Posts by Wassermann3000

    Ich weiß nicht, ob es wirklich sinnvoll ist, die einzelnen Ereignisse jetzt aus der Ferne zu analysieren. Ob in der Ukraine Fehler von Soldaten tatsächlich ordnungsgemäß untersucht werden, kann ich nicht beurteilen, habe aber meine Zweifel. Nicht wegen der jetzigen Regierung, sondern wegen des Systems der letzten Jahrzehnte. Da müssen sich sicherlich noch viele Standards entwickeln. Unstrittig dürfte sein, daß es auf beiden Seiten Fehler und Straftaten gibt. 

    Ich möchte hier aber mal eine Lanze für die Soldaten brechen. Schlechte Ausbildung, miese Ausstattung, Hunger, kein Schlaf, Unwissenheit, wer morgen die Machthaber sind und nach welchem Recht man sich dann verantworten muß, unklare Informationslage, was im Moment wirklich abgeht und dann in Situationen die unmittelbare persönliche Angst ... Natürlich gibt es dann Ereignisse, die politisch gesehen eine Katastrophe sind.


    Bei uns würden Polizisten und Soldaten jahrelang psychlogisch gecheckt und gedrillt, bevor sie eine Gewehrkugel auch nur ansehen dürften. 

    Es ist so einfach, bequem vom fernen Schreibtisch den Moralapostel zu spielen. Die, die am lautesten hier schreien, würden vermutlich in der Situation als erstes wild drauf losballern.

    Noch was zur Armee. Was ich privat in den letzten mitbekommen habe, hat mich so entsetzt, dass es ein Wunder ist, dass alles so "harmlos" bleibt. Der technische Ausstattungsstand teilweise noch aus der Nachkriegszeit, tagelang keine Verpflegung, sich widersprechende, teilweise idiotische Befehle und gleichzeitig eine peinliche Bürokratie (so sollten sie zu ihrem Einsatzbefehl die Unterschrift des Bürgermeisters - hier aus Slawiansk - einholen, damit klar ist, dass sie auch da waren). Und die grosszügig gespendeten amerikanischen Fresspakete kamen auch nicht so doll an. Manche zogen es dann vor, lieber noch einen Tag zu hungern.

    Bei der PR-Arbeit scheint Einigkeit zu bestehe. Das Problem ist aber nicht, dass es nationalen überlassen wurde, sondern alle anderen sind genauso stümperhaft. Das mag jetzt westlich überheblich klingen, aber in der Hinsicht ist der gesamte Osten Entwicklungsland. Selbst was vom Kreml kommt, ist aus fachlicher Sicht peinich. Putin ruft da Geister, die ihm noch schwer zu schaffen machen werden. Mit ihn habe ich kein Mitleid, für die Ukraine ist es aber tragisch.

    Was Videos und angebliche Telefonmitschnitte betrifft, bin ich eher zurückhaltend, weil sie genauso viel sagen, wie sie nichts aussagen. Unbestritten ist, dass die Sicherheitskräfte weder geschult noch ausgestattet sind, um in einer solchen Situation richtig zu handeln. Das kannst Du weder dem Personal, noch der Regierung anlasten. Auch unsere Polizei brauchte Jahrzehnte, um auf den heutigen Stand zu kommen. Es ist beschissen, ja, aber es ist heute nicht zu ändern.

    Am liebsten wäre mir gewesen, wenn sofort nach Regierungsübernahme UN-Truppen - selbstverständlich unter Beteiligung Russlands - ins Land geholt worden wären und das gleiche bei der Polizei. Da hätten aber alle leider nicht mitgespielt.

    Für die marode ukrainische Armee nicht, da hast du natürlich recht.

    Nur die momentane politische Verantwortung liegt doch wohl in Kiew und nicht in Lichtenstein oder Mallorca?

    Wo liegt Deines Erachtens ein Fehler der amtierenden Regierung vor? Bisher gibt es meines Erachtens nicht einen nennenswerten Punkt, der kritikwürdig ist. Gemessen daran, daß sie von Anfang an von der Ereignissen getrieben wurde, hat sie sich respektabel absolut verhalten. Daß sie mittels staatlich legitimierter Gewalt den permanenten Gesetzesverstößen entgegentreten mußte, ist sicher unstreitig.In keinem Land, vor allem nicht in Rußland, würde die Besetzung von Rathäusern und Polizeizentralen länger als ein Tag hingenommen. Das Schlimme ist, daß diese Gesetzeslosigkeit ja auch woanders um sich greift und zunehmende Kriminalität beklagt wurde. Die Regierung hat sich da bisher absolut maßvoll verhalten.

    Das einzige, was mich an der Regierung ärgert, ist die absolut unterentwickelte Öffentlichkeitsarbeit. Da dies aber bei allen Kontrahenten der Fall ist, schreibe ich es einfach der mangelnden demokratischen Praxis zu. Mehr noch als Söldner könnten sie in der Tat eine gute PR-Abteilung gebrauchen. Denn normalerweise ist Putins Propaganda derart flach, dass man sich bessere Steilvorlagen manchmal gar nicht wünschen bräuchte.

    Geschickter wäre es sicher gewesen, eine Politik der runden Tische zu machen. Nur wann hatte sie dazu jemals die Gelegenheit???

    Da sieht es natürlich etwas anders aus. Wie wäre es mit WizzAir ab Dortmund (oder Lübeck), ICE wäre doch erträglich. Einziger Nachteil, Du musst in Kiev zum anderen Flughafen.

    Oft ab DO ca. 12.00, in Dnep Ankunft um 20.30

    Rüdiger

    gesendet via Taptalk

    Aktuell früh morgens ab Ffm und später Mittag in Dnep. Ansonsten am besten über Kiev. Da gehen morgens, mittags und abends Flüge nach Dnep. und nach Kiev gibt es ausreichend, auch preiswerte, Flüge.

    Ab wo in D. mußt Du denn fliegen? Da ich Bahncard nutze, switche ich da häufig zwischen den verschieden Startflughäfen hin und her.

    Die Meldung mit den Söldnern ist offensichtlich nur eine Propaganda-Meldung. Unabhängig davon fände ich es nicht schlecht, wenn es kurz, schnell und professionell durchgeführt würde. Der politische Schaden ist in jedem Fall da. Ebenso gibt es aber einen erheblichen Schaden durch die ätzend quälend langatmigen Maßnahmen der offiziellen Regierungstruppen. Nicht minder ist aber der politische Schaden, alles gewähren zu lassen. Das ist geradezu eine Einladung für die Besetzung der nächsten Oblaste.


    Die Gewaltbereitschaft ist auf beiden Seiten da, ebenso entsprechend stümperhaftes Vorgehen. Gut ausgebildete und ausgestattete Truppen müßten damit fertig werden. Wie gesagt, wenn, dann nur kurz und effektiv. Was ich in den letzten Tagen privat über die Ausstattung der ukrainischen Truppen erfahren habe, ebenso zur Führung, Ausstattung und damit Motivation, ist erschreckend. Das kann nur in einem Desaster enden. Die Verantwortung ist dafür zweifellos nicht bei der aktuellen Regierung zu suchen, sie aber muß es nun ausbaden.

    Nach Dnepropetrovsk im Moment am besten mit Türkish Airline über Istanbul (um die 450 Hin- und zurück) oder mit beliebigem billigem Flug nach Kiev und dann mit UAI (ab 250 Hin- und zurück)

    Das sehe ich anders. In der Regel bin ich absolut für Gespräche und Verhandlungen. Es gibt aber leider immer Situationen, in denen das nichts bringt, weil die andere Seite Demokratie- und verhandlungsunfähig ist. Da helfen eben nur Abwehrmaßnahmen, notfalls auch militärische. Ein schneller präziser Schnitt ist allemal besser, als eine zähe langwierige und mühsame Aktion. Über die Leistungsfähigkeit der ukrainischen Armee schreibe ich besser nichts. Insoweit sind mir Söldner nicht unlieb. In der Regel sind es Profis, es ist ihr Job und mit welchem Land soll es bei Söldnern einen Weltkrieg geben? Hätte man sie gleich die ersten Tage auf der Krim eingesetzt, hätte man viel Geld und Leid gespart.

    Die Reaktion Moskaus belegt mal wieder, daß es nur um Macht und Einfluß geht. Während Rußland im Fall Ukraine noch wirtschaftliche Nachteile vorgab (das könnte man ja noch verstehen, niemand will die Zeche für einen anderen bezahlen), kann es einem Land normalerweise ja herzlich egal sein, wohin die Bürger eines anderen Landes reisen wollen und dürfen.

    Wirklich gut differenziert und nachweisbar belegt dargestellt. Danke.

    Ich kanns ja verstehen, aber das ist leider keine Lösung. Am Ende befänden sich alle Länder Europas im Krieg und es werden noch ganz andere Minderheiten überall verfolgt. Das wäre ein Flächenbrand. Man sollte sich nicht auf das Niveau von Putin begeben. Es wird noch einige Opfer geben, ja. Aber dennoch wollen wir doch alle, daß aus den wenigen Opfern nicht irgendwann massenhaft Opfer auf allen Seiten wollen.

    Du raffst es immer noch nicht oder?

    Man haette die Leute im Donbass einfach mal ein paar Monate Separatisten spielen lassen muessen. Auf der Krim war das aufgrund der Russen in Sewastopol nicht moeglich. Im Donbass schon.

    Es gab kaum "gruene Maennchen" im Donbass. Das waren andere "Kaempfer". Man haette die Grenze dicht machen koennen und sie einfach machen lassen sollen.

    Nein, lieber fasehrt das Militaer vor. Nachdem die Leute eh schon Angst vor der Regierung in Kiew haben kommt diese jetzt auch noch mit dem Militaer. Es fallen Schuesse, die Leute muessen sich schnell entscheiden. Was habe ich bezueglich schneller Entscheidungen vor zwei Monaten gesagt?

    Du verstehst es einfach nicht und wirst es sicher auch nie verstehen. Wenn die Regierung in Kiew so weitermacht wie bisher ist der Donbass verloren. Und dann kannst du gerne die Einzelheiten zu Buergermeistern verschiedener Orte postem......du wirst es nie raffen.

    Was meinst Du, Rene, geht es nicht auch mal etwas weniger konfrontativ. Von der Kernaussage ist es gar nicht so ganz unvernünftig, nur leider etwas sehr vereinfachend dargestellt.

    Ich hätte es auch geschickter gefunden, wenn die Regierung früher defensiv aktiv geworden wäre, also weitere Besetzungen zu verhindern und die entsprechenden Orte (am Anfang wären es nur die Rathäuser etc.) einfach abriegeln sollen. Der Haken daran ist nur, daß die ganze Organisation samt Befehlskette offensichtlich auch etwas holprig ist. Die Gefahr besteht natürlich auch, daß das die Separatisten ermutigt hätte, entsprechend weiter zu machen, so daß immer mehr Ortschaften besetzt worden wären. Ein weiteres Problem ist, daß ja auch in krimineller Art und Weise versucht wird, Waffen zu beschaffen. Immerhin gab es schon mehrere Angriffe auf Armeestützpunkte. Ebenfalls darfst Du nicht übersehen, daß es in der Bevölkerung einen nicht verschwindenden Teil gibt, der sich fragte, warum die Regierung das alles zuläßt. Darüber hinaus wurden in den besetzten Ortschaften Verbrechen verübt, indem Andersdenkende verfolgt, verschleppt, gefoltert und getötet wurden. Und spätestens da ist der Staat verpflichtet, einzugreifen. Denn darauf hat jeder Bürger einen Anspruch, von seinem Staat geschützt zu werden.

    Unabhängig davon. Es besteht nicht nur das Mißtrauen, sondern am Beispiel Krim auch in der Realität belegt, daß das Risiko besteht, daß ein fragwürdiges Referendum gemacht wird und Rußland völlig völkerrechtswidrig diesen Landesteil in sein Reich aufnimmt.

    Die Regierung hat sehr lange gezögert und auch jetzt sehr zurückhaltend agiert. Es sind wirklich sehr maßvolle und nur schwerpunktmäßige Aktionen gewesen. Ein vollflächiges Zurückschlagen hätte nun wirklich anders ausgesehen. Das gab es in der Geschichte bisher äußerst selten.

    Sicher wäre es besser gewesen, wenn die Regierung mehr den Bürgerdialog gesucht hätte. Nur frage ich Dich, wann hätte sie es tun sollen? Die Ereignisse überrollen sich ja förmlich.

    Ob nun Rußland Spezialkräfte geschickt oder Waffen zur Verfügung gestellt hat, ist eigentlich zweitrangig. Alleine die Propaganda aus Rußland seit Bildung der neuen Regierung sorgte für eine derartige gereizte Situation. Putins Schergen haben in sehr geschickter Weise die Stimmung angeheizt und mit den nachvollziehbaren Sorgen russischsprachiger Ukrainer ein äußerst gefährliches Spiel getrieben.

    toto, mir geht auch einiges auf den Senkel. Zum Beispiel das ich schon vor zwei Monaten vor einem Buergerkrieg gewarnt habe. Damals wurde das ganze belaechelt. Und heute wollt ihr mir "sinnvolles" abverlangen? Gehts noch?

    Gesteht euch doch einfach mal ein das ihr wieder einmal falsch gelegen habt, zwei Mal........

    Ich erlebe Dich aber nur jetzt und mein Eindruck orientiert sich nur an dem, wie Du heute versuchst, zu argumentieren. Natürlich verstehe ich, wenn es dich gekränkt hat, daß man damals scheinbar nicht auf dich gehört hat und Du Recht hattest.

    Bei der Warnung bin ich aber ganz bei dir, das Risiko von Konflikten in diese Richtung habe ich auch befürchtet. allerdings hätte ich niemals gedacht, daß Putin mittlerweile derart radikalnationalistisch und imperalistisch seinen Traum von der Wiedergebut einer erstarkten großen SU verfolgen würde. Respekt, wenn Du Putins wahres Gesicht schon vorher so genau analysiert hast.

    Soweit ich weiss waren keine Vertreter der Republik Donezk in Genf. Insofern koennen Russland und die Ukraine unterschreiben was sie wollen, das wird die Leute in Donezk herzlich wenig interessieren, Aber dafuer hast du sicher auch wieder eine Antwort. 8)

    Respekt, Du springst wirklich virtuos von dem einen Argument auf das nächste. Eben war es noch der Maidan, jetzt die nicht beteiligten illegalen Besetzer.

    Du hast Dich beschwert, daß die illegalen Besetzer in Genf nicht beteiligt wurden; mich haben sie empörenderweise auch nicht befragt. Lies Dir die Verträge zur OSCE durch, dann weißt Du, wer wann wie beteiligt wird und wie die Beobachter eingesetzt werden.

    Davon ab, wenn die illegalen Besetzer beteiligt werden sollten, dann wäre es mindestens auch nötig, die in Angst lebende Bevölkerung der Region mit einzubeziehen, denn die sind von den illegalen Besetzern ebenfalls nicht gefragt worden.

    Wo waren denn die OSZE Beobachter als die friedlichen Demonstranten in Kiew Amok gelaufen sind? Wo waren sie als die friedlichen Demonstranten in Kiew Handfeuerwaffen und Gewehre gegen die Berkut einsetzten? Kommt OSZE nur zum Einsatz wenn es gegen Russland geht oder tun sie ab und zu auch wirklich ihren Job?

    Mich nervt diese permanente Dummdreistigkeit. Wenn Du Putins Imperialismus gut findest, dann argumentiere wenigstens mit vernünftigen Angaben.

    Die OSCE-Beobachter fahren nicht nach belieben spazieren, sondern werden beauftragt, wenn es irgendwo gefährlich eskaliert. Ihr Auftrag erfolgte in Genf im einvernehmen mit Rußland. Zeitreisen beherrscht die OSCE noch nicht, und alleine deswegen konnten sie nicht auf dem Maidan gewesen sein, um die Polizeistaatmethoden von Berkut und Ex-J. zu dokumentieren.