RSS-Bot Huffington Post Vorgaben aus Moskau, Verschwörungstheorien und abgesprochene Fragen - das erlebte ich als Reporter bei "Sputnik"

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      Neu auf Huffington Post: Vorgaben aus Moskau, Verschwörungstheorien und abgesprochene Fragen - das erlebte ich als Reporter bei "Sputnik"

      Huffington Post schrieb:

      Nach ein paar Jahren in der "Freelancer Hölle", nicht zu wissen wann die nächste Gehaltszahlung kommt oder ob ich meine Ausgaben bezahlen kann, machte mich eine Anzeige bei einer Jobbörse für Journalisten neugierig. Eine Firma namens "Ria Global" suchte einen erfahrenen Reporter.

      Nach wenigen Minuten Googeln fand ich heraus, dass sich dahinter das Washingtoner Büro der staatlichen russischen News-Website "Sputnik" verbarg.

      Ich war neugierig. Also schickte ich einen Lebenslauf, machte einen Schreibtest und wurde am Ende zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

      Ich setzte mich in einen Konferenzraum. Mir gegenüber saß ein großer Mann mit russischem Akzent, der vermutlich nicht viel älter war wie ich. Er fragte:

      "Wie würden Sie sich fühlen, ausgehend von dem, was in den Nachrichten berichtet wird, für eine russische, staatlich geförderte Nachrichtenagentur zu arbeiten?"

      Ich antwortete, dass ich kein Problem damit hätte - solange ich die redaktionelle Unabhängigkeit - wie in jedem anderen Medienunternehmen - bekäme.

      Denn es gibt viele hervorragende, staatlich geförderte Nachrichtenorganisationen, wie die BBC, "Voice of America", "Agence France Press" und "Al Jazeera". Alle machen gute Arbeit.

      Mein Gesprächspartner erklärte, dass "Sputnik" nicht anders sei. Und und dass ich dort nichts anderes tun würde, als bei jeder anderen Nachrichtenorganisation auch.

      Zu meiner Überraschung bekam ich die Zusage



      Dann stellte er noch eine Frage:

      "Was würden Sie tun, wenn wir Sie sie bitten würden, etwas zu schreiben, was nicht wahr ist?"

      Einfach Antwort: Ich sagte ihm, dass ich kündigen würde. Ausgehend von dem, was andere über "Sputnik" erzählten, dachte ich an diesem Punkt, dass ich aus dem Rennen war.

      Aber zu meiner Überraschung bekam ich einige Wochen später die Zusage, dass ich "Sputniks" erster Vollzeit-Korrespondent im Weißen Haus sein werde.

      Vom ersten Tag an in "Sputniks" Newsroom waren die Dinge nicht immer so, wie sie schienen:

      ► So steht etwa im Styleguide von "Sputnik", dass jeder Artikel, der von einer eigenen Berichterstattung herrührt, unter dem Namen des Reporters veröffentlicht wird. Das ist im Grunde genommen alles - ausser wenn eine Pressemitteilung umgeschrieben wird. Ich bemerkte aber, dass mein Name aus allen eingereichten Artikeln gestrichen wurde. Als ich fragte, warum, wurde mir gesagt, dass dies bei "Sputnik" so gemacht werde - trotz dessen, was der Styleguide sagt.

      ► Wenn ich Artikel über die russische Annektion der Krim (oder die Reaktionen der USA oder der EU darauf) schrieb, wurden meine detaillierten Hintergrundberichte durch vorformulierte Textbausteine ersetzt. Beispielsweise, dass 90 Prozent der Krim-Bewohner in einem Referendum für die Rückkehr zu Russland stimmten. Die Panzer oder die bewaffneten Männer auf den Straßen, die die Abstimmung auf der Halbinsel begleiteten, schafften es in keinen Artikel auf der Website von "Sputnik".

      Bei einer Frage an Sean Spicer, dem Pressesprecher des Weißen Hauses, registrierte ich zum ersten Mal wirklich, dass die Dinge nicht ganz richtig liefen.

      Ich wollte wissen, ob US-Präsident Donald Trump seine Autorität und Mittel nutzen würde, um Verteidigungswaffen in die Ukraine zu schicken, um der dortigen Regierung zu helfen, Russland aus der Krim zu drängen.

      Ich erhielt die Fragen von meinem Chef



      Anschließend bekam ich eine E-Mail von meinem Chef. Er wies mich, alle künftigen Fragen im Weißen Haus vorab zu klären. Seine Begründung:

      "Damit wir alle den gleichen Informationsstand haben."

      Ich begann also, jeden Tag meine Frageliste zu schicke. Diese wurde dann abgelehnt. Stattdessen erhielt ich seine Fragen, die oft bizarr und fernab der Realität waren.

      Ein Beispiel: Nach dem Giftgasanschlag in Syrien im April saß ich während der täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus. Ich bekam eine E-Mail von meinem Chef, die mich auf einen Artikel auf der Website von "RT" hinwies.

      Darin ging es um einen amerikanischen Ex-College-Professor, der die Idee aufwarf, dass der Angriff inszeniert worden sei. Mein Chef befahl mir also, genau das bei der Pressekonferenz nachzufragen - während diese live im Fernsehen übertragen wurde.

      Während also Sean Spicer vorne stand, betete ich leise, dass er mich nicht aufrufen würde.

      Zum Glück überging er mich. Als ich anschließend wieder ins Büro zurückkam, erklärte ich meinem Chef, dass ich mich bei solchen schlecht belegbaren Erzählungen unwohl fühle.

      Anstatt eine dumme Frage in die Kamera zu stellen, mailte ich lieber dem Sprecher des Weißen Hauses



      Allerdings erhielt ich kurze Zeit später eine weitere E-Mail, die schilderte, dass die Terrormiliz Islamischer Staat eine altersschwache Senfgas-Granate in der Nähe der irakischen Armee-Basis außerhalb von Mosul gezündet hatte. Mehrere US-Militärberater waren dort gewesen.

      Mein Chef sagte, Moskau will, dass ich frage, warum dieser Chemiewaffenangriff die US-Regierung diesmal nicht dazu veranlasste, Raketen auf den Irak zu feuern - so wie es zuvor gegen Baschar Al-Assad in Syrien gemacht wurde, als dieser Sarin-Gas gegen seine eigenen Leute einsetzte.

      Ich reichte also meine Fragen ein. Meine Chefs lehnten sie ab und ich erhielt neue, noch sonderbarere zurück.

      Als Trump beispielsweise die Hilfsgelder für die Ukraine senken wollte, sollte ich fragen, ob die Einsparungen - die Teil größerer, umfassender Kürzungen der US-Regierung waren - wegen der nicht näher bezeichneten "Korruption" in der ukrainischen Regierung veranlasst wurden.

      Doch anstatt mich selbst zu demütigen, indem ich so eine dumme Frage in die Kamera stellte, mailte ich lieber dem Sprecher des Weißen Hauses. Ich war wenig überrascht, dass ich keine Antwort erhielt.

      Derweil musste ich kämpfen, meinen Namen über meine eigenen Artikel setzen zu können. Die seltsamen unvollständigen Hintergrundabsätze - die meine Chefs "die russische Perspektive" nannten - wurden aber nach wie vor in meine Artikel eingefügt.

      "Trumps Budget ist so grausam, dass sogar ein russisches Propaganda-Medium das Weiße Haus gerade rückt"



      Ich konnte aber auch einen Erfolge verbuchen: Während einer Pressekonferenz mit Trumps Etatdirektor Mick Mulvaney fragte ich: "Welchen Sinn macht der Vorschlag, Migranten-Familien mit nicht-registrierten Eltern von einer Steuer für den Nachwuchs auszuschließen, wenn diese Kinder US-Bürger sind?"

      Ein Kolumnist der "Washington Post" bemerkte den Austausch und identifizierte mich als "Sputnik"-Reporter. Später schrieb er: "Trumps Budget ist so grausam, dass sogar ein russisches Propaganda-Medium das Weiße Haus gerade rückt".

      Das hat meine Chefs nicht glücklich gemacht. Denn der Grund, warum sie die Verfasser der Artikel verschweigen, ist, dass so niemand für die Fehler, Lügen und Halbwahrheiten verantwortlich gemacht werden kann. Als ich dann als Sputnik-Reporter für das Weiße Haus identifiziert wurde, waren sie nicht glücklich .

      Mir ist nicht wohl, solche Fragen zu stellen



      Einige Tage später wurde ich zu einem Treffen mit meinem Chef und einem anderen Mann, den ich nie zuvor getroffen hatte, gerufen. Dieser wesentlich ältere Mann sprach ebenfalls mit einem russischen Akzent. Es stellte sich heraus, dass er der Chef des Washingtoner Sputnik-Büros war. Er sagte:

      "Wenn der Präsident zurück aus Europa ist, wollen wir, dass du nach dem Seth-Rich-Fall fragst."

      Seth Rich war ein Mitarbeiter des Nationalkomitees der Demokratischen Partei. Er wurde in der Nähe seines Hauses in Washington während eines schief gegangenen Raubüberfalls ermordet. Aber viele Anhänger der amerikanischen Rechts verfolgen die These, dass er derjenige gewesen war, der die Tausenden parteiinternen E-Mails an WikiLeaks während der US-Wahl 2016 übergab. Und dass er deswegen ermordet wurde. Doch dafür gibt es keinerlei Beweise.

      Ich antwortete, dass mir nicht wohl ist, solche Fragen zu stellen. Über Dinge, die jeder Grundlage entbehren. Sogar Fox News hatte kurz vorher Abstand zu dieser Geschichte genommen.

      Doch meine Chefs ließen mich nicht gehen. Denn wenn die Leute glauben, Rich war der Whistleblower, würde das die Schuld von den russischen Hackern nehmen, die von den US-Geheimdiensten dafür verantwortlich gemacht werden.

      Ich fing an zu sprechen. Aber bevor ich überhaupt klären konnte, dass ich unter solchen Bedingungen nicht weiter arbeiten konnte, unterbrach mich der ältere Mann:

      "In diesem Fall haben wir hier Ihren Kündigungsbrief."

      Ich hakte nach, ob ich gefeuert wurde weil ich mich weigerte Lügen zu verbreiten oder ob es einen anderen Grund gab.

      Doch beide "Sputnik"-Chefs erklärten nur, dass sie mir keinen Begründung geben müssten.

      Das sind keine Nachrichten - das ist Propaganda



      Ich sammelte meine Sachen zusammen. Dabei fühlte ich, wie sich das Gewicht von etlichen Monaten unerträglicher Bedingungen von meinen Schultern löste. Ich verließ das "Sputnik"-Büro zum letzten Mal.

      Das Motto von "Sputnik" lautet: "Telling the Untold" - das Ungesagte sagen. Auch das Management sagt, dass es darum geht Geschichten zu erzählen, die von den Mainstream-Medien ignoriert werden und eine "alternative Perspektive" zu bieten.

      Das ist nicht schlecht und ein hehres Ziel.

      "Al Jazeera" wird von der Regierung von Katar finanziert. Auch sie arbeiten darauf hin, Geschichten zu vermelden, die von anderen Medien ignoriert werden und eine andere Sichtweise auf die Nachrichten zu geben. Sie machen einen hervorragenden Job - wie viele der anderen staatlich finanzierten Medien auf der ganzen Welt.

      Wenn aber das Ungesagte gesagt wird obwohl es Mist ist und die "alternative Perspektive" auf Lügen und Halbwahrheiten basiert, dann sind das im Ergebnis keine Nachrichten. Dann ist das Propaganda.

      Der Text wurde von Marco Fieber übersetzt.

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      Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

      Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

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