Welche Unterstützung bekommen ukrainische Flüchtlinge in D ?

  • Die Diskussion um die Hilfen ist entbrannt. Doch von welchen Gegenwerten reden wir überhaupt ?

    Die wichtigsten Hilfsleistungen im Überblick:

    1. Grundsicherung - 2 Beispiele für den Regelbedarf:

    • für alleinstehende Erwachsene augenblicklich 563 Euro mtl.
    • Kinder ab Beginn des 7. Lebensjahres bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres (6 - 13 Jahre) augenblicklich 390 Euro mtl.
    • Der Regelbedarf umfasst insbesondere den Bedarf für Ernährung, Kleidung, Körperpflege, Hausrat, Haushaltsenergie - ohne die auf die Heizung und Warmwasser entfallenden Anteile - sowie persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens.

    2. Wohnraum - 2 Beispiele (man beachte die starke Bandbreite):

    • Stadt Essen: angemessene Kosten der Unterkunft: Eine Person 436,00 Euro mtl., bei zwei Personen 549,25 Euro / das wäre die maximale Bruttokaltmiete / hinzu kommen die Nebenkostenvorauszahlungen, die nicht unerheblich sind ! / aus eigener Erfahrung würde ich diese mit rund 150,- mtl veranschlagen wollen
    • Stadt München (Kaltmiete): eine Person mit einer Wohngröße bis 50 m²: 849 Euro, zwei Personen mit einer Wohngröße bis 65 m²: 1.092 Euro
    • selbstverständlich wollen Städte und Gemeinden von den hohen Unterbringungskosten herunter / deshalb bestehen auch viele Sammel- und Notunterkünfte weiterhin / bin aber selbst in einer Kleinstadt ansässig, und da werden ukr. Flüchtlinge möglichst in normalen Wohnungen oder sogar Einfamilienhäusern untergebracht

    3. Krankenversicherung

    • Beitragssatz von 14,6 Prozent wird normalerweise hälftig vom Arbeitnehmer und hälftig vom Arbeitgeber gezahlt
    • ein Arbeitnehmer mit 2422 Euro Bruttolohn würde bei Steuerklasse 1 folglich 176,81 Euro zahlen, mit Arbeitgeberanteil macht das 353,62 Euro mtl.

    4. Integrationskurse (auch möglich: weitere Sprachkurse, berufliche Eingliederung)

    • allgemeiner Integrationskurs mit 700 UE kostet, wenn er über das BAMF läuft, rund 1603 Euro, das verteilt sich dann gewöhnlich auf ca. 8 Monate = ca. 200 Euro mtl. / das liegt aber wegen flankierender sozialpädagischer Maßnahmen näher an 250,- mtl.

    diese Zahlen variieren individuell / ich versuche hier eine Annäherung an die realen Werte zu ermöglichen

    ++++++++++++++++++++++++

    Aufsummierung nach obigen Zahlenwerten für eine erwachsene Person, Stadt Essen

    Grundsicherung _563,-

    Kaltmiete ________436,-

    Nebenkosten ____150,-

    KV ________________353,62

    Integrationskurs __250,-

    =========================

    __________________1.752,62 Euro mtl.

    • dazu kommen diverse Leistungen (Übersetzer, Schulfördermaßnahmen etc.) durch Bildungsträger, Ämter und Behörden, die durch D getragen werden

    Edited 4 times, last by nobody (June 21, 2024 at 12:05 PM).

  • Tafeln verköstigen ukrainische Flüchtlinge

    Menschen mit geringem Einkommen können bei der Tafel in ihrer Nähe Lebensmittel erhalten. Die genaue Einkommensgrenze legt jede Tafel selbstständig fest.

    Wir können davon ausgehen, dass der überwiegende Teil / fast alle ukrainischen Flüchtlinge bei einer Tafel gemeldet sind und diese Möglichkeiten nutzen.

    (Was ist die Tafel ? Und welchen Umfang hat die Tafel ? ... siehe auch Lebensmittel-Uhr auf deren Webseite: https://www.tafel.de/)

  • Natürlich können die Ukrainer auch bei der Tafel einkaufen. Allerdings werden sie dort, so zumindestens in meiner Heimatstadt, als Kunden 2. oder 3. Klasse behandelt. Als erstes werden stets Bestandskunden ohne Migrationshintergrund bedient. Der Grund dafür ist einfach: Man hat festgestellt, dass sich zu viele der Kunden mit Migrationshintergrund arm gerechnet haben.

    Wenn ich mal ehrlich sein darf, kann ich die Diskussionen um die Unterstützungsleistungen für die Ukrainer durchaus verstehen. Wir hatten z. B. 2 Familien sehr intensiv, und 15 oder 20 Familien und Einzelpersonen "nebenbei" betreut. Wobei, dass sei mal angemerkt: Als unsere Flüchtlinge die 1. Schecks vom Sozialamt bekamen, fühlten sie sich wie Betrüger. Eine Frau mit 2 Kindern bekam mal eben so 1100 €. Und die Frauen hatten diese Leistungen natürlich mit ihrem Leben in der Ukraine verglichen, wo sie wie ein Pferd gearbeitet haben, um dann ein knappes Drittel der hiesigen, arbeitsbefreiten Leistungen als Einkommen zu haben. Haben unsere Frauen dann endlich eine Wohnung bekommen, gab es einen Scheck über bis zu 1600 €, um die Wohnung einzurichten. Die Wohnungen sind jedoch üblicherweise komplett mit kostenlosen Spenden eingerichtet worden. Das schließt auch Kühlschränke und Waschmaschinen mit ein. Und dabei waren die Frauen auch noch sehr erstaunt über die gute Qualität der gespendeten Möbel.

    Ich habe den Frauen die großzügigen Unterstützungen absolut gegönnt. Es ist auch einiges von dem Geld in die Ukraine transferiert worden, wo es dann, unter Umgehung der Korruption und Selbstbereicherung gewisser, ukrainischer Würdenträger, direkt dort ankam, wo es benötigt wurde. Trotzdem denke ich, dass man die Leistungen durchaus auf einem etwas niedrigerem Niveau etablieren könnte. Das einzig wirklich Sinnvolle an dem Status der ukrainischen Flüchtlinge ist die uneingeschränkte Arbeitserlaubnis. Diese haben mittlerweile viele der von uns betreuten Ukrainerinnen genutzt, um eine bezahlte Arbeit anzunehmen. Ein wenig hilfreich war dabei natürlich, dass wir denen klar gemacht haben: Wenn ihr in Deutschland bleiben wollt, müsst ihr schauen, dass ihr vom Radar unserer Sozialkassen verschwindet, indem ihr euer Einkommen selber verdient. So als Nebeneffekt sind die Frauen auch ganz froh, dass sie sich nicht mehr mit dem Jobcenter und dem Sozialamt und deren bisweilen völlig unverständlichen Bescheiden auseinandersetzen müssen. Nun müsste es nur noch möglich werden, dass die Flüchtlingen ihr Domizil in Deutschland überall wählen dürfen.

  • ... Ein wenig hilfreich war dabei natürlich, dass wir denen klar gemacht haben: Wenn ihr in Deutschland bleiben wollt, müsst ihr schauen, dass ihr vom Radar unserer Sozialkassen verschwindet, indem ihr euer Einkommen selber verdient. ...

    Genau richtig, denn diese Diskussion wird geführt:

    Migration

    CSU-Landesgruppenchef Dobrindt: Arbeitslose ukrainische Flüchtlinge in ihr Land zurückschicken

    Migration - CSU-Landesgruppenchef Dobrindt: Arbeitslose ukrainische Flüchtlinge in ihr Land zurückschicken
    Die CSU im Bundestag hat sich dafür ausgesprochen, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in ihre Heimat zurückzuschicken, wenn sie hierzulande keine Arbeit…
    www.deutschlandfunk.de
  • Neuaufbau einer Alterssicherung aus Sicht eines ukrainischen Flüchtlings

    Soweit mir bekannt ist, arbeiten Deutschland und die Ukraine noch an einem Sozialversicherungsabkommen. Das bedeutet allerdings, dass meinetwegen eine 30-jährige Frau aus der Ukraine, dort bereits zehn Jahre Rentenansprüche in der Ukraine erworben, keine Übertragung nach D erfährt. Die Ansprüche der 30-Jährigen hätten sowieso einen Gegenwert von sagen wir mal 30 Euro. (Durchschnittsrente Ukraine 5.300 Hrywnja macht ungefähr 123 Euro).

    Da mein Beispiel (30-Jährige Frau) mit allen Anlaufschwierigkeiten in eine Vollzeitbeschäftigung mit 32 Jahren kommt, verbleiben noch 35 mögliche Jahre mit Zahlungen in die Rentenversicherung. Anlaufphase möglichst kurz halten, Arbeitsphase möglichst lang !!! Kein Teilzeitarbeit, keine Minijobs !!! Das ist schon einmal eine gute Basis, um im Alter klarzukommen.

    • Zusatzinfo: "Während Sie Bürgergeld erhalten, führt das Jobcenter keine Beiträge an die Rentenversicherung für Sie ab. Auf diese Weise entsteht eine Lücke in Ihrer Rentenversicherung. Ihr Jobcenter übermittelt jedoch an die Rentenversicherung die Zeit, während der Sie Bürgergeld für erwerbsfähige Leistungsberechtigte bezogen haben. Anrechnungszeiten können sich positiv auf Ihre Rente auswirken, zum Beispiel für Wartezeiten für die Altersrente." https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arb…it-versicherung

    Zu einer Rentenzahlung sollten sich flankierende Maßnahmen gesellen. Erwerb von Wohneigentum und/oder Aufbau einer kapitalgedeckten Zusatzversorgung (beispielsweise ETF-Sparplan). Auch ich musste als Deutscher diesen Weg gehen. Das gelang auch in Jahren mit prekären Arbeitsverhältnissen; und da fällt Sparen nicht ganz leicht.

    Mit steigendem Lebensalter eines Flüchtlings wird der Aufbau einer Alterversorgung schwieriger. Ab 50+ wird der Gang in die Grundsicherung im Alter immer wahrscheinlicher - eine starke Belastung für unser Land in der Zukunft.

    Edited 9 times, last by nobody (June 23, 2024 at 12:01 PM).

  • Hm, wie ich heute erfahren habe, erhalten die ukrainischen Flüchtlinge keine Unterstützung mehr für eine Wohnungserstausstattung. Man hat eben festgestellt, dass es Ebay-Kleinanzeigen und Spenden gibt, wo es Möbel und andere Ausstattungen für wenig Geld bis kostenlos gibt. Dann muss eben nur noch der Transport organisiert werden, wofür es ja die inoffiziellen, ehrenamtlichen und kostenlosen Helfer gibt.:thankyou: Nicht verschwiegen sollte man, dass die ukrainischen Flüchtlinge nicht mehr so im Fokus der großzügigen Spender stehen wie es noch vor 1 oder 2 Jahren der Fall war.

    Der Neuaufbau der Altersvorsorge der ukrainischen Flüchtlinge ist in der Tat ein Problem. Sicherlich, wer eine Arbeit haben möchte, der bekommt sie definitiv auch. Aber, von den von uns betreuten Flüchtlingen hat nur eine Frau einen Job mit einem gut bezahlten Stundenlohn erhalten. Sie hatte schon in der Ukraine Deutsch studiert, und hat hier einen Job als Übersetzerin im Jobcenter bekommen. Allerdings ist das nur eine Teilzeitarbeit. Alle anderen arbeiten, wenn sie denn arbeiten, Vollzeit zum Mindestlohn. Minijobs hat keine von denen angenommen. Aufgrund der Regelungen im Zusammenhang mit dem Bürgergeld lohnt sich das auch nur für Jugendliche über 15 Jahre. Sind die Jugendlichen jünger, wird das Minijobeinkommen komplett vom Jobcenter einkassiert. Man will damit Kinderarbeit verhindern, was aus meiner Sicht grundsätzlich auch in Ordnung ist. Nur, insgesamt gesehen wird keine/r der Flüchtlinge eine auskömmliche Renten erarbeiten können. Dafür mangelt es sowohl an der Zeit als auch dem Einkommen. Bleibt also nur noch der Weg der privaten Vorsorge, welchen die Flüchtlingen jedoch aufgrund der Sprachbarriere und schlechten Erfahrungen aus der Heimat eher nicht in Erwägung ziehen. Ich selber wüßte auch ehrlich gesagt nicht, was ich den Flüchtlingen empfehlen sollte. Schließlich habe ich selber eigentlich nur schlechte Erfahrungen mit ETF's, Aktien- oder Immobilienfonds gemacht.

  • Nur, insgesamt gesehen wird keine/r der Flüchtlinge eine auskömmliche Renten erarbeiten können. Dafür mangelt es sowohl an der Zeit als auch dem Einkommen.

    Ganz im Gegenteil:

    Aldi zahlt brutto 14 bis 18 Euro die Stunde. 14 Euro x 173 Stunden macht 2422 Euro brutto.

    • Ich gehe von einer 40-Jährigen irgendwo in NRW ohne Kind aus. Ich selbst kann mir München oder Hamburg als Wohnsitz nicht leisten. Es gilt: nach der Decke strecken. Zweite Zahlen geben jeweils Jahreswerte an:
    • Brutto: 2.422,00 € 29.064,00 € Geldwerter Vorteil: 0,00 € 0,00 € Steuern Solidaritätszuschlag: 0,00 € 0,00 € Kirchensteuer: 0,00 € 0,00 € Lohnsteuer: 192,08 € 2.304,96 € Steuern: 192,08 € 2.304,96 € Sozialabgaben Rentenversicherung: 225,25 € 2.702,95 € (Arbeitgeber trägt die andere Hälfte dazu)
      Arbeitslosenversicherung: 31,49 € 377,83 € Krankenversicherung: 197,39 € 2.368,72 € Pflegeversicherung: 55,71 € 668,47 € Sozialabgaben: 509,83 € 6.117,97 € Netto: 1.720,09 €  20.641,07 €

    Von den 1720,09 Euro netto kann man sich selbst gut über Wasser halten. Das ist nur keine Arbeit mit Prestige, was die Ukrainerinnen möglichst wollen. Zudem kann ich gut und gerne davon im Jahr 6000 Euro an die Seite legen > macht in 20 Jahren 120.000 Eigengeld ohne Zinseffekte oder Wertsteigerungen !!! Gerade einmal mit 60. Und dann hätte meine 40-Jährige bis zum Schluss auch 27 Einzahlungsjahre in der Rentenkasse zurückgelegt. Sie sollte klarkommen.

    Was uns aber auffällt: Sie kümmern sich gar nicht um solche Themen. Eigenverantwortung (langfristig) wird klein geschrieben. Die ukr. Frauen richten ihren Fokus, wenn sie hier einen vielleicht sogar deutschen Partner gefunden haben, auf "Geschenke". Ein IPhone macht sie glücklich. Und es gibt besseren Sex für den Partner. Brutal formuliert ? Nein, ich schildere einen konkreten Fall.

    Edited 10 times, last by nobody (June 23, 2024 at 3:03 PM).

  • Was wir noch diskutieren sollten, das wäre der Aufenthaltsstatus. Bislang greift eine Massenzustromregelung auf EU-Ebene. Das wird aber nicht auf ewig so bleiben. Wer muss dann raus, wer darf bleiben ?

  • Was uns aber auffällt: Sie kümmern sich gar nicht um solche Themen. Eigenverantwortung (langfristig) wird klein geschrieben. Die ukr. Frauen richten ihren Fokus, wenn sie hier einen vielleicht sogar deutschen Partner gefunden haben, auf "Geschenke". Ein IPhone macht sie glücklich. Und es gibt besseren Sex für den Partner. Brutal formuliert ? Nein, ich schildere einen konkreten Fall.

    Das Thema "langfristige Finanzplanung" kennen die von zuhause her auch nicht. Erschwerend kommt hinzu, dass sie miterleben durften, wie die Eltern ihre über Jahre hinweg angesparten Vermögen aufgrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen in Zuge der Auflösung der UdSSR komplett verloren haben. Der Zugang zu den Konten wurde gesperrt, die Vermögen einfach geklaut, natürlich ohne das jemand zur Rechenschaft gezogen worden ist, und, nachdem es wieder Zugang zum Konto gab, wurde festgestellt, dass die verbliebenen Vermögen durch die grassierende Inflation komplett entwertet worden sind.

    Ja, und die von dir geschilderten Frauen habe wir hier ebenfalls kennenlernen dürfen. Sie ge- und verbrauchen die ehrenamtlichen Helfer, und nehmen gerne Geschenke jedweder Art an. Allerdings handelt es sich dabei ausdrücklich um die eher jüngeren Frauen. Die älteren legen schon Wert darauf, dass der Kontakt erhalten bleibt, beglücken einen hin und wieder mit einer kleinen Aufmerksamkeit, oder einfach nur Glückwünschen zum Jahres- oder Feiertag. Grundsätzlich haben wir für unsere Hilfsleistungen nie etwas erwartet. Aber wenn es dann hier und da doch mal sowas wie eine Wertschätzung gibt, dann freuen wir uns natürlich darüber.

  • Aufenthaltsstatus

    Ukrainische Flüchtlinge haben einen Aufenthaltstitel gemäß Aufenthaltsgesetz § 24 Aufenthaltsgewährung zum vorübergehenden Schutz.

    • "(1) Einem Ausländer, dem auf Grund eines Beschlusses des Rates der Europäischen Union gemäß der Richtlinie 2001/55/EG vorübergehender Schutz gewährt wird und der seine Bereitschaft erklärt hat, im Bundesgebiet aufgenommen zu werden, wird für die nach den Artikeln 4 und 6 der Richtlinie bemessene Dauer des vorübergehenden Schutzes eine Aufenthaltserlaubnis erteilt."

    Sollte der vorübergehende Schutzbedarf nicht mehr bestehen und/oder nicht mehr verlängert werden, so können andere Voraussetzungen dennoch den Verbleib in Deutschland sichern. Ich gebe drei Beispiele:

    • Heirat vollzogen mit einem / einer Deutschen - nach drei Jahren Niederlassungserlaubnis auch ohne ausreichende Einkünfte der zumeist wohl Ausländerin, weil Gehalt vom Ehepartner dominiert - flapsig ausgedrückt
    • Erwerb der Niederlassungserlaubnis nach bereits fünf Jahren in D und eigenem Einkommen, B1-Sprachzertifikat und weiteren Voraussetzungen
    • begonnene Ausbildung 3 Jahre plus 2 Jahre Arbeitserlaubnis (macht obige 5 Jahre)

    Wer also hier in Deutschland seine Zukunft sucht, der sollte also zügig daran arbeiten, dass z.B. die fünf Jahre bis zur Beantragung der Niederlassungserlaubnis (früher Daueraufenthaltstitel genannt) nicht zwischen den Händen zerrinnen. Dann ist es zu spät.

    Edited 5 times, last by nobody (June 26, 2024 at 2:57 PM).

  • Deutschland hilft nicht nur Flüchtlingen, selbst ukrainische Staatsbürger, die schon längere Zeit in Deutschland leben, erhalten Vorteile

    Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG)

    § 10

    (1) Ein Ausländer, der seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und handlungsfähig nach § 37 Absatz 1 Satz 1 oder gesetzlich vertreten ist, ist auf Antrag einzubürgern, wenn seine Identität und Staatsangehörigkeit geklärt sind und er

    ...

    4. seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgibt oder verliert,

    ...

    § 12

    (1) Von der Voraussetzung des § 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 wird abgesehen, wenn der Ausländer seine bisherige Staatsangehörigkeit nicht oder nur unter besonders schwierigen Bedingungen aufgeben kann. Das ist anzunehmen, wenn

    1. das Recht des ausländischen Staates das Ausscheiden aus dessen Staatsangehörigkeit nicht vorsieht,

    2. der ausländische Staat die Entlassung regelmäßig verweigert,

    ...

    Doppelte Staatsbürgerschaft möglich, denn für Ukrainerinnen und Ukrainer gilt bei Einbürgerung zur Zeit dies:

    "Ein Fall der faktischen Unmöglichkeit der Entlassung ist mithin auch gegeben, wenn aufgrund kriegsbedingter Einschränkungen die Durchführung von Entlassungs- und Registrierungsverfahren faktisch ausgesetzt ist. Da diese Beschränkungen bereits seit einem halben Jahr andauern und gegenwärtig aufgrund des anhaltenden Kriegsgeschehens nicht absehbar ist, dass Entlassungs- und Registrierungsverfahren in einem überschaubaren Zeitraum wieder durchgeführt werden können, werden die Voraussetzungen einer faktischen Unmöglichkeit der Entlassung als erfüllt angesehen, so dass gemäß § 12 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 StAG von der Aufgabe der ukrainischen Staatsangehörigkeit für die Einbürgerung abzusehen ist." https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/dow…icationFile&v=5

    • Meine nicht juristisch fundierte Einschätzung: Auf der deutschen Seite ist das also klar.
    • Auf ukrainischer Seite sieht es anders aus, denn da gilt weiterhin, dass man nur eine Staatsbürgerschaft haben darf. Wahrscheinlich wäre dort die deutsche ungültig, die ukrainische gültig. Von einer Starfverfolgung, so wird geredet, wird aber seitens der Ukraine abgesehen.

    Edited 7 times, last by nobody (June 26, 2024 at 3:46 PM).

  • Hm, wie ich heute erfahren habe, erhalten die ukrainischen Flüchtlinge keine Unterstützung mehr für eine Wohnungserstausstattung. Man hat eben festgestellt, dass es Ebay-Kleinanzeigen und Spenden gibt, wo es Möbel und andere Ausstattungen für wenig Geld bis kostenlos gibt.

    Ich muss mich hier korrigieren: Eine von uns betreute Ukrainerin hat Anfang des Monats ein Wohnung beziehen dürfen, und dazu sehr wohl eine Unterstützung für die Wohnungserstausstattung erhalten. Offenkundig werden diese Unterstützungen nach wie vor bewilligt.

  • Besagte Ukrainerin hat nun ihre Wohnung bezogen. Ich habe mich dabei sehr darüber gefreut, dass ihr so ausgiebig von anderen Geflüchteten geholfen worden ist. Gestern hatten wir sie besucht, und noch eine Mikrowelle vorbei gebracht. Dabei kam dann heraus, dass alle Helfershelfer sich ausgiebig von ihr bezahlen ließen. Die Küche in der Wohnung war komplett leer. Ergo mußte sie was kaufen. natürlich bediente sie sich auf dem Gebrauchtmarkt, und wurde auch prompt vom Verkäufer ziemlich über den Tresen gezogen. Für das, was sie da bezahlt hatte, hätte sie auch gerne eine neue Küche kaufen können. Tja, wie das nun mal so ist: Ihr ist es unangenehm, ständig auf unsere Hilfe angewiesen zu sein, und hatte daher eigentlich zu viel Eigeninitiative betrieben. Uns bringt es sogar Spaß, ihr zu helfen. Sie gehört eben zu den etwas dankbareren Flüchtlingen.

    Eine andere Flüchtlingsfrau ist meiner Frau gegenüber ziemlich pampig und patzig geworden. Natürlich hatte ich nicht verstanden, was sie wollte, aber der Wandel ihrer Tonlage sprach Bände. Sie will ihre Mutter aus der Ukraine holen, und hatte bei meiner Frau "angeklopft", ihr die notwendigen Infos zu besorgen. Wir hatten keine 5 Minuten dafür gebraucht, und kamen schnell dahinter, dass sie eigentlich wollte, dass wir uns darum kümmern. Davon ab hatte sie das ganze Prozedere letztes Jahr mit ihrer Schwester schon erfolgreich durchgespielt. Nur hat sie nun einen Freund und eine Arbeit, und keine Zeit mehr. Ist jedoch offenkundig der Meinung, dass wir, neben dem Arbeitsalltag, noch genügend Kapazitäten frei haben. Es hatte früher, als wir die Dame nebst ihren Kindern aufgenommen hatten, ebenfalls gereicht, sie komplett auszustatten, eine Wohnung zu besorgen, diese komplett einzurichten, alle Behördengänge zu begleiten und ermöglichen, und obendrein noch reichlich Deutschnachhilfe zu geben. Nur wollen wir, schon gar nicht für diese Dame, noch irgendwelche Urlaubstage opfern. Keine Frage: Die eine oder andere Flüchtlingsfrau hat es bir mir schon auf die Persona-non-Grate-Liste geschafft. Das ist aber nach wie vor eine große Minderheit.

  • Hallo,

    ich will anlässlich einer Meldung aus Bayern auf die Schulsituation ukrainischer Kinder und Jugendlicher eingehen. Hier wird durch zusätzliche Klassen ein Anschluss für alle Schularten versucht. Leider müssen aufgrund von Lehrermangel eine Vielzahl "sonstiger Hilfskräfte" eingesetzt werden. NRW hatte z.B. 2023 ein Zusatzprogramm laufen in Höhe von 49 Millionen Euro https://www.land.nrw/pressemitteilu…eter-kinder-und.

    Das deutsche Schulsystem ist mit seiner Dreigliedrigkeit und dem damit einhergehenden Leistungsanspruch sehr unterschiedlich zur Ukraine. Duale Ausbildung in Betrieb und Schule bringt in Deutschland Facharbeiter hervor, die das Rückgrat unserer Wirtschaft darstellen. Auch das gibt es in der Ukraine so nicht und gehört absolut als Info in die Integrationskurse für die Eltern.

    Öfter erzählten Mütter voller Stolz, dass ihr Kind auf das Gymnasium ginge. Förderunterricht kann bis 2 Jahre dauern. Achtung: "Sobald neu zugewanderte Schülerinnen und Schüler über hinreichende Deutschkenntnisse verfügen, um dem Unterricht zu folgen, werden sie unter Berücksichtigung des individuellen Lernstands, der individuellen Lernentwicklung sowie der zu erwartenden Leistungsfähigkeit einer Jahrgangsstufe des für sie passenden Bildungsgangs einer Schulform zugeordnet." https://bass.schul-welt.de/18431.htm Trotz miserablem Niveau der NRW-Schulen müssen ukr. Kinder immer damit rechnen, dass sie die geforderten Leistungen nicht erbringen können. Dann kommt es zu einem Schulwechsel mit geringerem Leistungsanspruch, und ein Studium rückt erst einmal in weite Ferne.

    Gruß nobody

    Kinder aus der Ukraine: Ende der Brückenklassen in Bayern

    Zwei Jahre lang wurden geflüchtete Kinder aus der Ukraine an Schulen in Bayern in speziellen Integrationsklassen unterrichtet. Damit ist jetzt Schluss. Künftig soll es schulartunabhängige Deutschklassen für Kinder aus Migrantenfamilien geben.

    Kinder aus der Ukraine: Ende der Brückenklassen in Bayern
    Zwei Jahre lang wurden geflüchtete Kinder aus der Ukraine an Schulen in Bayern in speziellen Integrationsklassen unterrichtet. Damit ist jetzt Schluss. Künftig…
    www.br.de


    Häufigkeit von Förderangeboten* für Migranten an deutschen Schulen nach Schulformen

    Förderangebote für Migranten an deutschen Schulen nach Schulformen | Statista
    Die Statistik zeigt die Häufigkeit von Förderangeboten* für Migranten an deutschen Schulen nach Schulformen.
    de.statista.com
    • Zusatzinfo von mir: Wir sehen, dass z.B. nur 24,3% der Realschulen Förderunterricht Deutsch anbieten. Und nur wenige Realschulen bieten einen Sprachkurs an. Es ist um so unabdingbarer, dass Eltern nicht dauernd mit ihren Kindern in der Herkunftssprache kommunizieren.
    • Wird die Herkunftssprache als überaus wichtig empfunden und im Elternhaus praktiziert, so müssen die Eltern klar auf eventuell dauernde Nachteile durch mangelnden Deutsch-Spracherwerb der Kinder hingewiesen werden.
    • Ja, ein Sprachlehrer, der darauf hinweist, macht sich nicht beliebt und verwickelt sich womöglich in eine endlos dumme Auseinandersetzung. Lebe ich allerdings dauerhaft in der Ukraine und mache keine Anstalten zwecks Spracherwerb, so werde ich dort nach ein oder zwei Jahren doch auch sozial und / oder beruflich geschnitten, oder ?

    Edited 5 times, last by nobody (July 7, 2024 at 9:45 AM).