Protest gegen Holocaust-Buch in Polen

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    • Protest gegen Holocaust-Buch in Polen

      Das umstrittene Buch des US-Soziologen Jan Tomasz Gross über polnische Mitschuld am Holocaust führt in Polen zu wütenden Reaktionen.

      Die Buchhandlungen in Danzig an der Ostsee-Küste seien mit Plakaten “Hier werden antipolnische Bücher verkauft“ beklebt, berichtete die Zeitung “Rzeczpospolita“ am Donnerstag. Ähnliche Protestaktionen habe es auch in anderen Teilen des Landes, etwa in Posen, gegeben, hieß es in dem Blatt.
      Der Verkauf dieses Buches sei eine Schande, sagte ein Teilnehmer der Aktion. Gross hatte einem Teil der Polen vorgeworfen, während der deutschen Besatzung des Landes Zehntausende Juden aus Habgier ausgeplündert und getötet oder an die Deutschen verraten zu haben.
      Um mögliche Käufer abzuschrecken, legte der Internet-Buchhändler Selkar.pl den Preis des Gross-Buches auf 4499 Zloty (umgerechnet 1125 Euro) fest. Ihre Firma könne die Publikation nicht aus dem Angebot streichen, wolle sich aber von den Ansichten des Autors distanzieren, sagte eine Sprecherin zu Begründung. Der Verleger hat einen Preis von 29,90 Zloty empfohlen.
      Ein Sprecher des Krakauer Verlages ZNAK, der das Buch ungeachtet der Proteste Mitte März veröffentlicht hat, sagte der Deutschen Presse-Agentur, Informationen über die Zahl verkaufter Exemplare lägen noch nicht vor. Die Erstauflage betrug 50 000 Exemplare. Bereits vor dem Verkaufsbeginn gab es im Internet Aufrufe zum Boykott des Verlages.
      dpa
      rosenheim24.de/nachrichten/pol…t-buch-polen-1174626.html
      :lol:


    • "Führt in Polen zu wütenden Reaktionen" .....da war es für mich vorbei. Haben die sauberen Polen doch an den Morden überhaupt keine Schuld getragen.

      Für mich gibt es in Europa kein Volk das ihre Identität schneller für Geld verlieren würde als die Polen. Sei es um den Oberschlesien Konflikt, die Mithilfe während des Krieges oder Pommern. Die Polen stellen sich immer auf die Seite derjenigen die gerade gut aussehen. Zu Katyn hielten sie auch 40 Jahre an der Story der fütternden Hand fest.

      Unglaublich :ill:
    • Zur Geschichte der Juden in Polen und zum polnischen Antisemitismus ein interessanter Aufsatz:
      david.juden.at/kulturzeitschrift/70-75/73-perfler.htm
      Wie in anderen europäischen Ländern gehen die Wurzeln des Judenhasses in Polen zurück bis auf das frühe Mittelalter. Im 11. Jahrhundert kam es zu ersten Feindseligkeiten gegenüber Juden und den ihnen von Fürsten gewährten Privilegien. Der Neid der einheimischen Händler auf die wirtschaftliche Position der jüdischen Bevölkerung wie auch die antijüdische Agitation des katholischen Klerus führten dazu, dass Juden ab dem Konzil von Wrozław 1267 in getrennten Wohnvierteln leben mussten und bald gezwungen waren, besondere Kennzeichen zu tragen. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu zahlreichen Pogromen, während der Kriege im 17. und 18 Jahrhundert wurden nahezu 700 jüdische Gemeinden vernichtet. Ausschreitungen standen immer wieder in Zusammenhang mit religiöser Hysterie, besonders dem Ritualmordvorwurf.

      Der am Ende des 19. Jahrhunderts in Europa aufkommende Nationalismus fiel in Polen - einem Land, das insgesamt 123 Jahre lang geteilt war – auf fruchtbaren Boden. Der aufkeimende Nationalismus wurde besonders vorangetrieben durch die nationaldemokratische Partei von Roman Dmowski. Polen war zu diesem Zeitpunkt Heimat für eine der größten jüdischen Gemeinden weltweit. Trotz der auch in diesem Land stattgefundenen Verfolgung hatten jüdische Traditionen großen Einfluss auf die Kultur. Nachdem der polnische Staat nach dem Ersten Weltkrieg neu entstanden war, wurde den Juden unter der Regierung Piłsudski volle Gleichberechtigung gewährt, diese galt aber eher auf dem Papier. Im jungen polnischen Staat wurden Juden als größte Bedrohung angesehen. Sie galten als anti-polnisch, links und als fremde Elemente der Gesellschaft, die man bekämpfen musste. In den späten 1920er Jahren radikalisierte sich die Situation noch: Die Nationaldemokraten riefen zu Pogromen und dem Boykott jüdischer Geschäfte auf.

      Die negative Einstellung gegenüber Juden änderte sich auch nicht während des Zweiten Weltkrieges. Als die Gettoisierung und die Deportationen begannen, kam es kaum zu Solidarität und Mitgefühl mit den polnischen Juden. Natürlich gab es zahlreiche couragierte Einzelpersonen, die Juden halfen zu überleben, doch die Mehrheit der Polen verhielt sich passiv. Daneben gab es auch jene, die Profit aus dem Unheil der jüdischen Bevölkerung schlugen. Auch in der polnischen Untergrundarmee, der Armia Krajowa, waren Juden unerwünscht. Sie galten als nicht vertrauenswürdig und wurden verdächtigt, nur eigene, jüdische Ziele verwirklichen zu wollen.
      :lol: