschrauber und Flugzeuge. Die halbe Armee wirkt aufgerieben. Und trotzdem hat man aus russischer Sicht immer noch keine Großstadt eingenommen, ist über Grenzgebiete kaum hinaus gekommen. Die Ukraine ist weder erobert noch destabilisiert. Nicht einmal die Regierung in Kiew konnte gestürzt werden. Im Gegenteil. Die große Schlacht um Kiew hat die russische Armee spektakulär verloren.

    Damit ist eingetreten, was die Weltöffentlichkeit nicht für möglich gehalten hatte. Die größte Atommacht der Welt mit einer Armee, die laut Global Firepower Index das stärkste Panzer-Heer weltweit befehligt, ist mit seinem Blitzkrieg an tapferen Ukrainern schlichtweg gescheitert.

    Der Rückzug russischer Truppen aus dem Norden der Ukraine geschieht nicht freiwillig, er passt in keinen strategischen Plan des Kreml, denn er schwächt Putins Verhandlungsposition in Friedensgesprächen. Dieser Rückzug ist ein Verzweiflungsakt, um die dezimierten Kräfte im Osten zu bündeln und dort wenigstens noch etwas zu erreichen. Wie groß die militärische Niederlage für die Russen ist, lässt sich auch daran erkennen, dass der Rückzug über den gesamten Frontverlauf von 400 Kilometern (von Malyn über Kiew und Tschernihiw bis Sumy) nicht nur schnell erfolgt, er verläuft chaotisch und überstürzt. Putins Streitkräfte lassen bei ihrem überhasteten Abzug militärisches Gerät in großem Umfang zurück, ja sogar Dutzende von eigenen Soldaten werden in Wäldern im Stich gelassen, die es nicht mehr rechtzeitig in die Konvois zurück nach Belarus geschafft haben. Das alles sind eher Auflösungserscheinungen als geordnetes Militärhandeln. Dazu passt, dass sich Berichte über größere Befehlsverweigerungen russischer Soldaten häufen.


    Die moralische Niederlage

    Der Angriffskrieg hatte von Anfang an eine miserable legitimatorische Grundlage. Der Kreml mühte sich kaum, seine dreiste imperiale Gier zu kaschieren. Auf die Lügen einer angeblichen Faschismus-Bedrohung folgten die skrupellosen Bombardements. Das globale Ansehen Putins, ohnedies nicht besonders groß, ist seither implodiert.

    Die Ereignisse von Butscha fügen dem nun eine grauenhafte Dimension hinzu. Das Massaker an Zivilisten erinnert an Srebrenica. Massenhaft exekutierte Zivilisten auf offener Straße, vergewaltigte und getötete Frauen, die zur kaum tauglichen Verwischung von Spuren auf Autobahnen verbrannt werden, das Hinschlachten von ganzen Familien - all das verbannt Putin in die Abgrund-Kategorie des Kriegsverbrechers. US-Präsident Biden nennt ihn treffend einen "Schlächter". Als solcher wird Putin nie mehr auf einem Gipfelfoto neben Staatenlenkern stehen, wahrscheinlich nicht einmal mehr das eigene Land verlassen können, da ihm sonst Verhaftung und Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag drohte.


    Die politische Niederlage

    Putin hat durch diesen Krieg außenpolitischen Einfluss in Zeitraffer-Geschwindigkeit verloren. Die übergroße Mehrheit der Staaten will mit seinem Russland keine konstruktiven Beziehungen mehr pflegen, sanktioniert ihn und seine Führungsclique. Russland ist sogar aus dem Europarat ausgeschlossen worden. Politische Interessen kann Moskau kaum mehr irgendwo auf der Welt durchsetzen. Selbst in Deutschland, wo es vor dem Krieg eine erstaunlich breite Russland-Sympathie gegeben hat, wo der politische Resonanzboden für russische Interessen bis ins Kanzler- und Präsidialamt reichte, wo Putin-Versteher sich in Talkshows vielfach ausbreiten konnten, ist jeder Rückhalt verschwunden. Russland wird es auf Jahre hinaus schwer haben, auch nur harmlose politische Interessen auf der internationalen Bühne durchsetzen zu können. Selbst sport- und kulturpolitisch ist das Land isoliert. Russland darf nicht einmal mehr am Eurovision Song Contest 2022 teilnehmen.


    Die wirtschaftliche Niederlage

    Die westlichen Sanktionen treffen die Wirtschaft Russlands hart. Sie wirken auf die Volkswirtschaft schon jetzt wie ein verlorener Krieg. Das Bruttoinlandsprodukt Russlands wird Prognosen zufolge um zehn Prozent einbrechen. Der weiträumige Verlust von Absatzmärkten, die technologische Isolation, das Ausbleiben von Investitionen schwächen Russland strategisch. Das Land wird um mindestens ein Jahrzehnt zurückgeworfen. Diese Niederlage trifft ein Russland, das ohnedies viel schwächer ist als die Weltöffentlichkeit das denkt. Das Bruttosozialprodukt Russlands ist nicht einmal halb so groß wie das von Deutschland. Die Wirtschaftskraft von Putins vermeintlicher Weltmacht entspricht in etwa der des kleinen Südkorea. Selbst Italien stellt die russische Volkswirtschaft klar in den Schatten. Ein NATO-Diplomat bringt es auf den Punkt: "Russland ist in Wahrheit ein armer Mann auf einem Riesengrundstück, der sich zu teure Waffen leistet." Und diesem armen Mann wird nun auch noch der Sparstrumpf entrissen.

    Die real verfügbaren Einkommen der Russen sinken und liegen derzeit etwa 10 Prozent niedriger als 2013. Inflation und steigende Arbeitslosigkeit drücken auf die Konsumlaune. Die Steuereinnahmen stocken und legen offen, wie schwach Russlands Finanzkraft tatsächlich ist: Der gesamte Staatshaushalt des größten Flächenlands der Erde ist nämlich nur so groß wie der deutsche Sozialetat von Hubertus Heil.

    Russland ist obendrein viel zu abhängig von Öl und Gas. Sie machen zwei Drittel von Russlands Exporten aus. Dazu kommen weitere Rohstoffe wie Metalle, Holz und Mineralien. Rohstoffe insgesamt bilden sogar Dreiviertel der gesamten Ausfuhren. Nun setzen aber im Gefolge des Krieges, der Sanktionen und der dadurch beschleunigten globalen Energiewende immer mehr Kunden auf regenerative Energien und Atomkraft. Wovon lebt Russland aber, wenn das Öl- und Gasgeschäft einbricht? Putin hat mit diesem Krieg seine Kundschaft verprellt, seinen Hauptmarkt ruiniert, den Zugang zu Zukunftstechnologien verbaut und damit die wirtschaftlichen Perspektiven Russlands schwer beschädigt.

    Fazit: Putin mag sich am 9. Mai zum Helden ausrufen und eine Siegesparade vor dem Kreml abhalten - den Krieg hat er wirtschaftlich, politisch, moralisch und militärisch verloren.

    https://www.n-tv.de/politik/politi…le23247171.html

  • "An unserem Auto stand 'Baby'"

    Russen sollen auf E40 Fliehende getötet haben

    Beobachter sind bereits sicher: Die Bilder vom Massaker im Kiewer Vorort Butscha sind nur die Spitze des Eisbergs russischer Gräuel in der Ukraine. ntv-Reporterin Kavita Sharma begegnet einem Geflüchteten, der erzählt, Soldaten hätten seine Frau auf der E40 aus Kiew getötet und anschließend Spuren vernichtet.
    https://www.n-tv.de/mediathek/vide…le23246175.html

  • Nach Abzug völlig verwüstet

    Ukrainische Stadt Borodjanka liegt in Trümmern

    Anders als in Butscha sind in der kleinen 50 Kilometer nordwestlich von Kiew entfernten Stadt Borodjanka keine Leichen auf den Straßen zu sehen. Doch das Ausmaß der Zerstörung ist dort noch verheerender. Alle paar Meter bietet sich ein neuer Anblick der Verwüstung.

    "Ich kann es mir gar nicht ansehen, mir kommen die Tränen", sagt Mykola Kasmyrenko. Der 57-Jährige schleift einen Karren mit Hilfspaketen über die schlammige Hauptstraße von Borodjanka. Die kleine Stadt 50 Kilometer nordwestlich von Kiew ist nach dem Abzug der russischen Truppen völlig verwüstet. "Die Menschen haben kein Zuhause mehr", sagt Kasmyrenko und kann es kaum fassen. Manche Häuser sind völlig verschwunden, in anderen klaffen riesige Löcher, Kleider hängen in den Baumkronen.

    Ein ausgebrannter Panzer parkt auf den Trümmern eines zerbombten Hauses, Kinderspielzeug liegt überall auf der Straße verstreut. Nichts ist mehr dort, wo es hingehört. Anders als im 25 Kilometer entfernten Butscha sind in Borodjanka keine Leichen auf den Straßen zu sehen. Doch die Bewohner berichten von vielen getöteten Nachbarn. "Ich weiß von fünf Zivilisten, die getötet wurden", sagt der 58 Jahre alte Rafik Asimow. "Aber wir wissen nicht, wie viele nach den Bombardements noch in den Kellern der zerstörten Gebäude liegen. Niemand hat bisher versucht, sie herauszuholen."
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    https://www.n-tv.de/politik/Ukrain…le23247637.html

  • Ukraine in Sorge vor Großangriff

    London: Russische Truppen ziehen ab und formieren sich neu

    Das britische Verteidigungsministerium sieht wichtige Erfolge für die ukrainische Armee im Norden des Landes. Aus den USA heißt es, dass zwei Drittel der russischen Soldaten aus der Region zurückgezogen wurden. Das muss für die Ukraine aber keine gute Nachricht sein.

    Nach Einschätzung britischer Geheimdienste haben ukrainische Streitkräfte wichtige Regionen im Norden des Landes von den Russen zurückerobert. Russische Truppen seien in den Regionen um Tschernihiw und nördlich von Kiew zum Rückzug gedrängt worden, heißt es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums unter Berufung auf Geheimdienstinformationen.

    Kampfhandlungen in diesen Regionen hätten im Laufe der Woche aufgrund des russischen Rückzugs deutlich abgenommen. Die aus dem Norden abgezogenen Truppen müssten mutmaßlich völlig neu ausgestattet und aufgestellt werden, bevor Moskau sie im Osten der Ukraine wieder einsetzen könne, hieß es weiter.

    Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums gab derweil an, dass zwei Drittel der russischen Streitkräfte, die seit Beginn der Invasion das Gebiet um Kiew besetzt hielten, sich nach Belarus zurückgezogen haben. Es handle sich dabei wahrscheinlich um eine Neuorganisation vor einem neuen Angriff an anderer Stelle in der Ukraine. Tatsächlich ist genau das die große Befürchtung. Die russischen Streitkräfte bereiten nach ukrainischen Angaben nämlich einen "massiven Angriff" auf die Truppen in der östlichen Region Luhansk vor. Es werden Ausrüstung und Treibstoff gebracht sowie die Truppen verstärkt, sagte der Gouverneur der Region.
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    https://www.n-tv.de/politik/London…le23247041.html

  • Gouverneur ruft zur Flucht auf

    Ukraine erwartet "massiven Angriff" in Region Luhansk

    Nach dem Abzug russischer Kräfte aus dem Raum Kiew rechnet die Ukraine mit einem Großangriff in der östlichen Region Luhansk. Der Gouverneur ruft die Bewohner bereits zur Flucht auf. Unterdessen hält man es in Washington für denkbar, dass der Krieg noch Monate andauert.

    Die russischen Streitkräfte bereiten nach ukrainischen Angaben einen "massiven Angriff" auf die Truppen in der östlichen Region Luhansk vor. Es werden Ausrüstung und Treibstoff gebracht sowie die Truppen verstärkt, teilte der Gouverneur der Region, Serhij Gaidaj, mit. "Wir glauben, dass sie sich auf einen massiven Angriff vorbereiten."

    "Die Bombardements werden immer dichter", sagte Gaidaj in einer Videobotschaft. Er forderte die Bewohner auf, die Region so schnell wie möglich zu verlassen. "Wartet nicht darauf, dass eure Häuser zerbombt werden", rief er die Menschen auf. Bei der Explosion einer Mine seien am Sonntag "zwei Freiwillige" getötet worden, sagte er weiter. Beim Angriff auf eine Kirche wurden demnach zwei Priester verletzt.

    Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums gab am Montagabend an, dass zwei Drittel der russischen Streitkräfte, die seit Beginn der Invasion das Gebiet um Kiew besetzt hielten, sich nach Belarus zurückgezogen haben. Demzufolge handelte es sich dabei wahrscheinlich um eine Neuorganisation vor einem neuen Angriff an anderer Stelle in der Ukraine. Russland hatte seinerseits kürzlich angekündigt, dass es seine Offensive auf den Donbass konzentrieren werde, wo sich die Region Luhansk befindet.

    Der Nationale Sicherheitsberater des Weißen Hauses, Jake Sullivan, erklärte am Montagabend, Moskau sei mit dem Versuch, die "gesamte Ukraine zu unterwerfen", gescheitert. Seiner Einschätzung nach könnte der Krieg aber noch "Monate oder länger" andauern. Sullivan rechnete damit, dass "Moskau die Luftangriffe und den Raketenbeschuss des Rests des Landes fortsetzen wird, um militärischen und wirtschaftlichen Schaden anzurichten und auch, ganz klar, um Terror zu verbreiten".

    https://www.n-tv.de/politik/Ukrain…le23246527.html

  • FDP-Politikerin Strack-Zimmermann: "Haben es mit Verbrechern zu tun, die die Ukraine auslöschen wollen"
    08.50 Uhr: Nach dem Fund zahlreicher getöteter Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha fordert die Vorsitzende des Bundesverteidigungsausschusses Marie-Agnes Strack-Zimmermann härtere Sanktionen gegen Russland. „Angesichts der aktuellen Gräueltaten reichen die aktuellen Maßnahmen nicht aus. Wir haben es mit Verbrechern zu tun, die die Ukraine auslöschen wollen. Entsprechend kompromisslos müssen unsere Antworten sein – auch und gerade bei den Sanktionen“, sagt die FDP-Politikerin dem Nachrichtenportal watson.

    Beispiele für die Verschärfungen könnte demnach das völkerrechtliche Abkommen SWIFT zwischen der EU und den USA oder ein mögliches Öl- und Gasembargo sein. „Das sind die Maßnahmen, die Russland am härtesten treffen“, so Strack-Zimmermann.

    Die Ukraine habe der Bundesregierung zudem eine Liste mit Dingen übersandt, die zur Verteidigung benötigt werden. „Gemeinsam mit Politik, Militär und Industrie prüfen wir, was wir noch zusätzlich aus Beständen liefern können und was wir mit der Industrie zusammen direkt an die Ukraine senden können.“ Dabei dürfe keine Zeit verloren werden, sagt Strack-Zimmermann.


    Nach Genozid-Vorwürfen zweifelt Selenskyj an Verhandlungstreffen mit Putin
    13.07 Uhr: In einer Ansprache im ukrainischen Fernsehen hat der Präsident Wolodomyr Selenskyj angezweifelt, dass es ein Verhandlungstreffen zwischen ihm und Putin geben könnte. Grund dafür seien die Kriegsverbrechen-Vorwürfe an den Kreml-Chef. "Es kann vorkommen, dass es zu keinen Verhandlungen kommt", sagte Selenskyj am Dienstag im ukrainischen Staatsfernsehen. Er erklärt, dass es nicht selbstverständlich sei, mit Putin zu sprechen, nachdem er die russischen Truppen beschuldigt hat, Kriegsverbrechen in der Ukraine zu begehen. Ein Treffen könnte demnach nur stattfinden, wenn Russland "alle Strafen" tragen würde für den begangenen Völkermord.


    Baerbock: Prüfen Lieferung weiterer Waffensysteme
    15.51 Uhr: Außenministerin Annalena Baerbock hat angesichts der Kriegsgräuel in der ukrainischen Stadt Butscha grundsätzliche Bereitschaft zur Lieferung weiterer Waffensysteme an die Ukraine signalisiert. "Wir sagen nicht Nein, sondern wir schauen uns an, was es für Lösungen gibt. Und zwar gemeinsam als EU, als NATO und vor allen Dingen als G7-Partner", sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag bei einer internationalen Unterstützer-Konferenz für Moldau in Berlin. Deutschland liefere seit Beginn des russischen Krieges Waffen an die Ukraine - etwa Flugabwehrraketen und Panzerfäuste. "Es gibt nicht viele andere Staaten, die mehr geliefert haben."

    In der öffentlichen Diskussion ist etwa die Lieferung gebrauchter Schützenpanzer vom Typ Marder, die vom Rüstungsunternehmen Rheinmetall für Kriegstauglichkeit aber erst überholt werden müssten. Die Bundesregierung sehe sich nun Waffensysteme an, die Deutschland bisher noch nicht geliefert habe, sagte Baerbock. "Allerdings hat die Bundeswehr selbst kaum noch welche in den Depots." Wenn man über alte Waffensysteme rede, müsse berücksichtigt werden, "dass daran auch viele Fragen von Logistik, Ausbildung und Ersatzteilen hängen, - Ersatzteile die es möglicherweise nicht mehr gibt", sagte die Ministerin. Je älter das System sei, desto schwieriger werde es, diese Fragen zu beantworten.
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    https://www.focus.de/politik/auslan…d_57275780.html

  • Vor den Augen der Ukrainerinnen erschossen russische Soldaten ihre Ehemänner
    Beim Angriffskrieg auf die Ukraine scheinen einige russische Soldaten nicht vor Kriegsverbrechen zurückzuschrecken. Neben dem Beschuss von zivilen Einrichtungen sollen sie auch ukrainische Zivilisten teils grausam hinrichten und vergewaltigen. Zwei Ukrainierinnen berichten von Gräueltaten.

    Butscha war einst ein normaler Kiewer Vorort, der nun das Symbol für die Schrecken des Krieges in der Ukraine ist. Doch auch außerhalb von Butscha sollen sich Kriegsverbrechen ereignet haben. Im Gespräch mit der „Tagesschau“ berichten zwei Ukrainierinnen von den Gräueltaten, die sie und ihre Familien erlebt hätten.

    Ukrainische Familie flieht vor russischen Truppen aus Kiew - dann wird sie zum Ziel

    Als am 24. Februar der Angriffskrieg auf die Ukraine beginnt, fliehen Tatjana (Name geändert), ihr Mann Juri, Tochter Alina und die Großmutter aus ihrem Wohnort Kiew. Ihr Ziel: Bohdaniwka, ein Ort 40 Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt entfernt.

    Dort leben sie geschützt in ihrer Datsche, einer Art Gartenhaus, bis am 3. März russische Truppen Bohdaniwka erreichen, die den Ort plündern und Menschen berauben.

    Wenige Tage später sind Tatjana, Juri, Alina und die Großmutter das Ziel: Die Soldaten beschießen die Datsche; Rufe der Familie, dass sich ein Kind im Haus befindet, ignorieren sie.

    Schließlich muss die Familie zwei Männern mit Maschinengewehren die Tür öffnen. Sie befehlen den vier Anwesenden, in einen zwei Meter tiefen Pumpenschacht zu klettern. Die Großmutter schafft es nicht, sie darf im Haus bleiben. Die restlichen drei Angehörigen werden hingegen hinuntergetrieben.

    Soldaten töten Mann und vergewaltigen dessen Frau
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    https://www.focus.de/politik/auslan…d_79170549.html

  • Nawalny-Vertrauter: Putin hat sich bei Ukraine-Krieg "verkalkuliert"
    09:10 Uhr: Der russische Exil-Oppositionelle Leonid Wolkow hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Blick auf den Ukraine-Krieg eine verheerende Fehlkalkulation bescheinigt. "Putin hat eindeutig seine Amtszeit verkürzt", sagte Wolkow, ein Vertrauter des in Russland inhaftierten Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Es sei offensichtlich, dass Putin sich beim Ukraine-Krieg "verkalkuliert" habe und die Invasion des Nachbarlandes zum Scheitern verurteilt sei.

    Durch seine Entscheidung für eine Invasion in der Ukraine habe Putin "dramatisch die Wahrscheinlichkeit eines Szenarios verringert, in dem er einfach im Kreml bleibt, bis er stirbt", so wie der langjährige Staatschef dies "geplant" habe, sagte Wolkow am Rande des Gipfels für Menschenrechte und Demokratie in Genf.

    Zwar sei Putin bisher einigermaßen erfolgreich darin, "sein Propaganda-Narrativ" zum Ukraine-Krieg über die russischen Staatsmedien zu "verkaufen", sagte Wolkow. Die russischen Eliten seien aber bereits "sehr unglücklich über die wirtschaftliche Verwüstung, die Opfer, die Restriktionen und Sanktionen". Er rechne damit, dass "sie über einen Regimewechsel, über einen Wechsel des Systems nachdenken werden".

    Wolkow appellierte an die internationale Gemeinschaft, in Kontakt zum "inneren Zirkel Putins" zu treten, "um ihnen einige Sicherheitsgarantien vorzuschlagen für den Fall, dass sie entscheiden, die Seiten zu wechseln".

    Der IT-Experte Wolkow ist einer der wichtigsten Vertrauten des prominenten Kreml-Kritikers Nawalny, der seit Anfang des vergangenen Jahres in einem Straflager östlich von Moskau inhaftiert ist. Auf Nawalny war im August 2020 in Russland ein Giftanschlag verübt worden, für den er Putin verantwortlich macht. Der Kreml weist den Vorwurf zurück.

    https://web.de/magazine/polit…fangen-36757878