Rechte in der RADA

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    • Rechte in der RADA

      Wieder mal ein Buch eines '"Experten", diesmal Helmut Wagner ( ....aber Herr Frank Schumann "Die Gauklerin" hat mitgearbeitet :rotfl: )

      Rechte in der RADA -
      "Swoboda", Nationalismus und Kollaboration mit den Faschisten in der Ukraine und in Europa!

      Edition Ost, Verlag am Park (ISBN 978-3-89793-301-9)


      Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mir, in meiner zugegebenermassen Naivität dachte, es könnte einem ehemaligen MfS-Offizier doch auch möglich sein ein objektives, und vor allem sachliches Buch, über die OUN-UPA, die ukrainische Vergangenheit und den Folgen der Gegenwart zu schreiben. Naja, falsch gedacht!

      Schon beim lesen der ersten Seiten dieses „Werkes“ wurde mir klar das es Menschen gibt welche immer noch im „kalten Krieg“ ideologisch festsitzen und „wissen wo
      der Feind sitzt“. In diesem Falle die Juschtschenko-Timoschenko Administration. Selbstverständlich wird auch nicht mit Kritik am europäischen „Westen“, sowie an der Westukraine gespart. Also wieder ein Werk mit erhobenen Zeigefinger Richtung Europa und Ukraine welches ganz im Sinne der früheren und heutigen Kreml-Geschichtsschreibung steht.

      Aber, um beim Buchtitel zu bleiben:

      Nun, tatsächlich ist es so daß die Rechten in der RADA, also BO „Svoboda“ bei den Parlamentswahlen 2012 mit 10,45% Wählerstimmen 37 Plätze im ukrainischen Parlament erhielt. Bei den Parlamentswahlen 2007, während der Präsidentschaft Juschtschenkos also, erhielt Svoboda nur 0,76%. Dies verschweigt der Autor, sei es vorsätzlich oder aus Unwissenheit, ebenso wie die Tatsache das die aktuelle Regierung Janukowitsch mit der Partei der Regionen die Gestaltung der Wahlzettel so änderten, daß die Option „proty wsich“ (Gegen alle) wegfiel, sowie die Rückkehr zu einem gemischten Wahlsystem! Dies führte zu einem verhältnismässigen Erfolg von Svoboda, aber auch einem verhältnismässig hohen Stimmenzuwachs der Kommunisten, der KPU mit 13,18%. Anstatt diese nicht unwichtigen Details zum näheren Verständnis dem Leser näherzubringen, wird zwanghaft versucht die Verantwortung bei den Europäern sowie in erster Linie Viktor Juschtschenko und Julia
      Timoschenko für den vermeintlichen Aufstieg Svobodas zu suchen.
      Dann folgt ein Ausflug in die Zwischenkriegszeit der Ukraine, den Anfängen der OUN und welche Länder und Gruppierungen in Ost- und Westeuropa sonst noch mit den deutschen Naziregime kollaborierte. Teilweise sehr detailliert wird unter anderem auch beschrieben wie die polnische AK ( Armia Krajowa, polnische Heimatarmee ) mit Nazideutschland zusammenarbeitete, was den Autor zu dem Schluß kommen läßt das man eine Glorifizierung eben wegen dieser Kollaboration mit Nazideutschand bei kritischer Betrachtung besser unterbleiben lassen sollte. An dieser Stelle habe ich mich dann schon gefragt warum es der Autor unterlässt, bei immerhin etwa 50% des Buches zu diesem Thema, auch die sowjetische Kollaboration mit Nazideutschland bis 1941 auch so detailgetreu wiederzugeben.

      Im 13. Kapitel geht Helmut Wagner wieder näher auf die OUN-UPA ein, wobei hier der Großteil aus dem Buch „Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben“ von Franziska Bruder stammt ( In der Tat hat Franziska Bruder ein m.E. sehr gutes deutschsprachiges Werk zum ukrainischen Nationalismus mit Schwerpunkt OUN-B geschaffen. ). Unglücklicherweise wird das Buch von Franziska Bruder auch noch teilweise falsch zitiert und mit Zitaten aus „Der letzte Winter - Erinnerungen“ des NKWD Offiziers Alexej Fjodorow sowie eigenen „Erkenntnissen“ von Helmut Wagner ergänzt, wobei der Autor nicht mit Kraftausdrücken wie „Bandera-Banditen, Henkersknechte, unselige Mörderbande usw. geizt. Meiner Meinung sollte ein seriöses Sachbuch frei von Ideologie berichten, sachlich informieren und es ausschliesslich dem Leser überlassen zu welcher Bewertung er kommt. Ganz ohne unterschwellige Manipulation seitens des Autors!

      Nachdem man sich durch das Buch durchgequält hat wird zum Ende nochmal explizit darauf hingewiesen das die Juschtschenko-Timoschenko Administration für die heutige rechte-ideologie in der Ukraine verantwortlich ist, dies wird untermalt mit einigen Bildern junger „nationalistischer“ Ukrainerinnen mit Tryzub und Swastika. So spielt es dann auch keine Rolle mehr das der Autor Helmut Wagner die Farben der heutigen Ukraine „blau auf gelb“ mit den Farben der OUN „rot auf schwarz“ auf einem Bild verwechselt. Einem Kenner des ukrainischen Nationalismus sollte so ein Faux pas nicht passieren.

      Fazit: Das Buch welches durchaus mit Fakten zum europäischen Nationalismus „gestern und heute“ aufwartet wird vor allem seine Anhänger in den Reihen der Sowjetromantiker finden. Schwarz-weiß malerei vom Feinsten! In seiner Wortwahl die OUN-UPA zu dämonisieren stellt sich der Autor m.E. auf die selbe Stufe der Rechtspopulisten welche die OUN-UPA glorifizieren. Objektive Historiographie sieht anders aus.


      Somit kann ich das Buch nicht empfehlen :thumbdown: :thumbdown: :thumbdown:

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    • Schon beim lesen der ersten Seiten dieses „Werkes“ wurde mir klar das es Menschen gibt welche immer noch im „kalten Krieg“ ideologisch festsitzen und „wissen wo
      der Feind sitzt“. In diesem Falle die Juschtschenko-Timoschenko Administration. Selbstverständlich wird auch nicht mit Kritik am europäischen „Westen“, sowie an der Westukraine gespart. Also wieder ein Werk mit erhobenen Zeigefinger Richtung Europa und Ukraine welches ganz im Sinne der früheren und heutigen Kreml-Geschichtsschreibung steht.


      Wieso kommt mir das so bekannt vor?? :phat: