Micra does Odessa

  • Hier ein kleiner Reisebericht von meinen Ukraine-Urlaub vom 14.05. - 28.05.11:

    Im Laufe der nächsten Tage werde ich, wie es die Zeit erlaubt, den Reisebericht vervollständigen.

    Start: 14.05.11 ca. 9 Uhr in Braunschweig
    Eingeplant hatten wir ca. 20-24 Stunden von Braunschweig nach Lviv, abhängig wie lange es an der Grenze dauern würde. Unsere Erfahrungen aus Ungarn, bei dem wir in der Slowakei über die Dörfer gefahren sind, hatten uns zu dieser Schätzung veranlasst. Nach dem Schock kurz nach der deutschen Grenze, mussten wir feststellen, dass die polnischen Autobahnen erstklassig ausgebaut sind und teilweise besser als bei uns sind. Lediglich die letzte Strecke führte über die Dörfer mit reichlich Geschwindigkeitsbegrenzungen, 50 und 70. Lästig.
    An der Grenze (Krakovets) dauerte es ein wenig mit russischen Grundkenntnissen, bis man sich zurecht gefunden hatte mit den Schaltern, aber nach 1,5 Std. standen wir dann bereits um 0Uhr (deutsche Zeit) in der Ukraine.
    Die Strecke von der Grenze nach Lviv war wegen des Straßenzustandes ein kleiner Kulturschock und danke an Mbert für die Warnung vor den bösen Bodenschwellen in dem einen Dörfchen!
    Aber schaut selber:

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    (Raubritter bei 3:31, rechte Seite)

    In Lviv angekommen, sind wir gleich einem Raubritter ins Netz gegangen. Die Innenstadt war abgesperrt, ausgeschildert mit dem Durchfahrt verboten Schild und einem ominösen Stern drunter. Da andere da reinfuhren, es schon spät war, zum Hostel es nur noch paar hundert Meter waren - rein da - und da standen sie schon. 50 EUR wollten die haben, ließen sich dann auf 20 ein :dash: . Darauf habe ich es bereut, aber manchmal muss man seine Fehler erst machen, bevor man drauß lernt. Aber wie sich rausstellte, würden wir noch reichlich Gelegenheit bekommen zu üben!

    Persönlich kann ich das Retro Hostel (http://www.hostelworld.com/hosteldetails.…enko/Lviv/20197) für die studentische Geldbörse empfehlen; sehr freundlich und hilfsbereit! Die Dusche war im Zimmer zwar ein wenig klein, aber ansonsten sind wir sehr zufrieden mit Preis/Leistung gewesen!
    Am nächsten Abend mit ein paar anderen aus Donetsk ein paar Flaschen Vodka geleert (mit einer Flasche Vodka macht man sich sehr schnell neue Freunde :D)
    Darauf einen typischen Touristentag:






    Lviv wäre eine richtig schöne Stadt, wenn mehr von den alten Bauten in einem schönen Zustand wären. Historisch steckt da ein riesiges Potential! Die Straßen der Innenstadt waren gewöhnungsbedürftig - viel zu viel löchriger Kopfsteinpflaster für ein kleines Auto und manchmal recht komplizierte Verkehrsführung mit den Baustellen und Einbahnstraßen!

    Am 18.05.11 ging es dann endlich in Richtung unseres eigentlichen Ziels: Odessa!
    Am Vorabend noch mal kurz das Navi konsultiert: Jupp, 100% über Ukraine, kein Transnitien mit dem Auto.
    ...um 18 Uhr nächsten Tag standen wir vor der moldawischen Grenze - es ist schon spät und wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
    Die Abwicklung ging recht schnell, ca. 30 min trotz Verständigungsproblemeto und "Umweltgebühr" i.H.v. 2-3 EUR. Zuerst fällt auf, dass kaum Autos unterwegs waren und der wild mit dem Stock wedelnde ältere Herr am Straßenrand wohl, wie so viele andere dort, auf eine Mitfahrgelegenheit hoffte (und sich nicht über unsere Geschwindigkeit beschwerte, wie wir zuerst vermuteten). Eine wahre Zeitreise - einer pflügte das Feld noch per Hand! Aber erstaunlicherweise waren die Straßen im Schnitt in einem deutlich besseren Zustand als in der Ukraine. Die Anzahl richtig großer Schlaglöcher hätte man auf einer Hand abzählen können. Nur an der Tankstelle gab es ein kleines Hick-Hack, Kreditkarte wollte nicht, aber unsere Euros hat man dann doch gerne genommen. Die Fahrt ging so weit recht gut und flutschig, bis wir nach Transnitien kamen.
    Flwkibtrojs

    Der erste Stützpunkt, ich dacht schon das wars, hatte schon mind. 30min in Anspruch genommen. Personalien in den Rechner gegeben und Fahrzeugpapiere überprüft. Dann zum nächsten auf einer Schotterpiste. Da standen sie schon mit automatischen Waffen und Panzern im Hintergrund, Fotos durfte man leider nicht machen :/. Von da wollten die uns zu einem anderen Stützpunkt schicken - zum Glück kam einer, dem wir hinterher fahren konnten. Kurzer Zwischenstützpunkt (wieder Personalien), dann zur, sagen wir mal, Hauptgrenze. Zwei Stationen sollten wir da absolvieren, Immigrationskarte und Auto verzollen. Wieder mit russischen Grundkenntnissen sich irgendwie durchgeschlagen. Einer meinte erst ca. 20 EUR Gebühr für die Durchfahrt - eindeutig zu viel und Abteilung kehrt! Beim Zwischenstützpunkt hatte einer uns noch mal gut zugeredet, die Alternativroute sei sehr holprig und das wären keine 20 EUR. Gut, nach 20min weich kochen standen wir dann beim Verzollen, was 8 EUR kostete und sicher noch mal 45min. Die da rumstanden dann noch mal gefragt, ob alles i.O. sei und wir jetzt fahren könnten - jupp, wir können nun durch.
    Es sei wohl bemerkt, dass das Navi hier nun völlig verloren war.
    Ein wenig dort nach Gefühl im Ort rumgeirrt - bis zur nächsten Kontrolle. Die Immigrationskarte fehlte :dash: . Schnell holen, sonst gibts Straf!
    Also, paar mal verfahren und schließlich zurück gefunden. Einer meinte nun die sei kostenpflichtig, ein anderer die sei kostenlos für eine bestimmt Route. Der die ausstellte, wollte nur halbsilbige Grummelgeräusche von sich geben. Das war mir dann zu viel: ohne Navi in nicht ausgeschilderten Orten mitten in der Nacht rumzuirren, bei der Gefahr bei jedem Posten zur Kasse gebeten zu werden - nun entgültig: Abteilung kehrt! ...wieder Personalien, am Panzerstützpunkt vorbei zum ersten wieder und wieder Personalien und: nöp, hier dürft ihr nicht wieder raus. Das sei Moldawien und ihr müsst bei uns eine Umweltgebühr bezahlen. Dass das nun mal hier nicht ginge, könne er auch nichts für. Da wollte man uns tatsächlich über kleine Dörfchen schicken. Dass wir von "nur" wieder in die Richtung wollten, aus der wir kamen war nicht von belang. Wenn ich nicht beim reinfahren eine bewaffnete Patrouille samt SUV gesehen hätten, wären wir wohl einfach losgefahren. Nach ca. 4 Std. hatten auch einfach die Schnauze voll und man bräuchte nur die Schranke zu umfahren. Der olle Lada (kein Niva) der davor Stand hätte uns nicht so schnell eingeholt (bevor die Micra-Lästerer wieder aus den Löchern gekrochen kommen: 75PS bei ca. 750kg Leergewicht und 180km/h gibt einem in Moldawien ab und zu das Gefühl König der Straße zu sein... bis ein dicker BMW kam). Der Gedanke eine Achse zu brechen oder im transitischen Gefängnis zu sitzen, schienen auch nicht so reizvoll. Also: argumentieren und hartnäckig bleiben. Der Vorgesetzte telefonierte auch schon ständig. Da war mir etwas aufgefallen: die russischen Soldaten haben die Fähigkeit richtig fein und wichtig in ihrer Uniform auszusehen. Aber wehe, man lasse sie 5min alleine, dann lümmeln die sich in den Sessel wie eine Kartoschki! Alles nur Show...
    Nach 30-45min ging es dann auf einmal, Papier ausgedruckt, 2 EUR in die Hand gedrückt bekommen und Tschüss!
    Mein Eindruck: die meisten von den Beamten waren sehr nett und freundlich, einer besonders hatte sich die größte Mühe gegeben uns den Weg durch die Dörfer zu erklären. Sie schienen aber stets durch ihren Vorgesetzten, bzw. die bürokratischen Vorgänge dahinter begrenzt zu sein. Bei einer Situation war ich einfach erstaunt: bei einem Stützpunkt hatte einer uns ins Handschuhfach geschaut und da hatten wir zwei 50 EUR Scheine liegen! Ich dachte nur: jetzt sind die weg! Er sieht die und schiebt nur dezent ein Papier wieder drüber. Es ist auch schade, für was für eine Stumpfe Arbeit diese Kerle und Mädels herangezogen werden. Es gibt so viele sinnvollere Aufgaben, als nur ein paar Formulare auszufüllen, zu kopieren, vom Vorgesetzten abzusegnen, abheften, usw.
    Ich kann nur schlussfolgern, dass mit einem westlichen Auto man schon recht spendabel für einen Transnitien-Trip sein muss und ein wenig Geduld mitbringen muss, morgens um drei Uhr nach einer langen Fahrt vor und hinter mir, hatte ich davon aber nicht mehr sehr viel. Für Autos/Bürger aus den ehem. Soviet-Staaten ist der Spaß kostenlos.
    Fortsetzung folgt....

  • durch PMR zu fahren, ohne verhaftet oder bestohlen zu werden. Und ohne vorher bei dem Konsulat von MD nachzufragen :)

    Sicherlich war die Strecke Lviv-Odessa über PMR/MD die kürzeste Verbindung, auch die interessanteste :-). Ansonsten wäre wohl Lviv-Uman-Odessa angesagt gewesen. Es gibt also noch weitere Männer.

    Bravo !