Busse reisen wieder in die Ukraine

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    • Busse reisen wieder in die Ukraine

      „Sie fährt zurück zu ihrem Held von Butscha“: Flixbusreisen nach Kiew ausgebucht


      Erstmals seit Kriegsbeginn fahren aus Berlin wieder Flixbusse in die Ukraine. Tag für Tag starten sie fast alle sind ausgebucht, meist von jungen Frauen. Sie besuchen ihre Männer, die ihr Leben einsetzen, um den Überfall von Putins Armee abzuwehren. Zwei von ihnen haben FOCUS Online direkt vor der Abfahrt ihre dramatischen Geschichten erzählt.

      Die graue Wollmütze über ihre strohblonden Haare bis kurz über die eisblauen Augen gezogen, steht Lena an diesem trüben Aprilnachmittag allein auf der Plattform 32 am Zentralen Omnibus-Bahnhof Berlin (ZOB). Der Funkturm gegenüber kratzt an dunklen Wolken, kleine Tropfen nieseln auf sie und ihren kleinen, roten Koffer. Der Bus, in den sie steigen will, ist noch nicht da. Er kommt erst in zwei Stunden, kurz vor der Abfahrt.

      Auch am 4. März, als sie den Koffer für die Reise nach Deutschland packt, nieselt es immer wieder, Schneeflocken gesellen sich dazu. Dazwischen im Dunkel der Nacht: Geschosse russischer Soldaten, die nicht weit von Lenas Haus entfernt das Atomkraftwerk von Saporischschja in Brand setzen. „Irgendwann stand ich im Pyjama draußen vor der Tür. Ich bin sofort wieder rein ins Haus, habe schnell ein paar Sachen zusammengekramt. Und bin dann mit meiner Tochter und Mutter aus Saporischschja geflohen nach Deutschland“, erzählt Lena.

      Hunderte fahren täglich mit Bussen aus Berlin in die umkämpfte Ukraine zurück


      Seit der russische Präsident Wladimir Putin vor einer Woche im Donbass eine Großoffensive startete, kommen wieder deutlich mehr Flüchtlinge aus der Ukraine am ZOB an, berichtet eine Helferin vom Welcome-Center für die Flüchtlinge, das aus mehreren Zelten besteht und am Rand des ZOB liegt.

      Doch Lena fährt gegen den Strom. In die Richtung, aus der die anderen fliehen. Richtung Krieg. Sie zählt zu den Hunderten, die inzwischen wieder Flixbusse besteigen und meist über Warschau in bis zu 27 Stunden nach Kiew fahren. Jeden Tag starten seit kurz nach Ostern wieder mehrere Busse aus der Bundeshauptstadt, dem Drehkreuz in Deutschland für ukrainische Flüchtlinge. Und zwar mehrfach am Tag vom ZOB, dem Südkreuz und dem Flughafen. Fast alle Fahrten sind komplett ausgebucht.

      Lenas Mann darf nicht aus der Ukraine ausreisen


      Lena kam zwei Tage später nach ihrer Flucht am 6. März in Berlin, seit dem 23. März wohnt sie mit Tochter und Mutter in Leipzig. „Und Anfang April wurden wir alle registriert. Das war ein magischer Moment“, schwärmt die 41-Jährige. Denn von jenem Augenblick an musste sie sich keine Sorgen mehr machen um staatliche Leistungen, die sie als offizielle Flüchtlinge nun in Deutschland bekommen.

      Doch ihr war klar, dass sie – so bald es möglich sein würde – wieder zurück zu ihrem Mann nach Saporischschja fahren würde. „Aus gesundheitlichen Gründen muss er nicht an die Front. Aber er darf dennoch das Land nicht verlassen“, berichtet sie. „Und er ist dort allein mit meiner Großmutter, die 85 Jahre alt ist und die er pflegt.“

      Die junge Ukrainerin hat viele Freunde im Krieg verloren
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